Darboven, Cousine von Albert Darboven, entstammte einer namhaften Hamburger Kaufmannsfamilie. Nach ihrem Studium in Hamburg setzte sie ihre Ausbildung 1966 in New York fort. Beeinflusst von Künstlern der Minimal Art, fand sie früh zu einer eigenen Ausdrucksform. Bekannt wurde sie durch ihre Schreibzeichnungen, die auf Zahlenoperationen, Ausschreibungen von Ziffern, sowie rhythmischen Linien und Durchstreichungen beruhen.
«Hanne Darboven ist eine der weltweit wichtigsten Konzeptkünstlerinnen. Auf jeden Fall die wichtigste Deutsche», sagte der Präsident der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Martin Köttering, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. 1972 war die eigenwillige Künstlerin mit dem prägnanten Kurzhaarschnitt zum ersten Mal auf der Documenta vertreten, 1982 vertrat sie Deutschland auf der Biennale in Venedig. Zahlreiche Museen weltweit zeigen ihre radikalen Arbeiten. 2002 auf der Documenta 11 gestaltete Darboven auf drei Geschossen die Wände im Fridericianum mit holzgerahmten Blättern im A4-Format, die über und über mit Zahlenfolgen beschrieben waren.
An der Hochschule für Bildende Künste ihrer Heimatstadt hatte Darboven von 1962 bis 1965 studiert und dabei gelernt, traditionelle Vorstellungen von einem Bild hinter sich zu lassen, da bereits «alles gemalt ist». Auf der Suche nach Ureigenem knüpfte Darboven in New York Kontakte zu experimentellen Kreativen wie Sol LeWitt und Carl André sowie zum Avantgarde-Galeristen Leo Castelli. «Ich verweigere Ausdrucksformen, ich vermittle streng formalistisch», sagte die Künstlerin einmal, die mit Zahlenadditionen nach Kalenderdaten begann, später aber auch Gedichte, philosophische Betrachtungen, alte Postkarten und sogar Gegenstände in ihre Werke aufnahm.
«Es geht Hanne Darboven um die Strukturierung von verrinnender Zeit und Erinnerung», sagte Christoph Heinrich, ehemaliger Kustos an der Hamburger Kunsthalle, in deren Archiv das Frühwerk lagert. «An feinsten Veränderungen der Zeichen-Struktur lässt sich Vergänglichkeit ablesen.» Die extrem öffentlichkeitsscheue Künstlerin lebte distanziert am Rande von Hamburg-Harburg auf einem uralten Anwesen ihrer Familie, die im Kaffeehandel Bedeutung errang. In dieses Haus war Darboven, die in sehr bestimmtem Ton sprach und gern eine Weste mit Dutzenden von Buttons trug, nach prägenden Jahren in Paris und New York 1969 zurückgekehrt.
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