ln-online/lokales vom 22.11.2007 10:15
Zandi wehrt sich: "Ich halte Politik und Sport auseinander."
Ferydoon Zandi, einst gefeierter Mittelfeldspieler beim VfB Lübeck, später dann Bundesliga-Kicker und Nationalspieler für den Iran, wehrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe. Foto: Maxwitat
Die Nachricht hat auch ihn geschockt: Ferydoon Zandi erfuhr erst aus den LN, dass er das Training bei Apollon Limassol verlassen haben soll, nachdem der zyprische Verein einen israelischen Trainer eingestellt hat. "Falsch", sagt der Deutsch-Iraner, "das kann nicht sein, weil ich nicht mehr für Apollon Limassol spiele." Mehr noch: Zandi befindet sich zur Zeit noch nicht einmal auf Zypern, sondern in Timmendorfer Strand, seiner "zweiten Heimat".
Die iranische Nachrichtenagentur "Fars" hatte am Dienstag Folgendes verbreitet: "Nachdem der Verein nach schwachen Ergebnissen einen Trainer vom zionistischen Regime (Israel) einstellte, hat Zandi, übereinstimmend mit der Politik der islamischen Republik, das Training verlassen und das Team nicht mehr begleitet." Ohne Quellenangabe, ohne Verweis.
Offenbar handelt es sich um eine Propaganda-Aktion seitens der Iraner. Denn: Der Bericht wurde nicht bestätigt. Auf der "Fars"-Homepage findet sich kein Wort über Ferydoon Zandi. Und Apollon Limassol bestätigte gestern den LN, dass der Vertrag mit Zandi im Mai ausgelaufen ist, er seitdem für den Klub weder gespielt noch trainiert hat.
"Fery", der seit Anfang 2005 für den Iran spielt, weiß um die Probleme, die den islamischen Staat und seinen "Feind" betreffen. Aber: "Politik und Sport halte ich strikt auseinander." Das fällt nicht immer leicht, wenn man ein Fußballer aus dem Iran ist - wie auch der jüngste Fall des Deutsch-Iraners Ashkan Dejagah zeigt, der die deutsche U21 aus familiären Gründen nicht nach Israel zu einem Länderspiel begleiten wollte. Der Iran erkennt Israel als souveränen Staat nicht an, jeglicher Kontakt wird vermieden - und verboten. Das zu missachten, kann gefährliche Folgen für iranische Bürger haben.
Zandi war zuletzt im Juni dieses Jahres im Iran, um im Asien-Cup zu spielen. Da sich seine Nationalmanschaft allerdings im "Umbruch" befinde, habe er zur Zeit weder Kontakt dorthin noch eine Ahnung, ob er wieder in den Kader berufen werde. Was im Moment für ihn zählt, ist ein Stammplatz in einem neuen Verein. "Ich bin fit, will unbedingt wieder Fußball spielen." Er hat in der Vergangenheit einige Fehler gemacht, räumt der Linksfuß ein. Wer der neue Arbeitgeber ist, steht noch nicht fest. Dass er zum VfB Lübeck zurückkehrt, ist aber eher unwahrscheinlich. Zandi: "Eine Anfrage liegt nicht vor."
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