«Das ist wie ein Finale. Der Ausgang könnte für den Verlauf der Saison entscheidend sein», sagte Kapitän Marcelo Bordon vor dem Qualifikations-Hinspiel in der Champions League gegen Atlético Madrid. Auch Schalkes Präsident Josef Schnusenberg hob die große Bedeutung des Duells gegen die Spanier hervor. «Der Einzug in die Gruppenphase ist nicht nur sportlich wichtig, sondern auch wirtschaftlich.» Für den Aufsichtsratschef Clemens Tönnies wäre die abermalige Teilnahme an der Königsklasse sogar ein «weiterer Meilenstein» in der Entwicklung des Revierclubs, der es im Vorjahr bis ins Viertelfinale schaffte.
Mit dem vermeintlich schwersten Los haben sich inzwischen alle abgefunden. Mittelfeldspieler Fabian Ernst findet das sogar positiv: «So weiß jeder, was wir abliefern müssen, um die Gruppenphase zu erreichen. Alle können sich auf zwei schöne Spiele freuen.» Nicht nur die Mannschaft fiebert dem ersten Heimspiel vor 54 142 Fans entgegen, auch beim neuen Cheftrainer Fred Rutten steigt die Spannung vor seiner internationalen Feuertaufe drei Tage vor dem Bundesliga-Auftakt. Der Niederländer hat alles getan, um sein Team optimal auf den neunmaligen spanischen Meister vorzubereiten. «Atlético hat eine gute Mannschaft. Vielleicht ist es ein Vorteil, dass wir in der Vorbereitung etwas weiter sind als die Spanier. Aber vielleicht ist es auch ein Vorteil für sie, dass sie in 14 Tagen im Rückspiel Heimrecht haben. Wir wollen uns in jedem Fall eine gute Ausgangsbasis schaffen. Kleine Details werden letztlich entscheidend sein.»
Der Respekt der Madrilenen, die zuletzt vor elf Jahren an der Champions League teilnahmen, vor Schalke ist mindestens so groß wie umgekehrt. Zur Vorbereitung hat das Team von Trainer Javier Aguirre vier Tage lang in seinem Trainingszentrum hinter verschlossenen Türen trainiert. «Wir haben lange darauf hingearbeitet, endlich wieder in der Champions League zu spielen. Jetzt wollen wir die Chance nutzen», sagte Kapitän Antonio López. «Die Chancen stehen 50 zu 50. Wir wollen in Gelsenkirchen unser Tor sauber halten und versuchen, selbst einen Treffer zu landen.»
In den Tests vor der in zweieinhalb Wochen beginnenden Saison in der Primera División hinterließen die Rot-Weißen einen durchwachsenen Eindruck. Wie Schalke (Rafinha) muss Atlético in dem argentinischen Stürmerstar Sergio Agüero einen Olympia-Teilnehmer ersetzen. Zudem fehlen Thiago Motta (verletzt) und der aussortierte Maniche.
Rutten wird wohl der im DFB-Pokal in Homburg (3:0) siegreichen Elf vertrauen. Die Hoffnungen, im vierten Anlauf erstmals ein Champions-League-Auftaktmatch zu gewinnen, ruhen vor allem auf Jefferson Farfán. Neben dem peruanischen Angreifer gefiel bisher auch der zweite Neuzugang, der Niederländer Orlando Engelaar. «Mit den beiden haben wir an individueller Klasse gewonnen. Ich gehe davon aus, dass sie eine Belebung sind», sagte Manager Andreas Müller.
Erst einmal trafen beide Teams im Europacup aufeinander. Doch das ist ebenso lange her wie Schalkes letzte deutscher Meistertitel. In der Saison 1958/1959 setzten sich die Spanier gegen das Knappen-Team um Berni Klodt und Willi Koslowski durch. Schnusenberg: «Es ist schon kurios, dass wir in diesem Jahr das Jubiläum unserer Meisterschaft 1958 feiern können und gleich wieder auf den Club treffen, der uns damals aus dem Meisterpokal geworfen hat. Hoffentlich können wir Revanche üben.»
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
FC Schalke 04: Schober - Westermann, Höwedes, Bordon, Pander - Jones, Ernst, Engelaar - Farfán, Kuranyi, Rakitic (Altintop)
Atlético Madrid: Leo Franco - Perea, Heitinga, Ujfalusi, López - Maxi Rodríguez, Assunção, Raúl García, Simão - Forlán, Sinama Pongolle
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