ln-online/lokales vom 20.02.2007 00:00
Opas Röhrenradio lebt: Möllner Bastler auf Empfang
Mölln - Wochenlang haben diese Bastler in Mölln aus alten Teilen neue Radios gebaut. Ein Gerät funktioniert sogar ohne Strom aus der Steckdose.Die Gespräche im Physiksaal der Beruflichen Schulen von Mölln drehten sich monatelang um Kondensatoren, um Potentiometer, um Einkreiser. Immer abends trafen sich acht bis zehn Männer mit Brillen, mit karierten Hemden. Tüftler, Bastler, die eine Leidenschaft teilen: Das Röhrenradio. Jetzt haben sie ihre Werke präsentiert.
Leider gibt es alte Geräte kaum noch. "Viele Dachböden sind leer", sagt Hartmut Fischer (62). Früher, da hat er davon gelebt, solche Radios zu reparieren. Fischer hatte einen Reparaturbetrieb in der Möllner Hauptstraße und einen in der Ratzeburger Domstraße. Aber mit Beginn der Digitalisierung machte ihm diese Arbeit keinen rechten Spaß mehr. "Heute", sagt Fischer, "werden ja nur noch Module ausgetauscht."
Dabei ist der eingeschworene Röhrenradio-Fan selber digitalisiert. Seine Frau wolle sich von den alten Geräten nicht berieseln lassen, sagt er. Und seine Schüler, selbst oftmals vom Fach, müssen lächeln.
Eigentlich schade, findet Wolfgang Mühlberger aus Ratzeburg, findet Wolfgang Bode aus Sereetz, dass es nun bald vorbei ist mit dem guten alten Röhrenradio. Denn außer ihnen interessiert sich kaum jemand für die betagte Technik. Die könne immerhin, weiß Lehrer Fischer, mit modernen Hifi-Anlagen durchaus mithalten. Verstärker mit Röhrentechnik hätten mehr Dynamik, der Unterschied zwischen dem leisesten und dem lautesten Ton, sei viel größer als bei modernen japanischen Geräten.
Außerdem kann so ein altes Radio mit Kopfhörer, wie es Tüftler Mühlberger gebaut hat, gänzlich ohne Strom aus der Leitung funktionieren. Dazu spannt er im Garten ein Kabel als Langdraht-Antenne von Baum zu Baum über vielleicht 20 Meter - und lauscht andächtig einem der allmählich aussterbenden Mittelwellen-Sender. Auf Mittelwelle, glaubt Fischer, wird in 20 Jahren nicht mehr gesendet. Allerdings glaube er fest an den Fortbestand der Kurzwelle.
Auch der lauschen diese Bastler nur zu gern. Dann drehen sie an der Senderwahl, dann rauscht es und knackt es - und dann ist da plötzlich eine Stimme aus Russland, aus Korea oder Italien. "Sie können", weiß Fischer, "ihren Erfolg hören."
Wer ein altes Radio für die Tüftler übrig hat, melde sich unter Telefon 0 45 42/ 55 60 - abends nach 19 Uhr.
In den letzten 7 Tagen schon 3 mal gelesen - zuletzt am 11.03.2010 um 14:38.
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