Wenn Andreas Klauck über seine Erfindungen spricht, erklärt er alles bis ins kleinste Detail. Er redet von Frequenzbereichen, Kapillarkräften, Spannungsmessungen, kramt Diagramme hervor, die für Laien größtenteils Bahnhof bedeuten, beschreibt am halbfertigen Modell, wie die Elektroteile montiert werden. Wahrscheinlich könnte er stundenlang über sein Schaffen referieren. Und noch länger über seine – durchaus apokalyptischen – Visionen.
Eine kleine Gewerbehalle im Süden von Gadebusch. Der Name des Vormieters ist mangelhaft abgeschabt, ein Heizungsunternehmen. Eine Tafel mit dem Schriftzug „Klauck Energie Technik“ verdeckt nur mäßig den Vorgängertitel. Hinter dem Gebäude stapeln sich mehr als ein Dutzend Heizöltanks, diese Metallwürste, wie sie in vielen Gärten stehen. Der Eingangsbereich wirkt kahl. Kunststoffboden, graue Wände, leere Regale. Schick eingerichtet ist was anderes. Und ausgerechnet heute ist die Sekretärin krank. „Man glaubt es kaum, aber hier herrscht derzeit schon ein bisschen Chaos“, sagt Matthias Wroblewski, 27 Jahre alt, Praktikant bei Andreas Klauck. Mit mehreren kleinen Päckchen betritt der 53-Jährige das Gebäude. Die Augen klein, der Bauch etwas größer. Die leicht verwaschene Jeans sitzt locker, am Baumwollpulli baumelt ein kleines Schmuckstück. Mit mehr Schmutz an den Händen, Helm und Zigarette würde Klauck als Produktionsleiter einer Stahlfabrik durchgehen. Doch er ist Erfinder und Visionär.
Seine neueste Erfindung ist ein Mauerentfeuchtungsgerät, das per Moistron-Verfahren funktioniert. Dieses Verfahren basiert auf der Impuls-Modulations-Technologie. Dieses Wort hat er sich selbst ausgedacht. „Das Patent ist schon angemeldet“, sagt Klauck.
Irgendwann im Laufe seines Vortrages setzt sich das Puzzle zusammen. Die Feuchtigkeit in den Wänden, die Klauck mit seinem Gerät bekämpfen will, ist elektrostatisch geladen. Das Steuergerät „Aquacontrol“ sendet elektromagnetische Impulse aus, sodass sich beide Felder ausgleichen und das Wasser zurück ins Erdreich getrieben wird. Das funktioniere allerdings nur mit so genannter Kapillarfeuchtigkeit, also Feuchtigkeit, die in die winzig kleinen Zwischenräumen der Hauswände hochgesogen wird. Wer in Biologie aufgepasst hat, weiß, dass auch Pflanzen mithilfe der Kapillarkraft das Wasser aus dem Boden in sich verteilen. Bei Andreas Klauck hört sich das alles weitaus komplizierter an. Er selbst ist da keine Ausnahme.
Der einzige Raum im Gebäude mit Teppichboden ist Klaucks Büro. Sein Schreibtisch ist aus massivem Holz, rotbraun lackiert, so auch das Wandregal. Unter einem der beiden großen Fenster steht eine dieser neumodischen Maschinen, die den Kaffee aus kleinen runden Beutelchen presst. Auch ein Chefsessel steht hier. „Hier halte ich mich ungern auf“, sagt Andreas Klauck, „aber manchmal muss das auch sein.“ Manchmal muss er auch Geschäftsführer sein.
Viel lieber aber ist er Tüftler. Deshalb findet man ihn meistens weiter hinten im Gebäude, in seinem Laboratorium. Ein kleines Fenster, zwei Schreibtischlampen, ein alter Röhrenmonitor, unzählige Kabel, Stecker, Schrauben und Werkzeuge liegen und hängen hier verstreut im Raum herum. „Ich habe nicht so viel Zeit, deshalb mache ich vieles gleichzeitig, arbeite auf mehreren Ebenen“, sagt Klauck. Aufräumen scheint nicht in seinen Zeitplan zu passen. „Ich finde ja alles wieder“, sagt er.
Zuletzt hatte Klauck mit der Erfindung einer Windenergieanlage für den heimischen Garten auf sich aufmerksam gemacht. Der Absatz läuft gut. Während Praktikant Mathias Wroblewski die technischen Zeichnungen am Computer anfertigt, warten in der Produktionshalle fünf der Heim-Wind-Kraftwerke auf die Endmontage. „Eigentlich wollte ich ja nur entwickeln und die Fertigung auf andere Firmen auslagern“, sagt Klauck, während er seinen selbst konstruierten Windkanal öffnet. „Man will uns ja immer weiß machen, dass die Amerikaner das erste Überschallflugzeug gebaut haben. Aber Überschall kannst du nur bauen, wenn du einen Windkanal hast. Und den gab es damals nur in Deutschland“, sagt er beiläufig. Hier in Gadebusch testet er damit die Aerodynamik seiner Windkraftanlage.
„Mein Hobby ist mein Beruf“, sagt der 53-Jährige. Früher habe er sieben Tage die Woche gearbeitet, von ganz früh bis ganz spät. Mittlerweile nimmt er sich immerhin den Sonntag frei, nimmt sich Zeit für die Familie, seine Frau, seine beiden erwachsenen Töchter, seinen Hund, Bücher. „Es ist schwer, abzuschalten, ständig rattert es im Kopf. Ich sage immer: Selig sind die Doofen. Ich habe noch so viel im Kopf, was ich noch machen muss.“
Nicht will, nicht möchte – „Muss“ ist zu einhundert Prozent ernst gemeint. Am besten noch in diesem Jahr. „Die nächste große Krise steht uns bevor“, sagt Klauck. Er sieht sich nicht nur als Erfinder. Klauck weiß auch, was geschehen werde. Die gar nicht so rosigen Zukunftsaussichten der Welt sind der Treibstoff seiner Arbeit. Das Ziel: Jeder Bürger soll sich autark versorgen können. „In diesem Jahr gibt es einige große Sonnenerruptionen, das weiß man schon lange. Auch die Planeten stehen in einer Konstellation, die es seit 26 000 Jahren nicht gegeben hat.“ Klingt nach Science Fiction, klingt nach Maya, klingt nach dem Ende der Zivilisation. „Wir stehen kurz vor dem dritten Weltkrieg“, sagt Klauck. Die derzeitige Situation im Iran sei bedrohlich, dass der Euro nicht funktioniert, sei abzusehen gewesen, die Energiekrise steht vor der Tür, Strom werde großflächig und lange ausfallen. Klauck: „Das kann man alles nachlesen.“ Einen Bunker habe er sich bereits gebaut. „Meine Theorien gehen noch viel weiter. Nur so viel: Jedes System ist endlich. Ich will dafür sorgen, dass die Menschen darüber hinaus unabhängig überleben können.“ Geht die Welt unter? „Nein“, sagt Klauck, „Wahrscheinlich nicht.“
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