Das Gesetz zur Gleichbehandlung
Buchhalterin Gabriele S. bekam ihre Bewerbungsunterlagen mit dem Vermerk „Ossi“ zurückgeschickt. Die Frau nahm sich einen Anwalt, verklagte den Stuttgarter Arbeitgeber. Sie fühle sich benachteiligt, sehe in der Absage einen Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz (siehe rechts).
Wie kommt ein Chef dazu, eine Person mit der Begründung abzulehnen, dass sie aus Ostdeutschland stammt? Welche Unterschiede gibt es zwischen „Ossis“ und „Wessis“? Der Fall aus dem Schwabenländle schlägt auch im Norden hohe Wellen. Arbeitgeber, Gewerkschafter und ein Kabarettist diskutieren.
„Polizeiruf 110“-Kommissar und Kabarettist Uwe Steimle bezeichnet den Stuttgarter Arbeitgeber als „wenigstens ehrlich“. Steimle, selbst Dresdener, kennt die Unterschiede zwischen Menschen aus den neuen und den alten Bundesländern zur Genüge. „Als die Mauer fiel, sagte man, wir wollen eine Nation sein. Davon sind wir meilenweit entfernt.“ Sachsen werde sogar von Westdeutschen unterwandert. „Die leitenden Positionen sind in westdeutscher Hand.“ Dabei werde vergessen, dass die Menschen in Ostdeutschland „hochqualifiziert sind“. In dem konkreten Fall sei es jedoch „Wurst“, woher die Person komme. Es gehe schließlich um den Menschen und darum, was dieser leiste.
Um den Menschen geht es auch Peter Reinhardt, Personalleiter des Lübecker Kunststoffwerks. In dem Unternehmen sind zahlreiche Personen aus Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. „Die sind alle sehr gut und motiviert“, lobt Reinhardt. „Die wollen und können arbeiten.“ Insgesamt fielen die „Ossis“ positiv auf, würden den Rest der Belegschaft mitreißen. „Wobei die auch nicht schlecht sind“, schiebt er über seine West-Mitarbeiter nach.
Thomas Rickers von der IG Metall Lübeck-Wismar sind ähnliche Vorfälle aus der Region nicht bekannt. Er kennt auch keine Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert würden. „Hier gibt es eine landsmannschaftliche Verbundenheit der Norddeutschen“, sagt Rickers. „Junge Menschen kommen von Mecklenburg-Vorpommern hierher und machen eine Ausbildung. Umgekehrt gehen Wessis nach drüben.“
So wie Sven Wittfot, Marketingassistent bei Palmberg in Schönberg. Der Lübecker arbeitet seit zehn Jahren im Osten. „Es gibt keine Unterschiede. Auch die Witze haben nachgelassen“, erzählt Wittfot. „Vielleicht sind die Menschen hier offener, das ist aber auch alles.“ Bei Brüggen, Dräger und der Lübecker Hafengesellschaft herrscht nach Auskunft der Firmensprecher liebevolle Eintracht. Es werde gut zusammengearbeitet, die Herkunft spiele keine Rolle.
Ein Zustand, den sich Gabriele S. wünschen dürfte. Ein Gütetermin mit dem potenziellen Arbeitgeber ist gescheitert. Nun kommt es am 15. April zur Verhandlung. Der Chef der Fensterbaufirma beruft sich darauf, dass es auch andere Gründe gegeben habe, warum die Bewerberin von ihm nicht eingestellt worden sei. Einzig seine Notiz „Ossi“ sei unglücklich gewesen.ser
Ossi oder Wessi- egal schrieb am 09.04.2010 07:57:
Dieses Phänomen habe ich vor wenigen Jahren kennen gelernt. Die Unterschiede werden eher bei den über 35-jährigen sichtbar. Gut getarnt und ohne Dialekte haben sich die willkommenen Mitbürger im Westen etabliert. Jeder hat Fehler- ob Ost oder West- bemerkenswert sind die sozialen Strukturen der - neuen- Mitbürger. Frauen sind praktischer und freundlicher veranlagt und es gibt weniger Arroganz.
Timm schrieb am 09.04.2010 11:47:
Ich als Lübecker kenne das Problem nicht. Mein erster Chef war ein Schweriner. Der hat mir gezeigt, wie man richtig arbeitet.
Auch in den Folgejahren habe ich mit vielen ostdeutschen zusammengearbeitet und konnte mich nie beklagen.
Ostdeutsche sind genauso gut wie Westdeutsche.
Reisst die Mauer im Kopf nieder
phoenix schrieb am 10.04.2010 14:19:
Die Frage ist doch schon absurd. Es gibt tüchtige Lehrer, Richter, Ärzte, Mitarbeiter und weniger Tüchtige.
Es gibt hier keinen Unterschied. Allerdings sind die MA aus den "Neuen Bundesländern" hochmotiviert
und überaus ehrgeizig. Kein Fehler, und ich sehe sie gern.
sina schrieb am 10.04.2010 23:52:
bin als südi/ost zu nordi/west gezogen und bin stets gut aufgenommen worden. schließe mich phoenix an, es gibt überall solche und jene. im baumarkt habe ich drei mal erlebt, dass ich als dummchen abgespeist wurde, obwohl ich bauing bin.
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