ln-online/lokales vom 24.11.2009 00:00
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Boltenhagens Nymphe taucht bald wieder auf
Das Siegerlächeln: Kathrin Neuffer mit einer erneuten Kopie der berühmten Nymphe vor dem Amtsgericht. Die Geschäftsführerin der Firma Nymphenworld kündigte an, dass die sagenumwobene Figur bald wieder auftauchen werde. Wo, werde jedoch noch nicht verraten. Foto: PROCHNOW
Das Siegerlächeln: Kathrin Neuffer mit einer erneuten Kopie der berühmten Nymphe vor dem Amtsgericht. Die Geschäftsführerin der Firma Nymphenworld kündigte an, dass die sagenumwobene Figur bald wieder auftauchen werde. Wo, werde jedoch noch nicht verraten. Foto: PROCHNOW
Grevesmühlen – Das Verfahren um die Nymphe von Boltenhagen ist beendet. Beide Angeklagte sind gestern freigesprochen worden.

„Wir waren unschuldig, und wir sind unschuldig.“ Kathrin Neuffer (28) lächelte gestern kurz nach 13 Uhr im Grevesmühlener Amtsgericht erleichtert in die Kameras der Journalisten und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass das Urteil von Richter Hinrich Dimpker ein voller Erfolg war. Sie war zusammen mit ihrem ebenfalls angeklagten Mann Markus Neuffer vom Vorwurf freigesprochen worden, den Diebstahl der inzwischen legendären Boltenhagener Nixe im Februar 2007 nur vorgetäuscht zu haben.

Zuvor hatten die Verteidiger der beiden Angeklagten das Gutachten der Staatsanwaltschaft, auf das sich die Anklage hauptsächlich stützte, komplett auseinandergenommen. Der Gutachter hatte im Auftrag der Staatsanwaltschaft 2007 die zweite Nymphe in Travemünde untersucht und abschließend festgestellt, „dass mehr dafür als dagegen spreche, dass es nur eine Statue gebe“. Dieses Fazit zog der Gutachter gestern überraschend zurück, nachdem Heinrich Plein, Geschäftsführer einer Bronzegießerei in Speicher in der Nähe von Trier und Hersteller der Nymphen, beteuert hatte, dass er vor etwa acht Jahren die erste Figur im Auftrag der Familie Neuffer hergestellt hatte und nach dem Diebstahl im Frühjahr 2006 die zweite – für Travemünde, die kurz darauf bei einem Unfall zerstört worden war.

Demnächst wird es laut Kathrin Neuffer übrigens eine dritte Nymphe geben. „Wo und wann wir sie aufstellen werden, verraten wir noch nicht. Aber sie wird wieder auferstehen“, verkündete die 28-Jährige gestern. Den Stein in Redewisch übrigens, wo die erste Nymphe am Neujahrstag 2005 aufgetaucht war, habe sich ihre Firma Nymphenworld reservieren lassen. „Die Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamts haben wir ebenfalls.“

Zur Bekräftigung ihres Vorhabens präsentierte Kathrin Neuffer gestern nach der Verhandlung eine Holzplastik in Form der Nymphe medienwirksam vor dem Amtsgericht. Sie räumte zudem ein, dass sie die Verhandlung in Grevesmühlen als öffentliche Bühne genutzt habe. „Bei der ganzen negativen Diskussion um meine Person gab es keine andere Möglichkeit, um unsere Unschuld öffentlich zu beweisen.“

Die Verteidigung rechnete gestern schonungslos mit den Ermittlungsbehörden ab, die laut Anwalt Jan-Marcus Schulte „von Beginn an einseitig ermittelt haben“. Zahlreiche Pannen im Zuge der Ermittlungen waren im Rahmen der Verhandlungen öffentlich geworden. So hatte beispielsweise ein Beamter aus Grevesmühlen eine anonyme Mail an die Firma Nymphenworld geschickt mit dem Wortlaut: „Wir Ossis sind nicht alle doof.“ Die Verteidiger ließen die IP-Adresse überprüfen und stießen so auf den Beamten der Kripo.

Zur Sprache kamen gestern auch die Kosten für die Herstellung der beiden Skulpturen. Die erste Version hatte inklusive der Ursprungsform, für die Kathrin Neuffer, damals Nonnenmacher, Modell gesessen hatte, knapp 19 000 Euro gekostet, die anschließende Replik nur 8000 Euro.
Von Michael Prochnow
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