ln-online/lokales vom 15.04.2007 00:00
Linker Demonstrant in Wismar von Metallgeschoss verletzt
Über 200 linke Demonstranten protestierten gestern in der Wismarer Innenstadt gegen Rechts. Zeitweise geriet die Lage außer Kontrolle. Es gab einen Verletzten.Wismar - Dass es auf eine Konfrontation hinauslaufen würde, was gestern schon beim Eintreffen linker Demonstranten auf dem Wismarer Bahnhof klar. Einige von ihnen waren im aus Lübeck kommenden Zug mit Reizgas gegen Bundespolizisten vorgegangen.
Kaum hatten die Linken in der Hansestadt ihre Transparente und Spruchbänder entrollt, fielen der Polizei zwei Vermummte auf. Die Kontrolle ergab: Sie hatten Steine in ihren Rucksäcken dabei. Die beiden wurden vorläufig festgenommen. Der Verdacht: Es handelt sich um Mitglieder der rechten Szene. Die wollten die genehmigte Demonstration offenbar mit Wurfgeschossen attackieren.
Zur Demo aufgerufen hatte die "Antifa Wismar" unter dem Motto "Close ist, Nazistrukturen lahm legen." 170 Beamte begleiteten den 200köpfigen Zug durch die Innenstadt. Teilnehmer waren auch aus Berlin, Rostock und Hamburg angereist.
Zunächst schien alles ruhig und friedlich zu bleiben. Die Route war so von der Polizei vorgeschrieben, dass sie nicht unmittelbar an den stadtbekannten Treffpunkten der Rechten, dem "Werwolfshop", der "Wolfshöhle" und dem Tattoo-Studio "Needle of Pain", vorbeiführte.
Doch das reichte nicht. Einer der Demonstrationsteilnehmer wurde von einer offenbar mit einem Katapult abgeschossenen Stahlkrampe am Kopf getroffen und verletzt. Nach medizinischer Versorgung wurde er wieder entlassen. Auch ein Polizisten war am Kopf getroffen worden, doch den hat der Helm vor bösen Folgen bewahrt.
Zeugen beobachten vor den Schüssen zwei Personen auf einem Dach. Später wurde einer davon als tatverdächtig vorläufig festgenommen. Im Haus hielten sich etwa 35 Mitglieder der rechten Szene auf. Die Polizei stellte ihre Personalien fest und zehn Axtstiele sicher. Die waren mit Stacheldraht umwickelt und zur gefährlichen Waffe geworden.
Nachdem sich herum gesprochen hatte, dass einer der Ihren von einer Krampe getroffen war, konnten die Beamten die erbosten Linken nur noch schwer im Zaum halten. Einige Zeit lang schien es so, als wären nun handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen Rechts und Links kaum noch zu verhindern. Denn der Demonstrationszug zersplitterte in kleine Grüppchen, das Chaos schien auszubrechen.
Zwar hatte die Polizei in den vergangenen Tag vorab Kontakte zu beiden Seiten gesucht, um einen Weg zu finden, wie die gestrige Demo in Ruhe und Frieden abgehalten werden könnte. Entgegen den Versprechen sowohl rechter wie linker Wortführer hatten es aber offenkundig beide Lager darauf abgesehen, einander auch handgreiflich zu bekämpfen, ist Polizeisprecher Klaus Wiechmann überzeugt, "die wollten Konfrontation".
Jedenfalls brach heftiges Durcheinander aus, als die Stahlgeschosse getroffen hatten und zudem der Anmelder der Veranstaltung plötzlich unauffindbar war. Die Demo löste sich auf, einzelne Grüppchen schwärmten aus, und die Polizei machte sich daran, sie zum Bahnhof zurück zu führen, ohne dass es zu weiteren Auseinandersetzungen kam. Das kostete die Beamten zwar erhebliche Mühe, ist aber offenbar letztlich gelungen. Trotz allem "weitgehend störrungsfrei" sei die Demonstration aus Sicht der Polizei verlaufen, so Wiechmanns Fazit.
In den letzten 7 Tagen schon 1 mal gelesen - zuletzt am 09.03.2010 um 04:53.
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