ln-online/lokales vom 25.09.2007 09:07
Karl-Heinz Prosch - Barschels Chauffeur und der Stasi-Verdacht
Manchmal schienen sie wie Freunde. Doch eine kritische Distanz zu seinem Chef hat sich Karl-Heinz Prosch (68) stets bewahrt. Der langjährige Chauffeur des Ministerpräsidenten zeichnet ein Bild von Uwe Barschel, das in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Aufbrausend hätte Barschel sein können, ungeduldig, unbeherrscht. "Der konnte wie ein HB-Männchen in die Luft gehen", sagt Prosch. Prosch war sieben Jahre lang Barschels Fahrer - bis zu dessen Tod. Insgesamt 36 Jahre lang hat Prosch für Mitglieder der Kieler Landesregierung hinterm Steuer gesessen. Und dabei manches Gespräch mitgehört, manche Begegnung miterlebt, die bis heute nirgendwo offiziell aufgezeichnet ist.
"Barschel war ein Kämpfer", erinnert sich Prosch und schildert eine Szene aus einer DDR-Kneipe. Dort habe der eher kleinwüchsige Barschel bei einem Streit kurzerhand zugeschlagen. Den Zwischenfall habe ein Parteifreund Barschels später auf sich genommen. "Damit es keine Komplikationen für den Ministerpräsidenten gibt." Warum Prosch das erzählt? "Ein Kämpfer, wie Barschel es war, hätte sich niemals umgebracht."
"Wenn ihr mir nicht helft, plaudere ich aus, was ich weiß", habe Barschel Parteifreunden gedroht, die sich im September und Oktober 1987 nach den Anschuldigungen reihenweise von ihm abwandten. "Dieser Satz war das Todesurteil für Uwe Barschel", glaubt Prosch.
Was weiß Prosch vom Verhältnis Barschel-Pfeiffer? "Barschel hat jedenfalls niemals die Freundschaft zu seinem Pressereferenten gesucht, wie es später immer dargestellt wurde", sagt der Chauffeur. Pfeiffer habe sich nie in den Wagen zu Barschel gesetzt. Aufgefallen sei Pfeiffer vielmehr durch seinen goldmetallic-farbenen Mercedes, "der er immer so provokativ vor dem Landeshaus parkte und nie einen Strafzettel bekam". Das ärgerte ihn schon.
Wenn man Prosch danach fragt, welchen Verdacht er hegt, dann erzählt er zuerst von jenem Tag, an dem der ehemalige Ministerpräsident auf dem Lübecker Flughafen verunglückte. "Frühmorgens habe ich Barschel nach Blankensee gefahren", erinnert sich Prosch. "Das Wetter war bedeckt. Barschels Pilot Michael Heise kam uns am Flughafen entgegen. Barschel fragte, ob er hier abends wieder landen kann." Heise soll geantwortet haben: "Kein Problem. Wir müssen nur dem Tower Bescheid geben." Damals war der Tower in Lübeck nur bei Bedarf besetzt. "Am Abend kam ich wieder nach Blankensee. Es war inzwischen stürmisch", erzählt Prosch. "Ich fragte im Tower, ob Barschels Maschine landen kann." Der Tower habe die Frage bejaht. "Es stimmt einfach nicht, dass Barschel trotz schlechter Witterungsbedingungen darauf bestanden hat, unbedingt in Lübeck zu landen", stellt Prosch klar. So hatte es die Mutter des in dieser Maschine getöteten Piloten in einem Brief behauptet, der dem Hamburger Magazin "Stern" über den SPD-Sprecher Klaus Nilius zugespielt wurde. "Man hätte mich nur befragen müssen. Passierte aber nicht", so Prosch.
