Rudi Dutschke war ein umstrittener Mann. Von den Studenten der 68er Generation geliebt wurde er zum Hassobjekt der Konservativen und erklärten Lieblings-Prügelknaben der Springer- Presse.
Dass allerdings auch seine Freunde und Wegbegleiter ein sehr unterschiedliches Bild von Dutschke und vor allem von ihrer eigenen Rolle in seinem Leben und Wirken hatten, das zeigt der Film «Dutschke», der an diesem Dienstag (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist.
Beginnend mit der von Dutschke angeführten Demonstration gegen den Besuch des kongolesischen Politikers Tschombé 1964 in Berlin bis zu seinem Tod in Dänemark am Heiligabend 1979 erzählt der halbdokumentarische Fernsehfilm die Geschichte des Studentenführers, den der Anschlag auf dem Berliner Kurfürstendamm 1968 aus dem politischen und öffentlichen Leben riss. Spielfilmszenen, in denen Schauspieler Christoph Bach in die Rolle Dutschkes schlüpft, wechseln sich ab mit Interviews, in denen Weggefährten oder auch Dutschkes Ehefrau Gretchen zu Wort kommen.
Bei einer Premiere im kleinen Kreis am Donnerstag in Berlin löste der Film unterschiedliche Reaktionen aus. «Ich fand es ein bisschen besser diesmal», sagte die Witwe des deutschen Studentenführers, Gretchen Dutschke-Klotz, die den Film bereits kannte. Sie sah ihn aber zum ersten Mal auf der Kinoleinwand. Die schauspielerischen Leistungen gefielen ihr gut, die Interviewpassagen weniger. Ex-68er Bernd Rabehl stellt die Amerikanerin darin als naiv und hilflos dar.
Der Schriftsteller Peter Schneider sagte auf dem Podium, vieles im Film sei gut getroffen, besonders die «hysterische Atmosphäre», die Ende der 60er Jahre in Berlin herrschte. Der Journalist Claudius Seidl, der als Kritiker in dem Dokudrama auftritt, fand den Film hingegen «problematisch» und die Hauptfigur sehr geschönt interpretiert. Die Debatte im Kino Babylon verlief zum Teil hitzig, eine Zuschauerin war so aufgebracht, dass sie auf dem Podium Platz nahm.
«Die Faszination, die von Rudi Dutschke ausgegangen ist, hat sich uns am Anfang nicht so erschlossen», sagt der 1971 geborene Regisseur des Films, Stefan Krohmer. «Das hat sich im Laufe der Arbeit daran dann schon geändert. «Wir wollen, dass der Zuschauer uns dabei zusieht, wie wir uns mit Hilfe von Zeitzeugen ein Bild von Rudi Dutschke machen.»
Dutschke-Darsteller Bach (geboren 1975) spricht von einem «unglaublichen Dickicht an Meinungen». Die neuen Enthüllungen über den Tod des Studenten Benno Ohnesorg und den Todesschützen Karl-Heinz Kurras, der Stasi-Spitzel war, hätten aber nichts an ihrer Betrachtung der 68er-Generation geändert, sagen sowohl Regisseur als auch Hauptdarsteller. «Dutschke war einfach sehr glaubwürdig.»
Und genau so spielt Bach den Studentenführer auch: hoffnungslos idealistisch, vielleicht sogar ein bisschen naiv und ohne jeden Hauch von Ironie. Trotzdem - oder gerade deshalb - bleibt die Galionsfigur der Studentenbewegung dem Zuschauer in dieser an Sarkasmus reichen Zeit etwas fremd. Dafür ist das Bild, das der Film anhand der Interviews von den Wegbegleitern Bernd Rabehl und Gaston Salvatore zeichnet, umso prägnanter. Rabehl, der inzwischen scheinbar die Seiten gewechselt hat, fiel in den vergangenen Jahren als Soziologe an der Freien Universität Berlin immer wieder wegen rechtsradikaler Äußerungen und seiner Nähe zur NPD auf.
Der gebürtige Chilene Salvatore übersetzte mit Dutschke Texte Che Guevaras ins Deutsche und machte sich nach seiner Zeit in der Außerparlamentarischen Opposition (APO) vor allem als Schriftsteller einen Namen. Bei seinen ehemaligen Mitstreitern fiel er spätestens unangenehm auf, als er auf einer Reise durch China über ein «unzumutbar proletarisches Hotelbett» oder Haare im Waschbecken klagte.
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