ln-online/lokales vom 29.03.2008 00:00
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Mit dem Fahrrad um die halbe Welt
Foto: Privat
Sven Jahnke, Johannes Schuldt und Judith Köhler (von links) gönnen ihren Beinen, und den Rädern, eine kleine Fotopause am schwarzen Meer. Foto: Privat
Lübeck - Seit Juli 2007 radeln Judith Köhler, Sven Jahnke und Johannes Schuldt von Lübeck nach Peking - um pünktlich bei den Olympischen Spielen zu sein.

Eine Auszeit nach dem Examen, die gönnen sich viele Studenten. Strandurlaube und Städtereisen stehen dabei besonders hoch im Kurs. "Zu unspektakulär", dachten sich Judith Köhler (25), Sven Jahnke (27) und Johannes Schuldt (27). Nach ihrem Physik-Examen an der Universität Göttingen wollten sie etwas ganz Besonderes machen. Eine Fahrrad-Tour sollte es sein, aber nicht irgendeine. Im Juli 2007 machten sich die drei Freunde mit dem Drahtesel auf nach Peking; pünktlich zu den Olympischen Spielen, die am 8. August beginnen, wollen sie dort sein.

Das Weblog des Trios gibt es hier

Die Idee für eine solch lange Tour entwickelten Sven und Johannes schon vor vier Jahren, nachdem Sven von einem Austauschjahr in Schweden mit dem Fahrrad zurückgekehrt war. Die Jungs wollten jedoch vor dem Aufbruch noch ihr Studium beenden. Als Judith und Sven 2006 ein Paar wurden, beschloss sie kurzerhand, sich den Radlern anzuschließen. Um die Finanzierung kümmerte sich das Trio selbst. "Wir fanden es nicht so prickelnd, irgendwelchen Sponsoren gegenüber in der Verantwortung zu stehen", sagt Judith Köhler, "außerdem wussten wir ja nicht, wie weit wir überhaupt kommen." Allein die Kosten für die Ausrüstung belaufen sich auf über 3000 Euro pro Person. Hinzu kommen die Reisekosten für Übernachtungen, Nahrung und Ersatzteile sowie der Transport mit anderen Verkehrsmitteln.

Von Göttingen aus fuhren sie mit dem Zug nach Lübeck, um sich von Judiths Familie zu verabschieden. Nach einer Abschiedstour durch Ostdeutschland ging es weiter durch Tschechien, Ungarn, Österreich, Kroatien, Serbien und Bulgarien - manchmal mehr als 100 Kilometer am Tag. Judith lernte den Vorteil wasserdichter Packtaschen kennen, als sie samt Rad in die Moldau fiel. Dank der Taschen schwamm der Drahtesel, und auch Judith kam, von einigen Schürfwunden abgesehen, mit dem Schrecken davon. Weniger Glück hatte Sven, der die Tour in Österreich für elf Tage unterbrechen musste, um sich wegen Knieproblemen in Deutschland behandeln zu lassen.

In der Türkei verließ die Truppe europäisches Terrain. Sprachliche Schwierigkeiten meistern sie mit Händen und Füßen. An der iranischen Grenze hieß es für Judith "umziehen" - Kopfbedeckung und lange Kleidung sind auch für radelnde Touristinnen Pflicht. Dennoch hat die Gruppe das Land, trotz anfänglicher Bedenken, in positiver Erinnerung. "Die Menschen erklärten uns immer wieder, dass sie keine Terroristen seien", sagt Judith. Viele Iraner luden die Fernradler sogar zum Essen ein, boten ihnen Schlafplätze an. Im Süden des Landes setzte das Trio per Schiff nach Dubai über.

Dort trennten sich ihre Wege erstmal: Johannes flog weiter nach Rajasthan, um Nepal und Thailand zu bereisen. Judith und Sven flogen nach Goa und radelten von Süden aus durch Indien nach Nepal. Dort entschieden sie sich nun, die Radtour nach knapp 12 000 gefahrenen Kilometern und zwölf überquerten Grenzen zu unterbrechen, um eine Trekking-Tour durch die Annapurna-Region im Himalaya zu unternehmen. "Wir wollen abwarten, wie sich die Situation in Tibet entwickelt", erklärt Judith die Pause.
Von Ilka Mertz , LN
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