ln-online/lokales vom 23.01.2010 13:30
Landtagswahl: Ausschuss sammelt Wahlergebnis ein
32 Stimmen mehr für die Linke, ein Stimmzettel mehr als gedacht: Beim Nachzählen der Stimmen aus dem Wahlbezirk Husum III decken die sieben Mitglieder des Landeswahlausschuss diverse Fehler auf. Foto: DDP
Um 11.16 Uhr gestern Vormittag waren die Linken am Ziel. „30, 31, 32“: Abgeordnete und Mitarbeiter der Fraktion summten leise mit, als Landeswahlleiterin Manuela Söller-Winkler die Wahlzettel auszählte. 32 Zweitstimmen, und das war erst der erste Stapel. Nur neun Stimmen hatten die Wahlhelfer im Wahlbezirk Husum III der Linken am 27. September zugestanden. Die Partei protestierte. Gestern musste im Landeshaus nachgezählt werden.
Seither steht fest: Die Linke hat bei der Landtagswahl nicht nur mehr Stimmen bekommen, sie wird der FDP wegen dieser Stimmen auch ihren 15. Landtagssitz abnehmen. Die schwarz- gelbe Mehrheit schrumpft auf einen einzigen Sitz zusammen.
Dass im Wahlbezirk Husum III der Wurm drin ist, wurde schon gleich nach Eröffnung der Sitzung klar. Da saßen die sieben Mitglieder des Wahlausschusses mit Manuela Söller-Winkler etwas verloren vorne im holzgetäfelten Schleswig-Holstein-Saal des Landeshauses. Hinter Trassierband hatten sich Kamerateams und Journalisten postiert, ein paar Politiker, der Landtagspräsident, 50 Zuschauer. Schon die braunen Papierumschläge mit den Stimmzetteln, die Söller-Winklers Mitarbeiter aus Husum geholt hatte und jetzt auf den Tisch legte, entsprachen nicht der Vorschrift. „Für die Stimmzettel jeder Partei müsste es einen eigenen Umschlag geben“, erklärte die Wahlleiterin. In Husum wurden aber SSW und Linke in einen Umschlag sowie Grüne und NPD in einen weiteren gesteckt, die Zettel der Freien Wähler und anderer Kandidaten unter „Verschiedene“ abgelegt.
Dann die Nachzählung. Schnell stand fest, dass auf die Linke deutlich mehr als die am Wahlabend notierten neun Zweitstimmen entfielen. Freude dort, Ratlosigkeit bei den Abgeordneten und Mitarbeitern der FDP- Fraktion im Saal: „Damit haben wir nicht gerechnet.“
Oben im dritten Stock des Landeshauses gratulierten die Linken schon mal Björn Thoroe. So viel war bereits sicher: Der 25-jährige Student darf am Donnerstag als sechster Abgeordneter der Fraktion im Landtag Platz nehmen. Christina Musculus-Stahnke, die ihren FDP-Sitz verliert, arbeitete zu diesem Zeitpunkt in ihrer Rechtsanwaltskanzlei, wurde per Telefon informiert. „Sie ist traurig“, hieß es bei den Liberalen.
Weitere Fehler der Husumer wurden aufgedeckt, einmal musste der Ausschuss selber sein Ergebnis korrigieren. Erst nach vier Stunden stand das Endergebnis fest. Insgesamt kommt die Linke jetzt auf 41 Stimmen, die 32 Stimmen des ersten Stapels sind am Wahlabend offenbar völlig vergessen worden. Und: Es gab mit 929 Stimmzetteln am Ende sogar noch einen mehr als gedacht.
Die Grünen reagierten als erste: „Die Regierung bewegt sich jetzt auf sehr dünnem Eis“, erklärte Landeschefin Marlene Löhr. „Nun wird die schwarz-gelbe Koalition noch hinfälliger“, so SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Sein CDU-Kollege Christian von Boetticher gab sich zuversichtlich: „Die große Einigkeit der Koalition ist wichtiger als eine große Mehrheit.“ Ministerpräsident Peter Harry Carstensen befand, auch bei harten Sparmaßnahmen brauche man nur eine Stimme Mehrheit: „Es schweißt zusammen.“ Bei der FDP herrschte erst mal Schweigen. Dann sagte Parteichef Jürgen Koppelin: „Das schwarz-gelbe Bündnis wird auch in Zukunft geschlossen auftreten.“
In den letzten 7 Tagen schon 8 mal gelesen - zuletzt am 30.07.2010 um 09:52.
Rigailow schrieb am 23.01.2010 10:47:
Als langjähriger Wahlhelfer staune ich darüber. Wie ist so etwas möglich?? Besoffen oder verschwört??
Wo sind die Kontrolleure der anderen Parteien?? Ist so etwas grundsätzlich auch in anderen Wahlkreisen möglich??
Dieter Kachel schrieb am 23.01.2010 11:07:
Ich war schon immer sehr skeptisch bei den
Auszählungen. Ich selbst habe einmal zugeschaut
wie schlampig verfahren wird.
MfG
Didika
HFRI schrieb am 23.01.2010 11:09:
Wahlfälschung nennt mann sowas
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