Regisseur Stefan Bachmann macht in Wien Botho Strauß' hochintellektuelles Theaterstück «Trilogie des Wiedersehens» zu einer bitteren Komödie über die menschliche Oberflächlichkeit. Die Aufführung, die Freitagabend im Burgtheater Premiere hatte, wurde vom Publikum mit kurzem, respektvollem Applaus bedacht, in den sich vereinzelte Jubelrufe für die Schauspieler mischten.
Moritz (Markus Hering), der Direktor eines städtischen Kunstvereins, hat Mitglieder und Freunde zur Vorbesichtigung seiner neuen Ausstellung geladen. Es ist eine bunte Gesellschaft, zwischen deren Mitgliedern die verschiedensten Beziehungen bestehen: das gegenseitige Unverständnis zwischen Franz (Roland Koch) und seinem Sohn Answald (Daniel Jesch), beide Schauspieler, aber unterschiedlich erfolgreich; das animalische Verhältnis zwischen der Malerin Marlies (Melanie Kretschmann) und ihrem ungehobelten Freund Felix (Jörg Ratjen), der als Angestellter in einem Kaufhaus arbeitet. Mit dabei ist auch die launische Susanne (Regina Fritsch), die eine Hassliebe mit Moritz verbindet.
«Sommer 1975» lautet die erste Regieanweisung in dem 1977 uraufgeführten Stück. Entsprechend sind Kostüme (Annabelle Witt) und Haartracht der Figuren in der Neuinszenierung gestylt. Der Text hingegen wird anders behandelt als von Botho Strauß vorgesehen: Die ernst gemeinten kunsttheoretischen Äußerungen werden bei der Wiener Aufführung zu Geschwätz, das Tiefsinnigkeit nur vortäuscht. Entsprechend halten sich die Schauspieler bis kurz vor Ende immer nur an der Außenseite des sich häufig drehenden kreisförmigen Bühnenbildes (Hugo Gretler) auf. Erst als die Ausstellung vom Vorstand des Kunstvereins kurzerhand abgesagt wird, bekennen die Künstler und Kunstfreunde Farbe und begeben sich in die Tiefe der Bühne und des Gesprächs.
Vor allem wenn es um ihre verkorksten Beziehungen geht, können sich die Figuren des Stückes nicht aus den eingefahrenen Kommunikationsmustern lösen. Hier herrschen hohle Phrasen und aufgesetztes Gehabe. Echte Gefühle entwickeln am ehesten noch jene, die nicht zu den Künstlern zählen: der vom Lärm seiner Arbeitsstätte entnervte Drucker Richard (Dietmar König), der von seiner Tätigkeit in Afrika bewegte Arzt Lothar (Juergen Maurer) oder der sich über die Oberflächlichkeit der Künstler empörende bürgerliche Mäzen Martin (Johann Adam Oest).
Einmal fällt der Begriff «Zwergleidenschaft». Die Inszenierung interpretiert die «Trilogie des Wiedersehens» als Gegenpol zu Johann Wolfgang von Goethes aus drei Gedichten bestehender «Trilogie der Leidenschaft». Einen Schlüsselsatz spricht das Kunstgroupie Johanna (Katharina Lorenz) aus: «Unser Land hier, das ist einfach kein fruchtbarer Boden für die großen Gefühle.»
Kommentare powered by Disqus. Unsere Nutzungsbedingungen.

