ln-online/lokales vom 30.03.2008 00:00
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LN-Kommentar: Verbot? Geht nicht
Lübeck darf aufatmen. Die Neonazis sind wieder weg, die Absperrungen auch, kaum Schäden, nur wenige Verletzte. Mehrere Rechte wurden festgenommen, weil sie die Hand zum Hitlergruß erhoben, gut so. Dutzende Linke wurden in Gewahrsam genommen, weil sie mit Stöcken die Sperren durchbrechen wollten oder mit Steinen warfen, gut so. Drei Polizisten und mehrere Demonstranten wurden verletzt, das ist bitter.

Was für ein Aufwand: 1900 Polizisten schützen den Aufmarsch von 350 unverbesserlichen Rechten, die an Lübecks Bombenopfer erinnern wollen und die Toten von Coventry oder Danzig ausblenden. Müssen wir das auch nächstes Jahr in Kauf nehmen? Wohl ja, zumindest dann, wenn die Neonazis ihre einseitigen Erinnerung zur Tradition machen wollen. Verbieten? Geht nicht: Ein Grundrecht gilt selbst für jene, die von Grundrechten nicht viel halten. Immerhin ist es Lübeck gelungen, die Altstadt nazifrei zu lassen - zulasten von St. Lorenz - und den Rechten ihre Springerstiefel zu verbieten.

Das breite Bündnis der wohl über 2000 Gegendemonstranten aus Kirche, fast allen Parteien und Gewerkschaften lief auch diesmal Gefahr, vom infantil anmutenden Katz-und-Maus-Spiel jener Autonomen in den Hintergrund gedrängt zu werden, die Konfrontation suchten. Ein erfreuliches Zeichen bleibt: Nazis haben in Lübeck derzeit wenig Nährboden. Denn die meisten der 350 waren eigens zugereist - und sind zum Glück wieder weg.
Von Lars Fetköter, LN
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