ln-online/lokales vom 21.11.2009 00:00
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Wird das Parken in Bad Segeberg bald teurer?
„Wenn die Parkgebühren in der Innenstadt erhöht werden und auch die Brötchentaste wegfallen sollte, trägt das doch nur zur Vereinsamung der Innenstadt bei“, sagt Gerhard Böttger aus Bad Segeberg. „Ich bin gewohnt, dass ich ausgenommen werde, warum nicht auch beim Parken.“, meint er ironisch. „Wenn man die Parkplätze teurer macht, dann kommt hier doch gar keiner mehr zum Einkaufen her.“ Foto: GLOMB
„Wenn die Parkgebühren in der Innenstadt erhöht werden und auch die Brötchentaste wegfallen sollte, trägt das doch nur zur Vereinsamung der Innenstadt bei“, sagt Gerhard Böttger aus Bad Segeberg. „Ich bin gewohnt, dass ich ausgenommen werde, warum nicht auch beim Parken.“, meint er ironisch. „Wenn man die Parkplätze teurer macht, dann kommt hier doch gar keiner mehr zum Einkaufen her.“ Foto: GLOMB
Bad Segeberg – Eines ist sicher: Hat erst der private Investor eines neuen Parkhauses das Sagen, müssen sich die Segeberger auf höhere Parkgebühren einstellen. Auch der „Brötchentaste“, die 30 Minuten „Parken umsonst“ erlaubt, droht das Aus.

Bis jetzt ist das Parken in Bad Segeberg eine höchst komfortable Angelegenheit. Auf der Backofenwiese und am Bahnhof kann man seinen Untersatz abstellen, ohne ans Bezahlen zu denken. Ansonsten reichen oft Parkscheibe oder auch „Brötchentaste“ am Parkautomat aus, um Einkäufe sorglos zu erledigen. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) erklärte kürzlich bei einer Infoveranstaltung im Rathaus, dass bei einem Parkhaus-Neubau am Landratspark auch das gesamte Parkbewirtschaftungskonzept auf den Prüfstand komme. Im Klartext: Kein Unternehmer nimmt Millionen in die Hand, um ein neues Parkhaus zu bauen, wenn er befürchten muss, dass ihm durch „Kostnix-Parkplätze“ in der Umgebung Konkurrenz entsteht. Schönfeld sieht deshalb eine „Bestandsgefährdung“ der Brötchentaste. „Diese Bad Segeberger Sonderregelung wird wohl fallen.“

Tatsächlich haben die Lübecker auch eine Brötchentaste, aber eben nur mit zehn Minuten kostenfreier Parkzeit, um ihre Schrippen zu holen. Bad Segeberg spendiert den Innenstadtbesuchern ganze 30 Minuten „Brötchenholzeit“. Die freie halbe Stunde kommt die Stadt übrigens teuer zu stehen. Weil Bad Segeberg hier auf Einnahmen zu Gunsten seiner motorisierten Bürger verzichtet, bekommt die Stadt seit Jahren auch weniger Geld bei den so genannten „Fehlbedarfszuweisungen“ vom Land. Die Stadt verzichte so auf rund 70 000 Euro, rechnete Schönfeld vor.

Die Stadtvertretung hatte den Beschluss gefasst, das Grundstück mit dem maroden Parkhaus, das nur noch bis Oktober 2010 genutzt werden darf, zu verkaufen. Über 1000 Unterschriften waren von einer Bürgerinitiative zum Erhalt des Parkhauses gesammelt worden. Doch ein genossenschaftliches Modell, bei dem sich Bürger beim Parkhaus hätten einkaufen können, scheiterte mangels Beteiligung. Nun soll der Bau der Privatwirtschaft angeboten werden, erklärte Bauamtsleiterin Antje Langethal den Bürgern. Wenn ein Käufer das Parkhaus mit 320 Stellplätzen abreiße und dort etwas Neues baue, müsse er mindestens wieder 200 Parkplätze vorhalten. So die Vorgabe durch die Stadtvertretung.Und die Investoren sind gewieft: Einige möchten am liebsten gleich die gesamte Parkbewirtschaftung der Stadt übernehmen, berichtete Schönfeld. Das heißt, dass es kein freies Parken mehr geben würde.

Auch für Dauerparker wird es teurer: Wer im neuen Parkhaus einen festen Stellplatz kaufen wolle, müsse mit einer Ausgabe von 7000 bis 9000 Euro rechnen. Dauermieter werden dann garantiert mehr als einen Euro pro Tag für ein trockenes Plätzchen für ihr Auto bezahlen müssen. Zurzeit nutzen etwa 150 Dauerparker im städtischen Haus die günstigen Tarife. Die Investoren seien Profis, verriet Schönfeld. „Die beobachten über Wochen das Parkverhalten der Bad Segeberger.“

Wenn man sich mit einem Käufer einigen sollte, rechnet Schönfeld „im allergünstigsten Verlauf“ mit einem Baustart im Herbst 2010. Bauzeit sei ein Jahr, in dem müssten sich die Parkhausnutzer andere Stellplätze suchen. Vielleicht ließe sich noch Zeit gewinnen, wenn man die Nutzung der bröckelnden Betonkonstruktion per Ausnahme um einige weitere Monate verlängern könnte, so Schönfeld. Einen kleinen Trost gab es durch den Statiker: „Es gibt Parkhäuser, die sind noch wesentlich baufälliger.“
Von Wolfgang Glombik
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