ln-online/lokales vom 11.11.2009 15:48
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H1N1-Virus: Run auf die Impfung - 48 000 neue Dosen sind heute eingetroffen
Elfriede Schrader (kl. Foto, links) und Kathrin Sager klären in der Praxis Dr. Welling über die Nebenwirkungen auf. In der Praxis von Dr.<TH>Günther impft die Auszubildende Tanja Csaszar die Patientin Eva-Maria Oelker.Fotos: WOLFGANG MAXWITAT
Elfriede Schrader (kl. Foto, links) und Kathrin Sager klären in der Praxis Dr. Welling über die Nebenwirkungen auf. In der Praxis von Dr.Günther impft die Auszubildende Tanja Csaszar die Patientin Eva-Maria Oelker.Fotos: WOLFGANG MAXWITAT
Lübeck - Die Impf-Welle rollt an: Die Wartezimmer der Hausärzte im Norden füllen sich mit Impf-Willigen. Sie haben berufliche oder medizinische Gründe für die Impfung – oder sind durch Todesfälle alarmiert.

Dr. Thomas Günther ist Allgemeinarzt und kein Redenschwinger. Doch an diesem Dienstagnachmittag hält er doch eine Ansprache, im bis auf den letzten Platz belegten Wartezimmer seiner Praxis in Lübeck-St. Jürgen. Zehn Impf-Willige haben sich dort versammelt. Ihr Hausarzt spricht über die Nebenwirkungen. Eine Frau fragt, ob sie sich trotz eines leichten Schnupfens gegen das H1N1-Virus impfen lassen könne. Ja, darf sie, und los geht’s.

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48 000 neue Impfdosen eingetroffen
Hier kann man sich impfen lassen

Eine Viertelstunde später ist die 10er-Gruppe durch, die nächste wird in einer halben Stunde erwartet. „Das Interesse hat deutlich angezogen“, sagt Dr. Günther. Allein für diesen Nachmittag hätten sich 20 Patienten angemeldet, „und es kommen sicher einige mehr“. Wegen des Andrangs gibt’s auch die Wartezimmer-Ansprache, „wir können nicht jeden Einzelnen zehn Minuten lang beraten, das schaffen wir zeitlich nicht.“

Gründe für den Gang zum Pieksen gibt es viele. Kerstin Oelker ist Hebamme, ihre Tochter Eva-Maria hingegen chronisch krank. „Warum sich in Gefahr begeben?“, fragt der 80-jährige Konrad Pahlow. „Man kriegt langsam Angst, es gibt doch immer mehr Todesfälle“, sagt Hans-Jürgen Schmidt (65), der sich vor einer Woche gegen die Schweinegrippe impfen ließ: „Der Arm tat zwei Tage lang weh, sonst war nichts.“

Eine „überzogene Berichterstattung“ sei eine weitere Ursache für die jetzige Impf-Welle, meint der Lübecker Lungenarzt Dr. Jürgen Welling. „Wir wollen doch die Kirche im Dorf lassen: Für Gesunde hat diese Impfung keinen besonderen Nutzen.“ Viele seiner Patienten allerdings sind chronisch krank und gehören deshalb zu den Risikogruppen. Wie Helga Siemons (60), die unter Asthma leidet. „Mir war früh klar, dass ich mich impfen lasse“, sagt sie, will aber keine „Werbung“ für die Immunisierung machen: „Das muss jeder selbst entscheiden.“

Auch Dr. Welling hat wöchentliche Impf-Termine eingerichtet, „das Interesse ist höher, als ich erwartet habe.“ Der Impfstoff treffe aber nur „peu à peu“ ein, „ich habe derzeit noch 30 Patienten, die wollen – aber die können wir gar nicht alle sofort impfen, weil wir nicht so viel Impfstoff auf Vorrat haben.“

Unterdessen wurden zwei weitere Todesfälle von Schweinegrippe-Patienten bekannt: In Aachen starb eine 33-jährige Frau wenige Stunden nach ihrer Entbindung. Die Frau hatte das Baby im siebten Monat am Montagmorgen mit einer Spontangeburt zur Welt gebracht. Danach verschlechterte sich der Zustand der H1N1-infizierten Frau deutlich, sie starb an Lungen- und Kreislaufversagen. In München starb ein stark übergewichtiger 33-jähriger Mann an der Infektion. Heute wollen die Gesundheitsminister der Länder in Berlin mit Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler über Probleme bei den Impfaktionen sprechen.
Von Sabine Latzel
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