ln-online/lokales vom 02.02.2008 18:29
Rauchverbot: Zwei Lübecker Wirte in Finanznot
Pavlos Iliadis (48) hört auf: Das Rauchverbot, so sagt er, hat ihm das Geschäft gründlich verdorben. Er wird sein griechisches Resaturant nun schließen müssen. Foto: taf
Die Heilige Madonna an der Wand nützt ihm auch nichts mehr. Pavlos Iliadis sitzt mit dem Rücken zu ihr, starrt auf seinen Tisch. "Meine Gäste haben gesagt, sie kommen im Sommer wieder, wenn sie draußen sitzen und rauchen können." Davon kann der 48-Jährige nicht leben. Die Enttäuschung ist ihm anzusehen - die schwere Entscheidung, die er fällen musste, auch: "Ich schließe." Nach dreißig Jahren lädt er seine Gäste morgen zum letzten Mal in sein Restaurant"Der Grieche" in die Brolingstraße. "Das war's - dank des Rauchverbots."
Die Räumlichkeiten erlauben es nicht, einen separaten Raucherbereich einzurichten. Die Gäste sind genervt, wollen eine Zigarette zum Ouzo, wollen in der Kälte nicht vor die Tür - und bleiben fern, klagt der 48-Jährige. Er kann das nachvollziehen, auch als Nichtraucher, aber: "Vom Sommer allein kann ich nicht leben. Wie denn?" Es geht ihm nicht gut. Und nicht nur ihm.
Auch in "Dietmars Imbiss" in der Spenglerstraße im Gewerbegebiet Roggenhorst herrscht gähnende Leere. Im Radio läuft "When I need you", von Rod Stewart für den einzigen Stammgast an diesem Tag. "Schlimm", sagt Sören Struck. "Früher, war es hier mittags randvoll." Inhaber Dietmar nickt. Früher ist noch gar nicht so lange her. Sechs Wochen vielleicht, als noch geraucht werden durfte. Jetzt brutzeln selten Spiegeleier, Schaschlik und Currywurst. Vom Geschäftsmann bis zum Lkw-Fahrer bleiben sie dem Imbiss fern, sagen, sie gehen da hin, wo sie rauchen können.
Zwei Stehtische, zwei Sitzecken. Ein Container, ein Anbau. Mittendrin: Dietmar Karrasch-Toebs, gelernter Restaurantfachmann, zweifacher Familienvater und seit kurzem verlassener Imbiss-Besitzer.
Wo die Gäste bleiben? Oder die Nichtraucher, die angeblich statt dessen kommen sollen? "Das würde ich wirklich gerne wissen", sagt Dietmar. "Der Hammer" kam zehn Tage nach dem Rauchverbot. Da stand plötzlich ein Mann in der Tür, mit 'nem Ausweis, auf dem Dietmar gerade noch "Ordnungsamt" oder so ähnlich lesen konnte. Ob er wüsste, warum man da sei, wurde er gefragt. Der Überraschungsgast verwies auf die Aschenbecher auf den Tischen, mahnte ihn ab, und verschwand. Zurück blieb ein geschockter Wirt, der sich wunderte, wie man so schnell den Weg zu ihm raus ins Gewerbegebiet gefunden hatte.
"Melde doch einen Club an." "Bau doch einen Raucher-Pavillon." Alles Ratschläge, die Dietmar seitdem er die Aschenbecher abgeräumt hat, immer wieder hört. Wie denn? Abgesehen davon, dass ihm das Geld fehlt, ist es gar nicht möglich, draußen vor der Tür zu rauchen: Denn da ist eine die Tankstelle. Er schüttelt den Kopf. "Ich habe keine Lust mehr."
Er könnte sofort aufgeben. "Dann hab ich knapp 20 000 Euro Schulden." Er könnte weitermachen. "Dann hab ich bald noch mehr Schulden." Strom und Geräte müssen ja weiter laufen. "Ich will ja gar nicht reich werden, nur ein bisschen leben." Im Moment verdiene er weniger als ein Hartz-IV-Empfänger. "Da will man Vater Staat nicht auf der Tasche liegen, schuftet von morgens bis abends." Und dann? "Dann kommt Vater Staat und bedankt sich", antwortet Sören Struck . Wenn es so weitergeht, ist der Imbiss in Roggenhorst der nächste, der schließt.
In den letzten 7 Tagen schon 2 mal gelesen - zuletzt am 29.07.2010 um 08:13.
Dietrich Kendziora schrieb am 02.02.2008 09:26:
Als Nichtraucher begrüße ich das Nichtraucherschutz-Gesetz natürlich, aber für solche Betriebe sollte es doch Ausnahmen geben. Ich finde es allerdings sehr traurig, dass Essen und Geselligkeit bei vielen Rauchern offenbar nur in Verbindung mit dem entsprechenden Qualm möglich ist. Vielleicht ist aber dabei auch nur eine größere Portion Trotzverhalten gegen das Gesetz mit im Spiel.
Peter Kühl schrieb am 02.02.2008 14:59:
kein Gastwirt gibt alleine wg. Rauchverbot auf. Die Geschäfte laufen schon vorher schlecht Hartz IV usw.
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