Die Eislage an der Elbe hat sich seit Freitag dramatisch verschärft: Zwischen Hamburg-Spadenland und Geesthacht steht das Eis auf einer Länge von mehr 20 Kilometern – Tendenz zunehmend. Bis heute dürfte sich das Eis bis Lauenburg aufgeschoben haben, das sind dann rund 30 Kilometer. Dahinter bildet sich rasend schnell ein Hochwasser. Innerhalb einer Stunde stieg der Pegel im Geesthachter Hafen am Freitag um 30 Zentimeter und brachte beinahe die eingefrorene Stadtbarkasse „Piep“ zum Kentern.
Nach einem ähnlichen Eisstau 1987 wurden die Ufer am Oberlauf der Elbe überschwemmt, Pioniere der Bundeswehr mussten damals anrücken einen Pfropfen im Eis sprengen, der den Fluss verstopft hatte. Diesmal ist die Barriere mit 20 Kilometern Länge für alle möglichen Hilfsmaßnahmen viel zu lang. Und pro Sekunde strömen Tausende Kubikmeter Wasser elbabwärts. Die können unterhalb des Geesthachter Stauwehrs wegen der Eismassen nicht mehr abfließen, das Wasser staut sich zurück. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) geht in seiner Pegelprognose zwar noch von fallenden Werten aus. Allerdings ist das eine trügerische Ruhe: Es handelt sich nur um den Rückgang des Hochwassers aus dem Oberlauf der Elbe. Das fällt seit Tagen. Aber der Anstieg vom Tiedegebiet der Elbe wird bei der Prognose nicht berücksichtigt werden. Hilfskräfte und Mitarbeiter des WSA sind deshalb schon ununterbrochen im Einsatz, um die Situation zu beobachten. Erster Eis-Alarm herrschte nun im Geesthachter Hafen: Das Hochwasser, das sich hinter einer Eis-Barriere bildet, die zwischen Geesthacht und Ochsenwerder festsitzt, ließ im Hafen den Pegel rasend schnell steigen. Die mit dem Rumpf seit zwei Wochen im Eis eingeschlossene Stadtbarkasse „Piep“ geriet dadurch in Schieflage. „Auf der einen Seite hing die Barkasse fest im Eis, auf der anderen stieg das Wasser. So drohte sie zu kentern“, sagte Geesthachts stellvertretender Feuerwehrchef Olaf Wieck.
Gemeinsam mit Ordnungsamtsleiter Heiko Holler prüfte er die Lage vor Ort und entschied dann, einen Hilfseinsatz zur Bergung der Barkasse zu starten. Feuerwehrleute, Polizisten, Wasserschutzpolizisten, Mitarbeiter der städtischen Betriebe und Arbeiter einer Tiefbaufirma rückten an. Während die Crew der „Piep“ die Barkasse ausräumte, lief der Einsatz an. „Unterdessen sind acht der zehn normalerweise in Geesthacht stationierten Eisbrecher auf der Elbe im Einsatz, um die Eisbarriere elbaufwärts Richtung Geesthacht zu knacken. Mit einer Leistung von zusammen 10 000 PS stemmen sich die Spezialschiffe des Wasser- und Schifffahrtsamtes gegen die Blockade. „Es ist gewaltig“, sagte Andreas Schultz, der Einsatzleiter der WSA-Flotte. Zwischen drei und fünf Metern hoch türmen sich die übereinander geschobenen Eisschollen. Über Wasser ist nur ein Teil davon zu sehen. Immer wieder nehmen die Kapitäne Anlauf, rammen mit dem extra starken Bug ihrer Schiffe die Eisberge.
„Wir können noch nicht sagen, wie es weitergeht und wie lange unser Einsatz dauert“, sagte Schultz. Immer wieder lösen die Eisbrecher große Eisbrocken aus der Blockade, müssen dann zusehen, dass sie das gelöste Eis schnell zerkleinert kriegen, damit es mit ablaufendem Wasser gut Richtung Hamburg abfließen kann, ohne eine neue Verstopfung zu bilden. Tagsüber geben die Crews an Bord der Spezialschiffe Vollgas, nachts ist die Situation wegen der Dunkelheit und dem unberechenbaren Eisabbruch zu gefährlich für einen Einsatz.
Es wird aber wohl noch Tage, wenn nicht gar zwei Wochen dauern, ehe die Geesthachter Eisbrecher die Elbe aufgeknackt haben.
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