Der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Björn Engholm (SPD) fordert, dass ein Lübecker in einer SPD-geführten Landesregierung vertreten ist. „Seit Ewigkeiten hat kein Lübecker mehr eine Spitzenposition in der Regierung bekleidet“, erklärte Engholm jüngst auf einer SPD-Veranstaltung mit dem Spitzenkandidaten Torsten Albig. Bei der Verteilung der Regierungsämter solle Albig „nicht nur auf die Kieler gucken“, sagte Engholm. Das müsse nicht gleich ein Ministeramt sein, mit einer Vertretung in der Ministerialbürokratie erklärte sich Engholm auch einverstanden. Der einstige Spitzenpolitiker mahnte zugleich seine hiesigen Genossen, auch mal wieder einen Lübecker SPD-Politiker in die Spitzenämter der Partei zu bringen.
„Lübeck hat nicht mehr den Einfluss und Stellenwert in der Landespolitik, der der Stadt zusteht“, beklagte der langjährige Landtagsabgeordnete Wolfgang Baasch. Die Folge seien Entscheidungen, die den Lübecker Interessen massiv zuwiderliefen. Baasch erinnerte an den Kampf um die Lübecker Uni, nannte aber auch die Schließung des Awo-Frauenhauses. Der Landespolitiker: „Wenn es in letzter Zeit schlecht lief für Lübeck, lag es an den anderen.“ Baasch und seine Kollegen Thomas Rother sowie Hans Müller mussten die Entscheidungen gegen Lübeck von der Oppositionsbank aus verfolgen. Schuld sei die CDU, sagte Baasch. „Die hat mit Lübeck nichts am Hut.“
Bei den hiesigen Christdemokraten ist man genauso unglücklich über die aktuelle Lage. „Noch nie war Lübeck im Landtag so schlecht vertreten wie derzeit“, beklagte Kreisvorsitzender Ulrich Krause auf dem Parteitag am Wochenende. Die Stadt stelle zwar fünf Abgeordnete, aber keiner stamme aus der CDU. Auch die Lübecker Union hat es versäumt, gute Leute in die Landesgremien zu schicken und für Spitzenämter aufzubauen. Krause: „Wir dürfen uns nicht in die Schmollecke zurückziehen, sondern müssen uns aktiv auf Landesebene einbringen, um wieder Einfluss zu gewinnen.“ Der Travemünder Rechtsanwalt geht mit gutem Beispiel voran und schreibt am Landeswahlprogramm der CDU mit. „Lübeck hat die Beziehungen ins Umland zu lange nicht gepflegt“, analysiert Fraktionschef Andreas Zander. Als kleiner Kreisverband sei es deshalb schwierig, auf Landesparteitagen gegen größere Kreisverbände Personal durchzusetzen. Dabei hätte die lübsche Union in der jüngeren Vergangenheit durchaus fähige Leute stellen können. „Frank Sauter hatte sich im Bereich Finanzen einen Namen gemacht“, sagt Zander, „und unseren damaligen Innensenator Thorsten Geißler hätte man auch fragen können.“
Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) lehnt einen Ruf nach Kiel ab. „Ich habe keine große Neigung, Minister oder Staatssekretär zu werden“, erklärt der Rathaus-Chef, „ich bin gerade wiedergewählt, und meine dritte Amtszeit hat noch nicht einmal begonnen.“ Die lübsche SPD habe ausreichend fähige Leute für solche Jobs, erklärt SPD-Fraktionschef Peter Reinhardt. „Gegen die, die jetzt da sitzen, können wir gegenhalten.“ Namen werden höchstens unter der Hand gehandelt. Wolfgang Baasch, seit 16 Jahren im Landtag, ausgewiesener Sozialexperte und seit kurzem Landesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, könnte im Sozialministerium gehobene Positionen bekleiden. Thomas Rother, der in der Partei einen ausgesprochen guten Ruf besitzt, wird der Staatssekretär locker zugetraut. Auch Jan Lindenau, Finanzexperte der SPD, wird unter der Hand genannt.
Als Engholm Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre in der Staatskanzlei regierte, stellte Lübeck gleich drei führende Politiker. Neben dem Ministerpräsidenten Gerd Walter als Europa- und Justizminister sowie Gisela Böhrk als Frauenministerin. Später rückte Frauenministerin Angelika Birk (Grüne) ins Kieler Kabinett ein. Im Februar 2001 musste mit Wirtschaftsstaatssekretär Uwe Mantik (SPD) der letzte Lübecker seinen Hut nehmen. Ob es besser wird, wissen nur die Spitzenkandidaten von SPD und CDU. Albig ließ sich aber auf keinerlei Personaldebatte ein. Posten würden erst nach der Wahl am 6. Mai verteilt.
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