„Der Einsatz ist auffällig und ragt heraus aus den sonstigen nächtlichen Ereignissen“, sagt Polizeisprecher Stefan Muhtz. Und auch Cargo-Betreiber Jens Baschant hat „solch einen Einschlag noch nicht erlebt“. Seit Eröffnung des Partyschiffes im November 2010 habe es zwar ab und an mal ein bisschen Stress mit einzelnen Besuchern gegeben, „aber im Schiff selbst hatten wir noch keine Schlägerei“. Und auch die Massenschlägerei im vergangenen November spielte sich draußen in der Kanalstraße ab.
In der Nacht zu gestern begann die Massenschlägerei jedoch im Frachtraum des Schiffes, dem sogenannten Black Floor, in dem sich zahlreiche aggressive Besucher aufhielten und miteinander in Streit gerieten. Auf den anderen Floors hatten knapp 400 Gäste friedlich gefeiert. Wie genau es losging, weiß am Tag danach niemand zu sagen.
Der eingesetzte Sicherheitsdienst der Firma DG Security von Davor Glusac und Christian Honhold, mit fünf Leuten im Einsatz, meldete um 3.40 Uhr eine größere Schlägerei mit 30 bis 40 Personen. Als die herbeigerufene Polizei einen 19-jährigen Lübecker des Schiffes verweisen wollte, schlug der junge Mann mit der Schnalle eines Ledergürtels um sich. Zur selben Zeit griffen 20 Discobesucher vier am Treppenaufgang stehende Polizeibeamte an.
Für den „College Club“ hatte Baschant die Räume zum dritten Mal an Veranstalter Firat Özden vermietet. Dennoch sieht er sich selbst mit in der Verantwortung, auch wenn er sich nicht erklären kann, wie es zu dem Vorfall kam. Baschant: „Als ich nach Hause ging, war es eine tolle Party.“ Davor Glusac sieht das Problem darin, „dass der Veranstalter schon vorab Karten an Leute verkauft hat, die wir nicht reingelassen hätten“. Özden widerspricht, „denn das waren nur sieben Karten für Freunde“.
In der heißen Phase der Auseinandersetzung erlitten zwei Mitarbeiter des Wachdienstes Prellungen durch Tritte und Schläge. Einer konnte ambulant behandelt werden, der andere wurde im Krankenhaus versorgt. Ein Discobesucher verletzte sich mit einer Glasscherbe an der Hand und wurde ebenfalls im Krankenhaus behandelt. Was Security-Chef Glusac besonders erschreckt: „Dass die Leute keinen Respekt vor der Staatsmacht haben.“ Eskaliert sei die Lage, als die Polizei in der Disco eintraf. „Da haben sich verschiedene Gruppen gegen die Polizisten verbündet.“ Als positiv sehen alle Verantwortlichen an, dass keiner bewaffnet war.
Weil die Lage mehr als unübersichtlich war, forderten die Beamten Verstärkung auch aus der Region und von der Bundespolizei an. Letztlich wurden 23 Funkwagen eingesetzt. Unter diesem massiven Polizeieinsatz konnte die Lage zwar zügig beruhigt werden. „Doch weil auf dem Schiff alles sehr unübersichtlich war, hat die Einsatzleitung entschieden: Schluss“, sagt Stefan Muhtz. Um 3.50 Uhr wurde die Disco komplett geräumt, was ohne größere Schwierigkeiten vonstatten gegangen sei.
Schon gestern nahmen Sicherheitsdienst, Betreiber und Veranstalter miteinander Kontakt auf, heute wollen sie bei einer gemeinsamen Krisensitzung besprechen, wie sich solche Vorfälle künftig vermeiden lassen. Ob es den „College Club“ weiterhin gibt, ist offen.
Das erste Polizeirevier hat übrigens die Ermittlungen aufgenommen. Zeugenhinweise werden unter Telefon 04 51/ 13 10 erbeten.
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