Pronstorf: Ein Musikfest mit Zeit
Sie waren ein Höhepunkt des Festivals auf dem Lande in Pronstorf: die Stimmkünstler von Sonic Suite. Foto: PETRA DREU
Strahlende und vor allem entspannte Gesichter überall beim „Musikfest auf dem Lande“ auf Gut Pronstorf: Nicht nur die Besucher, sondern auch die Veranstalter des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals (SHMF) waren hochzufrieden. „Das Wetter hat uns sehr geholfen. Jedes Konzert war zu mehr als 80 Prozent ausgelastet. Am besten davon die NDR-Kultur-Aufzeichnung ,Klassik á lá ’ am Sonntagmorgen“, erklärte SHMF-Mitarbeiterin Marike Göttsch.
Während des ganzen Wochenendes war die Sonne den Picknick- wie den Musikfans wohl gesonnen. Lediglich am Sonntagnachmittag fielen ein paar Regentropfen. Weinfreunden aus Bad Schwartau und Lübeck konnte der Regen allerdings nichts anhaben: Sie hatten mit ihrem reich gedeckten Tisch Schutz in einem Zelt-Pavillon gefunden und klönten hier noch lange nach dem Vormittagskonzert. „Die Meinung über den Vormittag ist bei uns geteilt. Manche mögen mehr die Klassik, andere stehen mehr auf die Sinti-Musik von Vano Bamberger“, erzählte Onne Schlichting.
Freya von Horsten kam mit ihrer Enkelin Enne-Paula und Freunden sogar ohne Festivalkarten aus Goldenbek vorbei. „Wir wären heute auch gerne zum Konzert gegangen, mussten aber die Enkelin hüten“, sagte die Goldenbekerin, die ihre Freunde zum Kaffeetrinken auf den Gutshof ausgeführt hatte. Erwin Blase aus Schleswig: „Man sieht hier einfach, dass sich die Leute wohlfühlen. Ich muss ganz einfach die Leute bewundern, die ein solches Gut bewirtschaften und dann auch noch so ein Festival auf die Beine stellen.“
Für Dorothea und Wilfried Huffmann aus Wentorf war es das erste Musikfest auf dem Lande, das sie in Pronstorf besucht hatten: „Vorher waren wir oft in Emkendorf. Uns gefällt an diesen Festen, dass sie leger sind. Man kommt an und hat Zeit. Dabei vermitteln sie auch Geschichte. Man kann sich vorstellen, wie die Menschen früher hier auf dem Gut gelebt haben“, erklärte Dorothea Huffmann. Als älteren Herren hatte sie sich den Gutsherren Hans-Caspar Graf zu Rantzau vorgestellt und war ganz erstaunt, als dieser – noch relativ jung an Jahren – sie locker ermutigte, auch mit tropfendem Eis in die Ausstellung seines Cousins ins Torhaus zu gehen.
Natürlich gab es auch am Sonntagnachmittag gute Musik: Das „Apollon Musagète Quartett“ begeisterte in der Besetzung zwei Geigen, Bratsche und Cello mit Kompositionen von Johannes Brahms und Karol Szymanowski. Lang anhaltender Beifall der Klassik-Fans war ihnen gewiss.
Besonders das junge Publikum kam danach bei den Stimmkünstlern von „Sonic Suite“ auf seine Kosten, die aktuelle Popmusik mit Soul-, Blues- und Hip-Hop-Einflüssen mischten. Ob „Valerie“ von Amy Winehouse mit Solistin Karoline Fruhner, „A Woman’s Worth“ von Alicia Keys mit Maike Lindemann als Solosängerin oder das schlicht „für Michael Jackson“ gesungene „Out of my life“ – die Vokalisten hatten das gewisse Etwas, das das Publikum zu Jubel und Applaus hinriss. Der galt vor allem Indra Tedjasukmana, der allein mit seiner Stimme ein ganzes Schlagzeug nebst Percussion-Set nachahmte.
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