ln-online/lokales vom 06.03.2008 00:00
Zu Besuch in der Unterwelt des Theaters Lübeck
Orpheus (Patrick Busert) und Eurydike (Andrea Stadel) finden auch in der Unterwelt nicht mehr zueinander. Foto: Roessler/LN
"Ihr müsst nicht schneller sprechen, sondern die Anschlüsse dichter machen." "Ihr drei müsst schräg nach hinten gucken, damit er schräg nach vorne gucken kann." Dies waren die Worte der Regisseurin Helga Wolf in der "Putzprobe" zu der Operette "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach im Großen Haus des Theaters Lübeck. Aber nicht die Bühnenbretter wurden hier geschrubbt, vielmehr ging es darum, der Inszenierung den letzten Feinschliff zu verpassen.
Mancher mag bei dem Titel des Stücks an das tragische Traumpaar der Antike, Orpheus und Eurydike, denken, dem schon Claudio Monteverdi (1607) und Christoph Willibald Gluck (1762) ihre Opern widmeten. Aber was spielt sich hier auf der Bühne ab? Was sehen wir? Offenbach, der die Operette 1858 komponierte, verlegt die Handlung offenbar in das Paris des 19. Jahrhunderts und wirft mit seiner Parodie das wie auf Wolken schwebende antike Paar auf den harten (Theater-)Boden der Realität. Aus dem antiken Sänger Orpheus, der durch seinen Gesang Tiere, Pflanzen und selbst Steine zum Weinen bringen konnte, wird ein alternder Geigenlehrer (gespielt von Patrick Busert), der sich ausgiebig mit seinen Schülerinnen vergnügt. Aus der treuen Gattin Eurydike wird eine frustrierte Hausfrau (Andrea Stadel), die sich dem Schäfer von nebenan hingibt, der sich rasch als Pluto (Steffen Kubach), der Gott der Unterwelt, entpuppt.
Die Ehe ist zerrüttet, und so wundert es kaum, dass Eurydikes Tod Orpheus nicht weiter stört. Doch die öffentliche Meinung (Roswitha C. Müller) als personifizierte Moral zwingt Offenbachs Orpheus, das zu tun, was der antike Orpheus aus Liebe tat: in die Unterwelt zu gehen, um Eurydike zu retten. Doch auch Offenbachs Orpheus gelingt dies nicht. Zur Freude aller, nicht zuletzt Eurydikes . . .
Die musikalische Leitung dieser schwungvollen, humorvollen Operette hat Ludwig Pflanz. Und selbst in der Putzprobe wurde viel gelacht, da man sehen konnte, dass auch die Darsteller viel Spaß bei der Arbeit hatten. Bis Juni ist noch Gelegenheit, das Stück live zu erleben.
Von der Klasse 8 a der Willy-Brandt-Schule, Lübeck
In den letzten 7 Tagen schon 5 mal gelesen - zuletzt am 28.07.2010 um 19:10.
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