Da flanierte sie auf dem berühmten Roten Teppich: Jessica Schwarz. Foto: LN
Lübeck - Am Abend der Premiere kommen die Lübecker den Stars aus den „Buddenbrooks“ am Roten Teppich ganz nah. Die Schauspieler nehmen sich trotz der Kälte viel Zeit für Autogramme.
Die Voraussetzungen sind ideal: Scheinwerfer tauchen die Szenerie in stimmungsvolles Licht, ein roter Teppich bedeckt die kahlen Bürgersteigplatten, Polizisten und Sicherheitsleute kontrollieren das Geschehen. Dennoch stellt sich lange kein Glamour-Gefühl vor dem Filmpalast Stadthalle ein. Lübecker Dezemberkälte statt Premieren-Aufregung.
Dann geht ein Raunen durch die wartenden Fans und Journalisten. „Armin Mueller-Stahl sitzt dort im Wagen“ – die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Und plötzlich ist er da, der Hauch von Hollywood. Blitzlichtgewitter begrüßt die Stars der Buddenbrooks-Verfilmung, als sie einer nach dem anderen aus ihren schwarzen Limousinen steigen. Nicht nur die Fotografen, auch die Fans hoffen auf einen gelungenen Schnappschuss, ein verewigtes Lächeln von Iris Berben oder Jessica Schwarz, einen Gruß von Heinrich Breloer.
Mitten unter den Autogrammjägern warten Susanne Maly (39) und ihre Mutter Barbara (59). Um auch ja in der ersten Reihe zu stehen, harren sie seit über zwei Stunden in der Kälte aus. „Das ist es wert“, beteuert Susanne Maly, „wir erleben hier den Abschluss der Dreharbeiten, bei denen wir als Komparsen mitgewirkt haben.“ Mit Anekdoten über die Zeit vor einem Jahr, als sie als Magdfrau und Dienstmädchen vor der Kamera standen, vertreiben sie sich die Zeit. „Weißt du noch, wie Iris Berben immer mit ihrem Hund Paul spazieren gegangen ist?“ fragt Barbara Maly ihre Tochter. An Armin Mueller-Stahl denken sie besonders gern. „Das ist ein ganz Großer und trotzdem so freundlich. Immer hat er sich Zeit genommen für Fotos oder Autogramme“, schwärmt Susanne Maly.
Auch Silke Kerkhoff (44) hat den Hollywood-Star in besonderer Erinnerung: „Vor 20 Jahren haben er und seine Frau in dem Möbelgeschäft eingekauft, wo ich gearbeitet habe. Damals habe ich mich nicht getraut, aber es war immer mein Traum, ein Autogramm von ihm zu haben.“ Bei den Dreharbeiten in Lübeck habe sie sich ein Herz gefasst und ihn angesprochen – „mit Tränen in den Augen und zitternd“. Nun wünsche sie sich auch noch ein Foto von ihrem Idol. Ehemann Herbert soll es richten.
Doch vor den Fans sind die Reporter an der Reihe. „Frau Schwarz, drehen Sie sich mal nach rechts!“, „Herr Waschke, auf ein Wort!“ – von allen Seiten prasseln die manchmal recht fordernden Bitten auf die frierenden Schauspieler ein. Die ganze Truppe hat auf Mäntel verzichtet. Die Herren betreten den roten Teppich im Anzug, die Damen in dünnen Kleidchen. Ein toller Anblick, zweifelsohne, aber kein Schutz gegen die Dezemberluft.
Da nützen auch die warmen Stiefel wenig, die Jessica Schwarz zu ihrem Kleid trägt. Ganz Profi, steckt die Tony-Darstellerin die Kälte weg und bleibt freundlich: „Ich war begeistert. Als wir heute in Lübeck ankamen, schien die Sonne. In den anderen Premierenstädten hatten wir Regen oder Schnee und hier endlich Sonne“, sagt Jessica Schwarz charmant. Sie sei deshalb sofort auf den Weihnachtsmarkt gegangen. Eine Idee, die übrigens auch „Thomas“ Mark Waschke hatte. „Ich war jetzt ein Jahr lang nicht in Lübeck. Es ist schön, alles wieder zu sehen“, erzählt er gut gelaunt.
Gut 30 Minuten währt das Hollywood-Gefühl – dann verlangt die Kälte ihren Tribut. Die Stars verschwinden ins Kino, unerreichbar für die Fans vor der Tür. Und während Jessica Schwarz und Iris Berben sich ein Glas Rotwein und eine Zigarette gönnen, Mark Waschke einen Orangensaft trinkt, beginnt draußen der Abbau. Der Teppich wird eingepackt, Scheinwerfer demontiert, die Zuschauer gehen nach Hause.
Einzig Susanne und Barbara Maly wollen warten, hoffen, die Stars auch nach dem Film noch zu sehen. Gegen 22.30 Uhr haben sie Glück. Regisseur Heinrich Breloer verlässt das Kino. „Wir sehen uns an der Bar“, ruft er und steigt in einen Wagen. Eigentlich ein Gruß an sein Filmteam . . .