Beim Landeanflug starben drei Menschen: Pilot, Co-Pilotin, ein Personenschützer des Ministerpräsidenten. Allein Uwe Barschel überlebte. "Ich hörte den Krach, sah einen brennenden Flugzeugflügel durch die Luft wirbeln", erinnert sich Prosch. Gemeinsam mit zwei Personenschützern rannte er übers Flugfeld - auf die brennende Maschine zu. "Auf einmal saß Barschel mitten im Gras vor mir. Drück mal ganz fest meine Hand, Proschi", habe er gesagt. "Dann nahm der Politiker seinen Ehering ab und seine Uhr und bat mich: ,Geben Sie das bitte meiner Frau.'" Glaubte Barschel, sterben zu müssen? Befürchtete er bereits im Mai, Opfer eines Anschlags werden zu können?
Monate später nimmt ein älterer Herr auf einer Wahlkampfveranstaltung Prosch bei Seite. "So haben wir im Zweiten Weltkrieg britische Bomber vom Himmel geholt", habe der behauptet. "Mit mobilen Funkanlagen, die den Funk des Towers überlagerten. Und mit grellem Licht." Prosch glaubt, dass der Absturz der Maschine ein erster Anschlag auf das Leben Uwe Barschels war.
Wer könnte ein Motiv gehabt haben, Barschel umzubringen? Prosch erinnert sich an eine mysteriöse Dienstfahrt in die DDR. Barschel sei wie einige Male zuvor im "Hotel Neptun" in Warnemünde abgestiegen. Dort habe es auch Kontakte zu Frauen gegeben. Führte Barschel in der DDR ein Doppelleben?
Eines Tages bekam Prosch in Warnemünde von Barschel den Auftrag, einer dunklen Limousine mit DDR-Kennzeichen zu folgen. "Wir wurden über Feldwege in eine abgelegene Kiesgrube manövriert", erinnert sich Prosch. "Es war irgendwo im Süden Rostocks." Barschel sei ausgestiegen, zwei Männer aus dem DDR-Fahrzeug hätten ihn in eine dreifarbig gestrichene Baracke begleitet. Wie lange die Unterredung dort gedauert hat, daran kann Prosch sich nicht mehr erinnern.
Später hat er versucht, die Örtlichkeit aufzuspüren. "Vielleicht lag diese Baracke bei Kavelstorf", sagt Prosch. Sicher ist er sich nicht. Kavelstorf liegt gut zehn Kilometer südlich von Rostock. Ausgerechnet in jenem unscheinbaren Dörfchen Kavelstorf unterhielt die Stasi ein erst zur Wendezeit enttarntes geheimes Export-Waffenlager ihrer Scheinfirma Imes.
Die Imes unterstand dem Bereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo) unter der Führung von Alexander Schalck-Golodkowski. Die Staatsfirma versorgte 1982 den Iran mit Waffen. Die NVA-Waffenhandelsfirma Ingenieur-Technischer Außenhandel (ITA) belieferte dagegen den Kriegsgegner Irak mit DDR-Waffen.
War Barschel doch in Waffengeschäfte verstrickt, wie es seine Ehefrau Freya nach seinem Tod vermutet hat? Und was hatte die DDR damit zu tun?
In den letzten 7 Tagen schon 20 mal gelesen - zuletzt am 13.03.2010 um 14:40.
Peter Liebmann schrieb am 28.09.2007 12:47:
Parallelität zweier Attentate in Lübeck mit Barschel und wegen Engholm in Kiel. Am 25.09.1991-14:06 verunglückte in Kiel eine Falcon 20 mit 9 Journalisten welche Engholm interviewen wollten, um ihm Mafia-Kontakte nachzuweisen. Die Maschine kam erst auf Runwaymitte auf, weil sie bei Regen und schlechter Sicht mit einem NDB- Signal ZU SPÄT in den Landeanflug gelotst wurde. Engholm vor Ort.
Mafia gehört enttarnt schrieb am 31.05.2009 15:22:
Nun wirds wohl Zeit, Frau Birthler, nutzen Sie Ihre Möglichkeiten ,um ales aufzuklären
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