ln-online/lokales vom 11.09.2009 08:54
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Wende im Autobahn-Stau: Fahrverbot für 44 Sünder
Auslöser des Staus auf der A 1: ein brennendes Baustellenfahrzeug. 44 Autofahrer wollten nicht warten, bis die Feuerwehr mit dem Löscheinsatz fertig war. Foto: FF Oldenburg in Holstein
Auslöser des Staus auf der A 1: ein brennendes Baustellenfahrzeug. 44 Autofahrer wollten nicht warten, bis die Feuerwehr mit dem Löscheinsatz fertig war. Foto: FF Oldenburg in Holstein
Lübeck/Oldenburg – Geisterfahrer-Alarm auf der Autobahn 1 zwischen Oldenburg und Lensahn (Kreis Ostholstein): Wegen eines brennenden Baustellenfahrzeugs musste die A 1 gestern Mittag für knapp zwei Stunden beidseitig voll gesperrt werden. 44 Autofahrern dauerte das wohl zu lange: Sie wendeten und versuchten, in entgegengesetzter Richtung auf der Autobahn zurückzufahren.



Ein lebensgefährliches und verantwortungsloses Manöver, kritisiert die Polizei. Die Beamten wollen jetzt rigoros durchgreifen: Alle Verkehrssünder erwartet ein hohes Bußgeld. Überdies müssen sie mit einem längeren Fahrverbot rechnen. „So ein Verhalten ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten“, ärgert sich Jan-Hendrik Wulff von der Polizeidirektion Lübeck.

Gegen 11.30 Uhr war bei Asphaltierungsarbeiten auf der A 1 in Richtung Süden ein Bitumenkessel auf einem Lastwagen in Brand geraten. Die Feuerwehren aus Oldenburg und Heiligenhafen rückten an, versuchten, den brennenden Kessel zu löschen. „Die Straße musste vorsorglich in beiden Richtungen voll gesperrt werden, wodurch sich ein Rückstau von bis zu fünf Kilometern bildete“, sagt Wulff.

Anstatt zu warten, hatten es einige Autofahrer anscheinend extrem eilig. „Sie wendeten in dem ohnehin engen Baustellenbereich und wollten entgegengesetzt zur vorgeschriebenen Fahrtrichtung zurückfahren“, so der Behördensprecher. Besonders gefährlich: Da das Löschwasser am Brandort nicht ausreichte, war ein zweites Tankfahrzeug der Feuerwehr angefordert worden. Die 44 Falschfahrer kamen dem Löschfahrzeug entgegen und behinderten die Arbeit der Wehr.

Die Autofahrer, die im Stau die Nerven verloren, müssen nun mit Konsequenzen rechnen: Die Polizei hat die Kennzeichen sämtlicher Verkehrssünder registriert. Auf die Fahrer kommt eine Geldbuße von 200 Euro zu, zudem erhalten sie vier Punkte in der Verkehrssünderdatei in Flensburg. Darüber hinaus droht ein Fahrverbot von vier Wochen.

Dass Verkehrsteilnehmer gleich reihenweise zu Geisterfahrern werden ist ungewöhnlich. Riskante Wendemanöver auf den Autobahnen beobachtet die Polizei aber zunehmend. Wulf: „Leider gibt es immer mehr ungeduldige Autofahrer, die sich zu solch lebensgefährlichen Aktionen verleiten lassen.“ Das Strafmaß schreckt offenkundig nicht mehr ab.

Ulf Evert vom Automobilclub ADAC in Kiel attestiert den 44 Fahrern überdies Verantwortungslosigkeit: „Wer auf der Autobahn wendet, gehört hart bestraft.“ Nicht selten würden durch Geisterfahrer auf Autobahnen Menschen getötet – so wie 2002 auf der A 24 bei Hornbek (Herzogtum Lauenburg). Damals kamen nach einer riskanten Wende im Stau drei Menschen ums Leben. Kommentar Seite 2
Von Bastian Modrow
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