ln-online/lokales vom 06.10.2008 00:00
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Pokerfieber im Casino: 12 000 Euro für den Meister
Sie hofften auf das große Geld und auf gute Karten von Dealerin Jannike Blank: Björn Woelk (v. l.), Heinz Werner Östreich, Marc Schröder, Tim Ulrich und Thomas Lender. Foto: MAXWITAT
Sie hofften auf das große Geld und auf gute Karten von Dealerin Jannike Blank: Björn Woelk (v. l.), Heinz Werner Östreich, Marc Schröder, Tim Ulrich und Thomas Lender. Foto: MAXWITAT
Lübeck - Pokerspieler aus Norddeutschland waren am Freitag zu Gast im Casino Travemünde. Der Sieger durfte nach elf Stunden 12 000 Euro mit nach Hause nehmen.

Gespannte Atmosphäre im Casino Travemünde. Nach und nach treffen Pokerspieler aus dem ganzen Norden ein. 78 Männer und zwei Damen haben für das Turnier gemeldet. Es geht um die erste „Texas Hold’em Pokermeisterschaft der Spielbanken Schleswig-Holstein“. Die Teilnehmer wollen aber nicht nur einen Pokal oder einen Titel gewinnen. Sie wollen Bares. 12 000 Euro gibt’s für den Gewinner.

Die Hälfte der Spieler hat sich zuvor bei kleineren Turnieren in den Spielbanken Westerland, Kiel, Schenefeld und Travemünde für das Turnier-Finale qualifiziert. Die anderen müssen, bevor sie überhaupt an einen der acht Tische im Ballsaal des Casino-Hotels Platz nehmen dürfen, tief in die Tasche greifen. Das Startgeld beträgt 500 Euro.

Während die Spieler auf ihren ersten Einsatz warten, bekommen die Dealer (Spielleiter an den Tischen) noch letzte Anweisungen von den Croupiers Axel Müller und Jürgen Foth. Ein Großteil der Spieler trinkt an der Bar noch ein Beruhigungsbier und zieht eine Zigarette durch. Im Ballsaal herrscht nämlich Rauchverbot. „Das ist auch gut so“, meint Björn Woelk. Der Polizist aus Ratekau und selbst Turnierveranstalter hat sich auf das große Turnier richtig vorbereitet. Bei so einem Preisgeld lohne sich schon Disziplin im Vorfeld. „Ich habe in den letzten Wochen verstärkt Gedächtnistraining gemacht und auch auf Alkohol verzichtet“, erzählt Woelk, der den Beinamen WuLi (Chinesisch: „Mein Weg“) trägt und seine Anspannung mit einem Kaugummi vertreibt. Heinz Werner Östreich will von Nervosität nichts wissen. Der 54-jährige kaufmännische Angestellte pokert in der Regel im Internet. Er genießt die Atmosphäre und schaut zu, wie einige der Mitspieler am Roulettetisch Ablenkung suchen.

Tim Ulrich trinkt an der Bar derweil eine Cola. Der Zivildienstleistende ist mit 20 Jahren einer der jüngsten Starter. Er hat sich für das Turnier qualifiziert und sieht entsprechend gelassen dem Abend entgegen. Etwas anders ist die Lage bei Marc Schröder (22). Der Jurastudent im weißen Sakko und mit dunkler Sonnenbrille hat das Startgeld bezahlt und ist „nicht nur so zum Spaß“ aus Owschlag angereist. Er will ins Preisgeld, sprich den letzten Tisch mit neun Spielern erreichen. „Wer den erreicht, hat schon gewonnen“, frohlockt Floorman Axel Müller bei der Begrüßung. Im schlechtesten Fall wären das 1200 Euro.

Die Spieler nehmen an den Tischen Platz. Es wird ernst, und Marc Schröder legt das Sakko ab, krempelt die Ärmel seines schwarzen Oberhemdes hoch. Andere Mitspieler setzen Sonnenbrillen auf oder stecken sich kleine Kopfhörer mit ihrer Lieblingsmusik in die Ohren. „Jeder so, wie er mag“, erklärt Casino-Leiterin Jessica Barke. Die erste Runde wird gespielt. Zuschauer sind nicht erwünscht und müssen den Pokersaal verlassen. An allen Tischen herrscht aber zunächst dasselbe Szenario. Die Chips klappern, und immer wieder fällt das Wort „Pass“ (Passen). Barke: „Zum Auftakt sind alle erst einmal vorsichtig. Der Abend ist ja noch lang.“

In der Tat. Erst gegen ein Uhr steht der „Final Table“ mit den letzten 9 Spielern, die ins Preisgeld gekommen sind. Um 3.20 Uhr freut sich nur noch einer. Alem Shah, ein Pokerspieler aus dem Casino Schenefeld, ist Pokerchampion und um 12 000 Euro reicher.
Von Sebastian Prey
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