Aus dem ehemaligen Arbeiterviertel wurde zunächst ein schicker Studenten- und Künstler-Kiez, mittlerweile ist das Viertel auch in Hand junger, hipper und in erster Linie gut verdienender Eltern. Im Rahmen der Reihe «Unter deutschen Dächern» zeigt die ARD an diesem Mittwoch (23.30 Uhr) die Dokumentation «Berlin - Prenzlauer Berg». Darin hat sich TV-Autor Kristian Kähler von Radio Bremen rund um den Kollwitzplatz umgesehen und neben Jung-Gastronomen, Schauspielern und Anwälten auch ein Pärchen gefunden, das der neuen Berliner Bohème die Stirn bietet.
«Wir sind die letzten Mohikaner», sagt Frau Kauz, die mit ihrem Mann seit mittlerweile 50 Jahren am Kollwitzplatz wohnt. Ältere Menschen seien immer weniger zu finden im Prenzlauer Berg, was in erster Linie an den immer höheren Mietpreisen liegt. Reiche Leute aus dem Westen und dem Ausland hätten Wohnungen gekauft, «fast zu jedem Preis», bedauert auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Er hat wie das Ehepaar Kauz einen alten DDR-Mietvertrag. Dann könne man es sich leisten, hier zu wohnen, so Thierse.
Der Mietpreis ist für die Kunden von Andreas Stahlmann ein eher kleineres Problem, der Immobilienmakler hat sich auf renovierte Dachgeschosswohnungen spezialisiert. Stahlmann findet seine Klientel im Prenzlauer Berg ebenso problemlos wie der Kinderwagenladen «Rasselfisch», wo ein Baby-Buggy schon mal an die 1000 Euro kosten kann. Junge Eltern, zumeist beide berufstätig, können sich Anschaffungen dieser Art leisten, und auch der selbstverständliche Besuch im Bio-Laden oder dem Kuchen- und Frühstücks-Café um die Ecke scheitert nicht am Geldbeutel.
Dagegen studiert das Ehepaar Kauz täglich die Werbeflyer der großen Supermärkte auf der Suche nach Schnäppchen. Unwohl fühlen sich die beiden in der ziemlich homogenen Masse der jungen Berliner Bohème aber nicht. «Wir müssen uns der Zeit entsprechend anpassen», meint Herr Kauz mit einem Schmunzeln, «und da wir uns anpassen können, werden wir es noch einen Weile hier aushalten.»
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