teleschau/musik vom 17.02.2006
Quelle: teleschau - der mediendienst
Weitersagen
Fehlfarben: 26 1/2


Das neue Fehlfarben-Album ist zunächst mal eine gute Idee. Anstatt das verpasste 25-jährige Bandbestehen mit einem schnöden Best-Of oder einer konventionellen Tribute-Platte zu feiern, ist den deutschen Punk und Wave-Heroen hier eine äußerst kreative Aufarbeitung der eigenen Bandgeschichte geglückt. Mit einer nach langer Tour gut geölten Bandmaschine spielten die Fehlfarben ihre Lieblingstitel noch einmal neu ein. Danach wurde die Gesangsspur von Peter Hein entfernt und durch die Stimmen prominenter Gastsänger ersetzt.

So hört man die Fehlfarben mit illustren Gästen wie Herbert Grönemeyer ("Grauschleier"), Campino ("Paul ist tot"), Helge Schneider ("Einsam"), Blumfelds Jochen Distelmeyer ("Alkoholen") oder Tocotronics Dirk von Lowtzow ("Internationale"). Der Unterschied zum herkömmlichen Tribute ist, dass hier immer die gleiche Band spielt und dadurch ein recht einheitliches, von Gitarren dominiertes und kräftiges Klangbild vorherrscht. Keiner der Gäste nervt so richtig, und doch fragt man sich, wie meist bei Neuinterpretationen von Klassikern, was diese oder jene Version nun den Originalen voraus hat. Das gilt natürlich vor allem für Stücke wie eben "Grauschleier" oder "Das sind Geschichten" vom vielleicht größten deutschen Legendenalbum, dem Fehlfarben-Meisterwerk "Monarchie und Alltag" aus dem Jahr 1980. Leichter haben es da die etwas unbekannteren Stücke. Hier ist vor allem die Jochen-Distelmeyer-Version von "Alkoholen" hervorzuheben. Wie der Sänger hochenergetisch vom Saufen und Vergessen grölt, das erinnert an die frühen wütenden Blumfeld-Tage. Ebenfalls nett: Bernd Begemann mit einer fluffig-harmonischen Popversion von "Die kleine Geldwäscherei". Die meisten prominenten Gäste, zu denen sicher nicht wenige Fehlfarben-Fans zählen, haben hier einen respektablen Job abgeliefert. Die Kraft der Fehlfarbentexte tut ihr Übriges, denn vor allem Peter Hein hat Zeilen geschrieben, die heute immer noch zum Niederknien gut sind. Wenn man sie mal aus anderem Munde hört, steigert das vielleicht auch die Aufmerksamkeit für sie. Die echten Fehlfarben sind heute kurioserweise aktiver als je zuvor. Während früher fast immer eine Dekade ins Land streichen musste, ehe ein Lebenszeichen aus Düsseldorf zu vernehmen war, ist die Band nun seit Jahren am Aufnehmen neuer Stücke und auf ausgedehnten Live-Touren. "Alte Männer, die irgendwann tot von der Bühne fallen" - so sagt es Peter Hein. Herzlichen Glückwunsch zum krummen Geburtstag!
Genre: Rock/Pop

Bandseite
V2 Labelseite
rough trade Labelseite

Eric Leimann
Lust auf mehr?
Jetzt 2 Wochen kostenlos testen:
Zeitung zur Probe hier anfordern


URL: http://www.ln-online.de/artikel/1807539
© 2008 www.ln-online.de