ln-online/lokales vom 29.09.2007 00:00
Interkulturelle Woche in Bad Oldesloe
Bad Oldesloe - Großes Interesse der Oldesloer Schulen am "Tag des Flüchtlings". Der Grund: Im Oldesloer Rathaus wurde nicht nur über Menschen aus anderen Ländern und ihre Beweggründe, nach Deutschland zu kommen, diskutiert, sondern mit ihnen."Es hat mich total berührt", sagt Lea-Gianna Ziele (18). Die Oldesloer Gymnasiastin hörte sich beim "Tag des Flüchtlings" mit ihrer Klasse die Lebensgeschichte von Gagik Balajan (34) aus Aiserbadschan an. Im Oldesloer Rathaus gaben sich gestern Schulklassen den Türdrücker in die Hand. Das Angebot, mit echten Flüchtlingen zu diskutieren, gibt es schließlich nicht alle Tage.
Lea-Gianna Ziele war auch davon beeindruckt, dass Balajan trotz seiner Erlebnisse nicht etwa verbittert war, sondern "so positiv in die Zukunft schaut". Dazu trug natürlich bei, dass er gerade gestern seine Aufenthaltserlaubnis in Händen hielt und nun endlich seit seiner Ankunft in Deutschland im August 2001 hier mit dem Bleiberecht eine berufliche Perspektive hat. Bisher hat er im Hotel gearbeitet, das letzte Jahr keine Arbeitserlaubnis gehabt . Vielleicht wird am Anfang ein Deutschkursus für den Trittauer stehen, der seine Grammatik verbessern möchte. Deutsch lernte er bisher "aus dem Fernsehen". "Alle Achtung", lautete der Kommentar aus dem Publikum.
"Mir hat es sehr gut gefallen. Der Film hat mich sehr bewegt", sagte Caroline Raddatz (16) aus der 11a der Theodor-Mommsen-Schule. Sie hätte sich für die Diskussion jedoch eine kleinere Gruppe gewünscht. Dies war eigentlich von den Organisatoren, Diakonie, Kirchengemeinde, Fit, amnesty international und Flüchtlingsrat auch so geplant. Doch außer den angemeldeten kamen noch etliche unangemeldete Klassen. So wurde es voll im Rathaussaal.
Und Christina Gütte, Lehrerin für Wirtschaft und Politik an der Theodor-Storm-Schule, saß erst einmal auf der Rathaustreppe, bevor sie mit ihrer Klasse zu Film und Flüchtlingsdiskussion vordringen konnte. Sie hatte sich mit ihren Schülern auf die Menschengrundrechte, Asylrecht, Abschiebung and die Probleme drumherum vorbereitet. Nach dem Gespräch mit einem Flüchtling werden die Ergebnisse im Unterricht "abgearbeitet".
Eine solche Begegnung mache den ansonsten abstrakten Unterricht realer. Gerade im Bereich Politik sei es schwer, etwas Konkretes, Aktuelles zu haben.
Wegen des übergroßen Interesses der Schulen bietet Barbara Schleth von der Diakonie an, einen Kontakt herzustellen, damit Flüchtlinge in den Unterricht kommen können. Auch betroffene ausländische Mitglieder des Oldesloer Fit-Vereins, so zum Beispiel der Afrikaner Danny Jozez, standen schon mehrfach vor Oldesloer Schulklassen Rede und Antwort.
Die interkulturelle Woche bot in Bad Oldesloe ein reichhaltiges Programm. Dazu gehörte ein Abend der offenen Tür mit kulturellen Highlights aus vielen Ländern und gestern eine Podiumsdiskussion zum Thema Bleiberecht.
In den letzten 7 Tagen schon 5 mal gelesen - zuletzt am 28.07.2010 um 19:12.
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