ln-online/lokales vom 07.12.2007 00:00
Maritim in Travemünde bald kein Hotel mehr
35 Stockwerke hoch ist das 1973 erbaute Maritim-Hotel in Travemünde. Eigentumswohnungen liegen oberhalb der 13. Etage. Jetzt sollen auch die Hotelzimmer umgewandelt werden. Foto: Maxwitat
Die Geschäftsführung der Hotelkette sagte den LN, dies sei „eine Option“. Grund dafür sei der Druck möglicher neuer Konkurrenz. Dem Maritim soll nach Willen der Stadt Lübeck unmittelbar angrenzend ein Hotel mit 200 Zimmern und 100 Eigentumswohnungen vor die Tür gesetzt werden - auf dem Boden des Freizeitbads „Aqua Top“, das abgerissen wird. Ein Hamburger Unternehmen will 45 Millionen Euro investieren.
Nach LN-Informationen ist eine Entscheidung längst gefallen. Möglicherweise schon im nächsten Jahr soll der klassische Hotelbetrieb im Maritim Travemünde eingestellt und die Hotelzimmer von der 4. bis zur 13. Etage in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Nur deren Bewohner sollen weiter Hoteldienstleistungen in Anspruch nehmen können.
Das wird in einem Brief an die Appartement-Besitzer angedeutet, die bereits die oberen 20 Etagen des Hauses bewohnen. Darin schreibt die Maritim-Geschäftsführung: „Das Entstehen eines neuen Hotels an diesem exponierten Standort wird die Konkurrenzsituation für unser Haus sicherlich verändern. Um für alle Entwicklungen gerüstet zu sein, haben wir uns in der Vorvereinbarung mit der Hansestadt die Option einräumen lassen, den Hotelbetrieb in seiner jetzigen Form in ein Aparthotel umzuwandeln.“
Die Hansestadt hält eine entsprechende Umwandlung für akzeptabel, kämpft aber ihrerseits darum, das Kongress- und Konferenzzentrum zu erhalten, weil 15000 bis 20000 Übernachtungen jährlich für Travemünde daran hängen. Kurdirektor Uwe Kirchhoff: „Gerade außerhalb der eigentlichen Ferienzeit wird der Ort durch diese Kongresse belebt.“ Eine Umnutzung des Erd- und Untergeschosses in eine Schönheitsklinik oder für Indoor-Sport würde die Stadt jedoch unterstützen, großflächiger Einzelhandel soll verhindert werden.
Offenbar benutzt die Hotelkette den städtischen Wunsch nach einem Weiterbetrieb des Kongresszentrums als Druckmittel. In einem nicht-öffentlichen Papier der Lübecker Verwaltung heißt es über die internen Verhandlungen: „Maritim hält sich die Entscheidung offen, ob das Hotel und der Kongress- und Tagungsbereich weitergeführt wird, wenn das geplante Hotel der Deutschen Immobilien realisiert wird.“ Kurdirektor Kirchhoff wehrt sich gegen diese Bedingung: „Konkurrenz belebt doch das Geschäft.“ Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) sagt: „Das Kongresszentrum muss ja nicht zwangsweise von der Maritim-Gruppe betrieben werden. Es könnte auch der Hotelier des Neubaus nebenan übernehmen.“
Der Verkauf der Hoteletagen dürfte dem Maritim mindestens 20 bis 30 Millionen Euro einbringen. Die Bettenauslastung des Hotels liegt 2007 bisher bei 59,4 Prozent. Das Haus beschäftigt 150 Mitarbeiter.
Was Tourismus-Experten zu einer anderen Nutzung des Maritim sagen, lesen Sie hier
In den letzten 7 Tagen schon 15 mal gelesen - zuletzt am 30.07.2010 um 04:41.
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