ln-online/lokales vom 22.01.2009 11:06
Skrupeloses Paar verkauft fremde Pferde
„Iwo“ (l.) ist gerettet. „Schocki“ wird noch vermisst. Und auch "Siska" und "Blanche" sind noch nicht wieder aufgetaucht. Foto: Privat
„Siska“ war ein Überraschungsgeschenk zum Geburtstag. „Ich schätze, ich kann ihr nicht mehr helfen“, sagt Ilona Bois (44) aus Stoltenberg bei Eutin mit zitternder Stimme. Wo „Siska“ jetzt ist, weiß Ilona Bois nicht. Im April 2008 hat sie im Internet eine Anzeige gelesen. Nadine Müller aus Heide suchte Gesellschaft für ihr Pferd „Dexter“. Da „Siska“ vorne lahmt, suchte Ilona Bois einen Ort, an dem das Pferd frei auf der Koppel laufen konnte. „Das Paar war super nett“, sagt Bois. Aber sie sollte „Siska“, nachdem sie ihr Pferd in Heide vorbeigebracht hatte, nie wieder sehen. Sabine Müller war nur eines von unzähligen Pseudonymen der Betrügerin, die mit ihrem Lebensgefährten die Gesellschafter-Pferde einfach weiter verkaufte.
Irgendwann brach der Kontakt zu dem Paar ab. Niemand meldete sich am Telefon. Als sie im Oktober 2008 in Heide vorbei fuhr, stand das Haus zum Verkauf, die Koppel war leer. Genau so ging es noch zehn anderen Pferdebesitzern aus ganz Deutschland.
In drei Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft Itzehoe wegen Betrugs und Unterschlagung gegen Sabine D. (39) und ihren Lebensgefährten. Das bestätigt Oberstaatsanwalt Ralph Döpper. Er erklärt, dass die Pferdebetrügerin schon wegen eines ähnlichen Delikts in Meldorf auf Bewährung verurteilt worden ist. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, sagt Carsten-Peter Beck von der Kripo Heide. Etwa zehn Anzeigen liegen ihm mittlerweile vor, auch aus Bayern und Niedersachsen. Ein Schlachter im Umkreis stehe unter Verdacht, mit Sabine D. zusammengearbeitet zu haben.
Dort ist wohl auch „Blanche“ gelandet. Das befürchtet zumindest Besitzerin Claudia Bartels (48) aus Holm. „Sie war ein Kaltblut, eine Tonne schwer“, erzählt sie über die vermisste zwölfjährige Stute, die auch als Beistellpferd dienen sollte. Als Beistellpferde werden oft alte und kranke Pferde als Gesellschaft für andere vermittelt.
In diesen Beistellpferden witterte Sabine D., wie es scheint, das große Geschäft. Einige der kränkelnden Pferde verkaufte sie einfach als Reitpferd weiter. Im Fall des kranken „Iwo“ aus Bayern hatte sie allerdings Pech. Die potentielle Käuferin, eine Hamburger Studentin, schöpfte Verdacht. Durch einen Zufall ermittelte sie die ehemalige Reitbeteiligung von „Iwo“. Nadine Hübner (25) aus Sonnefeld in Bayern traute ihren Ohren nicht. Zusammen mit Besitzerin Simone Frank täuschten sie den Kauf vor. „Als Sabine unterschrieben hatte, haben wir sofort die Polizei gerufen“, sagt Hübner. Die Betrügerin wurde abgeführt und angeklagt. Trotzdem konnte sie weiter machen. „Iwo“ ist wieder zu Hause. „Die tun so, als hätten sie noch etwas Gutes getan, weil wir die alten Pferde los werden wollten, aber das stimmt ja nicht“, sagt Andrea Witt (41) aus Neuendeich, die ihre Stute „Gräfin“ vermisst.
Mittlerweile haben sich die Betroffenen in einem Internetforum http://www.jawor-seite.de
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