ln-online/lokales vom 07.02.2008 00:00
Rauchverbot auf dem Fußballplatz: Wann wird Biertrinken verboten?
Lübeck - Die Forderung von SHFV- Chef Karl-Ludwig Meyer, den blauen Dunst ganz vom Fußballplatz zu verdammen, hat an der Fußball-Basis für ausgiebige Diskussionen gesorgt. Ein Stimmungsbild.Als passionierter Raucher, der es nach eigenem Bekunden auf "eine halbe Schachtel pro Tag" bringt, findet Lübecks Torwart-Legende Manfred Bomke (67): "Das Ganze ist reichlich übertrieben. Dann soll man doch die Zigaretten komplett vom Markt nehmen, anstatt uns das Rauchen auf dem Sportplatz im Freien zu verbieten." Der 67-jährige Trainer des Bezirksoberligisten 1. FC Phönix betont aber: "Auf der Bank während des Spiels verkneife ich mir die Kippe - so gut es geht . . ."
Rauchen auf dem Sportplatz - was meinen Sie? Hier geht's zur Umfrage bei LN-Online.
Ähnlich sieht es Karin Schmidt (68) als Sprecherin und "gute Fee" des Bezirksliga-Spitzenreiters AKM Lübeck, obwohl sie selbst "noch nie geraucht" hat: "Dass man die Leute so gängeln will, ist ja schlimmer als zu Zeiten der Stasi. Dann soll man Zigaretten lieber gleich ganz verbieten." Ein Rauchverbot auf der weitläufigen Sportanlage am Koggenweg sei "kein Thema".
Überhaupt nichts vom Rauchverbot auf Sportplätzen hält auch Dirk Schapeter, Vorsitzender des Fanclubs von Kreisligist TSV Sarau. "Ich bin starker Raucher. Wenn man auch im Freien nicht mehr rauchen kann, darf man bald überhaupt nichts mehr. Ich bin seit 15 Jahren jeden Sonntag in Sachen Fußball unterwegs. Kommt ein Verbot, muss ich mir wohl ein anderes Hobby suchen", sagt der 40-Jährige genervt.
Nichtraucher Lars Callsen (34), Spielertrainer von Bezirksligist Eutin 08, hält ein Rauchverbot im "kleinen Fußball" für übertrieben. "Wenn Personen im engeren Umfeld der Mannschaften in ihrer Vorbildfunktion nicht rauchen, ist das sicher sinnvoll, auch in großen Arenen mit 60 000 Zuschauern. Einfache Sportplätze mit rund hundert Zuschauern sind so weitläufig, da kann man dem Rauch leicht aus dem Weg gehen."
So sieht es auch Frank Salomon (43), Trainer des Bezirksoberligisten GW Siebenbäumen, der sich bemüht, zumindest an der Seitenlinie nicht zu rauchen: "Man sollte den Menschen die Freiheit lassen. Allerdings sollte sich der Fußballverband eigentlich um wichtigere Dinge kümmern."
Michael Clausen (49), Trainer der Zweitliga- Frauen des FFC Oldesloe und im Hauptberuf Gymnasiallehrer, hält Meyers Vorstoß für "überzogen, unüberlegt und wenig konstruktiv, weil man das Problem nicht an der Wurzel packt, wenn man den Leuten ihr Recht auf freie Entscheidung nimmt." Vom SHFV erwarte er keine Verbote, sondern "eine klare Positionierung und Aufklärungskampagnen wie beispielsweise ,Keine macht den Drogen'". Zudem könne man als Verband die Trainer und Betreuer durch gezielte Ansprache für ihre Vorbildfunktion sensibilisieren. Eine generelles Rauchverbot werfe auch ganz pragmatische Fragen auf. Etwa, ob ein Ordnungsdient Raucher bei Verstößen vom Platz führen muss, oder ob an der Kasse Leibesvisitationen durchgeführt werden sollten.
Ähnlich sieht's Leezens Urgestein Dieter Pütz (66), der 50 Jahre lang "Kampfraucher" war, ehe er aus gesundheitlichen Gründen aufhörte "Ich weiß nicht, wie Herr Meyer zu solch einer Aussage kommt. Hat der nichts anderen zu tun? Ein Rauchverbot auf Sportplätzen ist total übertrieben. Man kann uns doch nicht alles vorschreiben."
In Breitenfelde gilt auf dem Schulsportplatz (bis auf eine kleine Ecke) schon ein generelles Rauchverbot. "Wenn dies aber auch auf die Heimspiele unserer Verbandsliga- Herren ausgedehnt wird, befürchte ich, dass die Zuschauerzahlen zurückgehen werden", sorgt sich Jugendwart Norbert Frantzen (64): Schlimmer wäre für ihn jedoch ein auch diskutiertes Bierverbot: "Dann würde kaum noch jemand zu den Spielen kommen. Dabei brauchen wir als kleiner Verein auch diese Einnahmen."
Als "sehr, sehr ambitionierter Nichtraucher" befürwortet Gero Maaß (43), Trainer der Regionalliga-A-Junioren des VfB Lübeck, das angedachte Verbot: "Bei Jugendspielen sollte aufgrund der Vorbildfunktion auf dem gesamten Sportplatz nicht geraucht werden. Bei Erwachsenenspielen sollte es für die Besucher erlaubt bleiben. Auf dem Spielfeld und der Laufbahn haben Zigaretten aber absolut nichts zu suchen."
Pragmatisch sieht Jörg Haase die Lage. Der 48-jährige Manager des Verbandsligisten FC Dornbreite hätte "bei uns gegen ein generelles Rauchverbot nichts einzuwenden, zumal glimmende Zigaretten am Rande des neuen Kunstrasens sowieso tabu sind". Haase, selbst Nichtraucher, glaubt: "Die Leute würden einsichtig sein und aufs Qualmen verzichten, wenn man ihnen nicht auch noch das Bierchen am Rande streicht."
Ex-Profi Thomas Seeliger (41/ehemals FC St. Pauli, heute SV Todesfelde) ist "militanter Nichtraucher", der allerdings diesen Schritt überzogen findet. "Wenn ich im Stadion sitze und nicht ausweichen kann, wenn mich mein Nebenmann zuqualmt, ist das was anderes als auf dem Dorf. Wo fängt man mit Verboten an und wo hört man auf? Der DFB wirbt beispielsweise für Bitburger Bier. Also bitte . . ."
Burghard Schultz, Trainer des Landesligisten Grevesmühlener FC, ist zwar Nichtraucher, hält aber die gesamte "Raucherregelung" für "totalen Schwachsinn. Es gibt weißgott genug andere Probleme", meint er, dass das die Menschen untereinander regeln sollten. Strikt gegen ein Rauchverbot sei er in geschlossenen Räumen, wenn Kinder dabei sind. oel/ing/jz/sta/pm/wiro
In den letzten 7 Tagen schon 2 mal gelesen - zuletzt am 29.07.2010 um 11:57.
Weitere Sport-Meldungen aus Lübeck
Leuchtendes TravemündeEin Mann segelt nach oben
Spektakuläre Hobies, turbulente F 18-Rennen
Ähnliche Meldungen im Archiv suchen 
Nach Stichwörtern:
Lübeck
Rauchverbot
Anzeige
Heute
14 / 19 °C
aus: W-S-W
Morgen
9 / 27 °C
aus: S-S-W
|
||||||||||||||||||













