ln-online/lokales vom 20.02.2008 10:53
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Kupfer-Klau: Skrupellose Jagd auf das teure Metall
Lübeck/Büchen - Sie machen weder vor Regenrinnen an Kirchen noch vor Gedenktafeln oder 1000-Volt-Bahnleitungen Halt: Kupferdiebe werfen alle Bedenken über Bord und riskieren sogar ihr Leben, um an das begehrte und teure Metall zu kommen. "Buntmetalldiebstahl ist inzwischen ein Massendelikt wie Autoaufbrüche", sagt der Lübecker Polizeisprecher Frank Doblinski. "Da wird eine Menge Geld bewegt."

227 Kupferdiebstähle zählte das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein im Jahr 2007, in den nicht einmal acht Wochen des neuen Jahres sind es bereits wieder 30 Taten, die sich überwiegend im Süden Schleswig-Holsteins abspielten. Warum das so ist, kann LKA-Sprecher Kai Schlotfeldt auch nicht erklären. "Vielleicht hängt es mit der Autobahnnähe zusammen", vermutet er. Das erleichtere Flucht und Transport. Den durch Kupfer-Klau entstandenen Schaden beziffert Schlotfeldt für 2007 auf mehrere Hunderttausend Euro.

Ansporn für die Diebe ist der hohe Kupferpreis, der - sofern legal gehandelt wird - an der Londoner Metallbörse von rund 1500 Dollar pro Tonne im Jahr 2002 auf bis zu 8000 Dollar pro Tonne im Jahr 2007 hochschnellte. Preise, die Ansporn genug sind für waghalsige Diebestouren. Jüngster spektakulärer Fall: Bei Büchen (Herzogtum Lauenburg) hackte ein 14-Jähriger, offenbar von seinem Opa angestiftet, mit einer Axt Stücke aus einem 1000-Volt-Bahnkabel (Schaden: 12 000 Euro). Nur durch ein Wunder erhielt der Junge keinen tödlichen Stromstoß. In Eutin ließen Diebe sogar die Fallrohre einer Kirche mitgehen, ein ähnlicher Fall wurde soeben aus Büchen gemeldet; in Lauenburg weideten Unbekannte über Wochen ein leerstehendes Krankenhaus aus, stemmten Wände auf, um an die Kupferrohre der Wasserleitungen zu kommen; in Lübeck sägten Diebe 30 Regenrohre von Mehrfamilienhäusern ab. In Eutin hat es sogar schon die Gedenktafeln für Kriegsopfer getroffen.

Ein durchaus lohnendes Betätigungsfeld: Polizeisprecher Doblinski berichtet von fünf- bis sechsstelligen Summen, die mit Buntmetall im Monat zu verdienen seien. Da sei mancher, der Kupfer beim Schrotthändler anbiete, schon in Erklärungsnotstand darüber geraten, woher denn das Metall komme. Nachvollziehen lassen sich solche Geschäfte immer, denn jeder, der Buntmetall beim Händler anbietet, muss sich ausweisen und seinen Namen hinterlassen. Da schaut die Kripo schon mal nach, wer denn öfter kommt. Pro Kilogramm Kupfer zahlen die Altmetallhändler, je nach Tagespreis, drei bis vier Euro.

Die Bahn verzeichnet durch Kupferklau jährlich Schäden im zweistelligen Millionenbereich. Besonders viel Kupfer wird im Bahn-Auftrag zurzeit für die Elektrifizierung der Strecke Lübeck-Hamburg verwendet. Angesichts des begehrten Materials habe die Bahn vorgesorgt, sagt Sprecherin Sabine Brunkhorst, die nicht zu viel verraten will. Nur so viel: Die kupfernen, fast fingerdicken Oberleitungsdrähte liegen in einem streng gesicherten Lager. Es wird immer nur so viel zur Baustelle gebracht, wie an einem Tag verbaut wird. Seite 6
Von Susanne Peyronnet, LN
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