ln-online/lokales vom 12.05.2007 11:17
Steinbrück verspricht im Dom mehr Hilfen für Helfer
Großer Abschluss für die Jahrestagung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Bundesminister Peer Steinbrück hielt vor 1200 Gästen die Festansprache im Lübecker Dom.Gut gelaunt erscheint der Bundesminister für Finanzen im Lübecker Dom. Der Ärger über die verstopften Straßen in der Stadt ist schnell verflogen. "Ich habe genauso lange von Berlin nach Lübeck gebraucht wie vom Stadtrand hierher", entschuldigt sich Steinbrück beim Festpublikum. Das hat gern gewartet.
Schließlich hat der Bundesminister gute Nachrichten im Gepäck. "Mein Ministerium hat ein neues Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements vorgelegt. Der Bundesrat hat auch schon Zustimmung für das Programm ,Hilfen für Helfer' signalisiert", so Steinbrück. Durch dieses Paket sollen unter anderem Übungsleiter in Vereinen mehr Geld steuerfrei verdienen können. Zudem sollen Spenden an gemeinnützige Organisationen in größerem Umfang als bisher steuerlich absetzbar sein. Stifter können in Zukunft bis zu 20 Prozent ihrer Einkünfte steuerfrei in eine Stiftung einbringen, das können dann bis zu einer Million Euro sein.
Laut Steinbrück sind diese Maßnahmen keine Geschenke. Vielmehr sei der Verzicht auf Einnahmen eine Investition - in den Zusammenhalt der Gesellschaft. "In meinem Verständnis ist das keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft des Landes", so Steinbrück, der sich dafür einsetzen will, dass das Programm rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft tritt. Dafür gibt's Applaus.
Der Finanzminister ist aber nicht nur da, um über Geld zu reden. "Es sind in erster Linie die praktischen Beispiele, die nichts mit großem Geld zu tun haben, die das Stiftungswesen wertvoll machen", lobt Steinbrück. Er denke dabei an den PC für eine Senioreneinrichtung oder ein Keyboard für eine Schule. "Ohne bürgerschaftliches Engagement wäre unsere Gesellschaft nicht nur ärmer. Ich bin mir sicher, sie würde nicht funktionieren."
Einen wichtigen Beitrag, ohne die ganz großen Summen zu bewegen, leistet auch Prof. Christiane Nüsslein-Volhard mit ihrer Stiftung. Die Nobelpreisträgerin für Medizin von 1995 unterstützt mit ihrer seit drei Jahren bestehenden Stiftung junge Wissenschaftlerinnen mit Kindern, die sich in der Endphase ihrer Ausbildung, ihrer Doktorarbeit oder der Zeit danach befinden. Mit einer Förderung von monatlich 400 Euro für Hilfe im Haushalt und zusätzliche Kinderbetreuung werden die Forscherinnen von häuslichen Aufgaben befreit und erhalten so die Chance, auch beruflich eine Spitzenposition einzunehmen.
Für diese Initiative wird Nüsslein-Volhard im Dom von Minister Steinbrück und Dr. Fritz Brickwedde, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, mit dem Stifterpreis ausgezeichnet. "Die Bundesregierung leistet sich den traurigen Luxus, auf die Hälfte des wissenschaftlichen Potenzials zu verzichten", so Laudator Prof. Dr. Dominiak, Lübecks Uni-Rektor. Mit ihrer Stiftung stelle die weltweit anerkannte Forscherin auch ihre wissenschaftlich-soziale Kompetenz unter Beweis. "Ihre Stiftung zielt genau ins Schwarze und fördert Wissenschaftlerinnen genau dort, wo sie es am dringendsten benötigen."
In den letzten 7 Tagen schon 6 mal gelesen - zuletzt am 26.07.2010 um 08:45.
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