Lübecker Nachrichten: Frau Lo Prete, wird bei Ihnen in der Gaststätte wieder geraucht?
Rita Lo Prete: Nein. Ich beschäftige Angestellte – und darf laut Verwaltungsgericht das Rauchen nicht wieder zulassen.
LN: Sie sind eine der beiden Gastwirte, die vor dem Gericht verloren haben?
Lo Prete: Ja. Aber ich werde Widerspruch einlegen. Meine Angestellte ist Raucherin.
Hier geht's zum Bericht "Zur Person": Ein Leben für die Gastronomie"
LN: Das heißt, bei Ihnen wird seit dem 1. Januar und auch weiterhin nicht geraucht?
Lo Prete: Richtig. Aber wir geben nicht auf, werden weiter prozessieren. Die Umsatzeinbrüche liegen bei 60 Prozent.
LN: Haben Sie noch Stammgäste?
Lo Prete: Vereinzelt. Vor dem Nichtraucherschutzgesetz hatte ich eine gut besuchte Kneipe.
LN: Sind denn Nichtraucher als neue Gäste zu Ihnen gekommen?
Lo Prete: Nein, kein einziger.
LN: Der Beschluss des Verwaltungsgerichts wird sehr unterschiedlich verstanden. Wie verstehen Sie ihn?
Lo Prete: Als grandiosen Erfolg für unseren Kampf. Wir ziehen die beiden Musterprozesse, für die das Gericht jetzt einen vorläufigen Beschluss erlassen hat, weiter durch. Außerdem werden wir weitere Musterprozesse starten, bis das Verwaltungsgericht flächendeckend zu unseren Gunsten entschieden hat.
LN: Enttäuscht, dass Sie mit Ihrer Klage unterlegen sind?
Lo Prete: Überhaupt nicht. Wir sind eine Interessengemeinschaft, die schon viel bewegt hat. Wir wollen jetzt eine Klarstellung, wie es mit den Kneipen ist, die Angestellte beschäftigen. Es darf doch nicht sein, dass Arbeitsplätze vernichtet werden. In der jetzigen Rechtslage kann ich keine Putzfrau in eine Raucherkneipe lassen, keinen Zulieferer, keinen Postboten.
LN: Wie lange können Sie mit ihrer Gaststätte das Rauchverbot noch durchhalten?
Lo Prete: Ein bis zwei Monate. Wenn bis dahin nichts passiert, dann muss ich meine Mitarbeiter entlassen.
LN: Rauchen ist schädlich. Warum kämpfen Sie dafür?
Lo Prete: Wir kämpfen nicht gegen den Nichtraucherschutz, sondern um unsere unternehmerische Freiheit. Wir kämpfen gegen die Bevormundung unserer Gäste. Ich will einem 50-Jährigen nicht sagen, ich muss dich jetzt umerziehen. Der Wirt soll entscheiden, ob er eine Raucherkneipe unterhält oder nicht. Der kennt nämlich seine Kunden. Wenn es Bedarf an Nichtraucher-Kneipen gibt, dann werden sie entstehen.
LN: Haben Kneipen ein bestimmtes Publikum?
Lo Prete: Nein, das Publikum ist bunt gemischt – vom Arbeiter bis zum Arzt. Man muss verstehen, dass eine Kneipe mehr ist als ein Ort, wo man sein Bier trinkt. Wir holen Leute aus der Isolation, binden Einsame in die Gemeinschaft ein. Wir leisten seelsorgerische Tätigkeiten, wenn jemand Stress in der Familie hat oder seinen Job verliert.
LN: Wie viele Prozesse werden Sie noch anstrengen?
Lo Prete: Das hängt davon ab, wie viele Spenden wir zusammenbekommen. Vier bis fünf Klagen sind geplant.
LN: Warum sind ausgerechnet die Lübecker Wirte und sonst niemand im Land vor das Gericht gezogen?
Lo Prete: Weil ich hier in Lübeck die Gegenwehr ins Leben gerufen habe. Ich habe eine Strategie entworfen, wie wir eine Lockerung des Gesetzes erreichen können – Anwalt nehmen, vor Gericht ziehen, zu den politischen Parteien Kontakt aufnehmen und die Öffentlichkeit mobilisieren.
