Von Jens Kürbis
Lübeck – Noch 40 Sekunden. Als Adrian Wagner sich den Ball in der eigenen Hälfte schnappte, die zur offenen Manndeckung übergangenen Bittenfelder wie Slalomstangen umkurvte und den Ball mit unbändiger Wucht ins rechte obere Toreck nagelte, so als ob er da für immer hängen bleiben sollte, war das große Zittern vorbei, der 29:26 (17:16)- Erfolg perfekt. Der VfL Bad Schwartau fügte dem seit Ende Oktober in fremder Halle unbezwungenen TV Bittenfeld nach 104 Tagen die erste Auswärtsniederlage zu.
„Die gute Abwehr mit einem überragenden Ariel Panzer war wieder der Schlüssel zum Erfolg“, war Trainer Torge Greve erleichtert. „wir haben von Anfang an dominiert, verdient gewonnen.“ Hinrichsen & Co. brauchten einige Minuten, um vor 1966 Zuschauern Schwung aufzunehmen. Doch nach der ersten Führung (Podpolinski – 3:2/5.) lief der VfL-Motor – und das hochtourig. Das Plus: der bewegliche Abwehrblock und Panzer zwischen den Pfosten. Der Deutsch-Argentinier ließ die Waiblinger um ihren 2,07-m- Riesen Alexander Weiß anfangs schier verzweifeln. Eine Schau: Schwartau spielte Bittenfeld, drückte wie der TVB sonst immens aufs Tempo – Konter, zweite Welle, flott im Positionsangriff, zudem mit schönen Kombinationen. Stark: Toni Podpolinski traf aus allen Lagen (13 Würfe/10 Treffer). Eine Augenweide: Martin Zeschke am Kreis. Wendig, gut in Szene gesetzt, mit Ball kaum zu halten. Der VfL zog so fix auf 10:5 (12.) weg. Alles passte, alles saß. „Wir haben ein Wahnsinnstempo vorgelegt“, meinte Podpolinski. Doch nach dem 13:9 (17.) stotterte der VfL-Motor, schaltete in einem Spiel auf hohem Niveau in einen zehnminütigen Leerlauf (14:14).
Nach der Pause war es wieder Schwartaus Doppel-P Panzer& Podpolinski, das Akzente setzte. Und als Wagner auf Halblinks und Sascha Todsijevic als Spielmacher für Entlastung sorgten, die kleinlichen Schiris für viel Platz auf dem Feld sorgten (5 gegen 4) und der VfL die Phase mit zwei Treffern für sich entschied, schien alles gelaufen. Erst recht als Podpolinski mit sattem Unterarmwurf und Wagner per Siebenmeter zum 28:23 (57.) nachlegten. Denkste. Denn Bittenfelds Manndeckung zeigte Wirkung, beim VfL begann das große Flattern . . .
„Mann, haben wir das noch mal spannend gemacht“, grinste Jan Schult. Und „Matze“ Hinrichsen fand, „dass unsere Körpersprache entscheidend war. Wir haben die Zuschauer mitgenommen. Nach dem Schock, der Verletzung von Kevin Jahn, sind wir alle ein Stück enger zusammengerückt.“ Podpolinski dokumentierte die Nähe zum abermals verletzten Abwehrchef ganz besonders. Er trug unter dem Trikot ein weißes Shirt mit der Nummer 5 und dem Schriftzug „Jahn“.
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