Lübeck/Neumünster - Eine Woche vor dem Landesparteitag geht ein tiefer Riss durch die Nord-Linke. 25 Aktive um den Bundestagsabgeordneten Lutz Heilmann und Neumünsters Kreischef Jörn Seib haben jetzt den „Neumünsteraner Kreis“ gegründet.
„Wir sind ein Forum für alle Genossen, die den Landesverband über alle Kreisverbandsgrenzen inhaltlich professionell voranbringen wollen“, erklärt Heilmann – denn genau das sei bisher wegen persönlicher Querelen überhaupt nicht möglich gewesen.
Heilmann machte auf einer Pressekonferenz gestern in Kiel gleich ein ganzes Sündenregister auf: Im Landesverband herrsche Klüngel-Wirtschaft. Unqualifizierte Kandidaten würden aufgestellt, nur um anderen, persönlich missliebigen Personen den Zugang zu Ämtern zu verwehren. Die öffentliche Darstellung der Partei sei „sporadisch“ und „willkürlich“.
Ein besonders schlimmes Beispiel sei der Kreisverband Lübeck. Jörn Seib nennt ihn eine „totalitär agierende Sektierergruppe“. Seib: „Ein Teil der alten PDSler und ein Teil derer, die aus den K-Gruppen zu uns gestoßen sind, benutzen die Partei als Spielfeld für Kaderklüngel und Postenschacherei. Ihnen werden wir die rote Karte zeigen.“ So sei zum Beispiel die jüngste Wahl der Delegierten zum Landesparteitag „ein Witz“. Die erst vor einem halben Jahr gewählten Delegierten waren zuvor fast geschlossen zurückgetreten. Diese Aktion habe lediglich dazu gedient, Asja Huberty als Delegierte zu schassen, so Seib, „die Mitwirkung der Landessprecherin Antje Jansen an diesem Schwachsinn ist ein Skandal“. Lutz Heilmann: „Das ist im Kreisverband Lübeck so: Wer Kreischef Ragnar Lüttke widerspricht, wird gemobbt.“ Das habe er selbst erlebt. „Nachdem ich ihm verwehrt habe, Wahlkreismitarbeiter zu werden, und den Posten ausgeschrieben habe, war eine politische Arbeit für mich in dem Kreisverband nicht mehr möglich.“ Heilmann wechselte in den Kreisverband Neumünster.
Auf dem Landesparteitag dürfte der Grabenkrieg weitergehen. Heilmann: „Die Lübecker haben ihre Delegierten zwei Wochen vor dem Parteitag gewählt. Die Satzung schreibt mindestens vier Wochen vor. Also werden die neuen Delegierten auf dem Landesparteitag gar nicht stimmberechtigt sein.“ Und während Lüttke bereits erklärt, Heilmann werde nicht wieder als Bundestagskandidat nominiert, sagt der selbstbewusst: „Ich trete wieder an.“