ln-online/lokales vom 23.07.2008 00:00:01
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Eltern sauer: Zu wenige Lehrer an Gymnasien
Geesthacht/Ratzeburg – Der Hilferuf eines besorgten Vaters aus Geesthacht hat jetzt Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen erreicht. Karsten Steffen, Geesthachter CDU-Fraktionsvorsitzender, klagt in seinem Brief an den Landesvater über die Reduzierung von Klassen am Otto-Hahn-Gymnasium und an der Ratzeburger Gelehrtenschule. Es fehle an Lehrern.

Dabei zeigten die Anmeldezahlen für die Gymnasien im vergangenen und auch im laufenden Jahr den Wunsch der Eltern, ihren Kindern eine qualifizierte gymnasiale Ausbildung zu ermöglichen – und das Vertrauen in diese Schulform. Eindringlich bittet Steffen den Ministerpräsidenten, „die Bankrotterklärung der CDU-Bildungspolitik abzuwenden und möglichst sofort die Gymnasien entsprechend ihres Bildungsauftrages personell auszustatten“.

Auch der Geesthachter Oberstudiendirektor Jens-Peter Pankow hatte in der letzten Woche vor den Sommerferien die Eltern der Kinder am Otto-Hahn-Gymnasium auf den Lehrermangel an seiner Schule aufmerksam gemacht. Durch den Wegfall eines Schuljahres auf dem Weg zum Abitur und durch die sogenannte Profil-Oberstufe steige der Bedarf an Lehrerstunden. Gleichzeitig aber sei die Zuweisung von Lehrerstellen an die Gymnasien rückläufig.

Pankow und sein Kollegium sehen sich nun gezwungen, die künftigen Quarten (siebte Klassen), die Obertertien (neunte Klassen) und die Untersekunden (zehnte Klassen) um je eine Klasse zu verringern. „Wir geraten mit dieser Maßnahme an die Grenze der Aufnahmefähigkeit unserer Klassen“, sagt der Schulleiter. Gespart wird durch diese Maßnahme das Wochenstundenkontingent von jeweils drei Klassen, „was einen Umfang von etwa 90 Wochenstunden bedeutet“. Außerdem würden der Sport-, der Kunst-, der Musikunterricht und sogar die Zahl der Stunden in der zweiten Fremdsprache in einigen Klassen gekürzt.

Schulleiter Pankow weiß, dass solche Kürzungen „bei allen Beteiligten auf Missfallen stoßen“. Und sein Ratzeburger Kollege Rainer Bruhns berichtet von „großer Sorge der Eltern“. Denn auch an der Gelehrtenschule würden die Schüler des mit Beginn des neuen Schuljahres zehnten Jahrgangs in nur noch vier statt wie bisher in fünf Klassen untergebracht sein. Das bedeute, dass statt 24 bis 25 Schüler, wie noch im neunten Jahrgang, dann 29 pro Klasse unterrichtet würden. „Uns fehlen mehr als drei Lehrerstellen“, sagt Bruhns. In den Klassen sechs bis zehn würde es pro Woche durchschnittlich zwei Stunden weniger Unterricht geben als es die Stundentafel vorsehe.

Kaum besser sieht es am Gymnasium Schwarzenbek aus. Dort fehlen eine bis eineinhalb Planstellen, aber zusammengelegt wird nicht. „Die Schülerzahlen in den Klassen wären dann zu hoch“, erklärt Schulleiter Dr. Joachim Seliger. Allerdings hat der Schwarzenbeker Lehrermangel andere Folgen, nämlich Unterrichtsausfall. Besonders betroffen seien Mathematik, Physik und ein kleiner Teil im musischen Bereich sowie das Fach Latein.

Ebenso rechnet für das Marion-Dönhoff-Gymnasium in Mölln dessen stellvertretender Schulleiter Rüdiger Behrend mit bis zu fünf Prozent Unterrichtsausfall „durch nicht zugewiesene Lehrerstellen“. Diesen Mangel wolle das Kollegium nicht durch Klassen-Zusammenlegungen kaschieren. Eine kleine Hilfe sei allerdings die neue, aus pädagogischen Gründen eingeführte, 60-Minuten-Einheit. „Dadurch“, erklärt Behrend, „fallen die Unterrichtskürzungen nicht ganz so drastisch aus.“

„Die Schulen“, sagt der Ratzeburger Gymnasiumsleiter Bruhns, „verwalten den Mangel“. Und Briefschreiber Karsten Steffen, Vater zweier Kinder am Otto-Hahn-Gymnasium, beschleicht gar „ein Gefühl, dass das SPD-geführte Bildungsministerium die Gymnasien unseres Landes als Steinbruch für die Ausstattung der Gemeinschaftsschulen missbraucht“.


Von Uwe Krog
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