LN: Wann haben Sie die Interessengemeinschaft gegründet?
Lo Prete: Am Nikolaustag haben sich fünf Wirte zusammengetan. Ich hatte immer gehofft, ein Gastronom mit Rang und Namen würde sich erheben. Das ist aber nicht passiert. Meine Gäste haben mich bedrängt, etwas zu unternehmen.
LN: Haben Sie vorher schon mal eine Bürgerinitiative gegründet?
Lo Prete: Im Leben nicht.
LN: Machen alle Wirte mit?
Lo Prete: Leider nicht, was unverständlich ist. Wir haben 500 Schankwirtschaften in Lübeck, zehn Prozent der Inhaber machen bei uns mit.
LN: Warum nicht alle?
Lo Prete: Ich habe keine Erklärung. Was willst du denn schon bewegen, habe ich mir angehört. Einige wären wohl auch froh, wenn ein paar Konkurrenten hopsgehen würden.
LN: Sie haben das Gespräch mit Parteien gesucht. Was kam dabei heraus?
Lo Prete: Wir sind überall abgeblitzt. Nur die FDP hat mit uns gesprochen, uns sogar besucht. Die SPD hat uns nicht mal abgesagt. Auch die CDU hat uns kein bisschen unterstützt.
LN: Wie ist es, wenn man plötzlich im Rampenlicht steht? Ist das belastend?
Lo Prete: Überhaupt nicht. Mir geht es ja um die Sache, dafür brauche ich die Öffentlichkeit. Wenn man einmal gesehen hat, wie Kollegen mit Tränen in den Augen vor der Pleite stehen . . .
LN: Die SPD sagt, der Nichtraucherschutz könnte noch strenger werden. Geht Ihr Kampf vielleicht nach hinten los?
Lo Prete: Wir werden rechtzeitig dagegen angehen. Und wir erwarten, dass bei einer Neuregelung des Gesetzes unsere Interessengemeinschaft sowie die Dehoga mit einbezogen werden.
LN: Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel hat angekündigt, dass die Kontrollen der Stadt ausgesetzt werden.
Lo Prete: Gott sei Dank.
LN: Wie sind diese Kontrollen eigentlich genau abgelaufen?
Lo Prete: Unsere Interessengemeinschaft hatte bei der Stadt beantragt, dass wir vom Rauchverbot ausgenommen werden. Jeder einzelne Wirt hat das beantragt. Die Stadt hat eine Liste unserer Mitglieder bekommen. Statt einer Antwort kamen die Kontrollen. Wir Wirte haben vereinbart, die Besuche der Kontrolleure genau festzuhalten. Dadurch wissen wir, wie oft die Kontrolleure in den einzelnen Kneipen aufgetaucht sind.
LN: Wie bewerten Sie insgesamt die Arbeit der Politiker, die das Nichtraucherschutzgesetz gemacht haben?
Lo Prete: Als schlurig und desinteressiert.
Axel Müller schrieb am 28.04.2008 09:20:
Haben wir eigentlich keine anderen Probleme ?. Es kommen weniger Gäste in die Kneipen, weil das verfügbare Einkommen immer weiter sinkt. Nicht wegen des Nichtraucherschutzes. Außerdem sollte man Steuerzahler und Gerichte nicht weiter mit unnützen Klagen aus Prinzipienreiterei belasten.
Manfred Vandersee schrieb am 29.04.2008 00:29:
Super, was die Gastwirte gegen die Bevormundung erreicht haben. Der Staat greift immer mehr bevormundend in unsere Leben ein. Den Gastwirten, kann ich nur bei ihrem Kampf für die Gerechtigkeit nur beipflichten.
Die optimale Lösung mit der Kennzeichnung von Raucher- und Nichtraucherräumen, wurde von der Politik unverständlicherweise nicht umgesetzt hat. Damit wäre allen gedient.
Andreas Huber schrieb am 29.04.2008 12:52:
Solange die Wirte weiter gegen die Nichtraucher hetzen und diffamieren werden sie hier wohl kaum neue Kunden gewinnen.
Die Praxis selbst in Süddeutschland erlebt: In einem Cafe schlug uns schon beim Betreten der Gestank von Tabakrauch entgegen. Die Wirtin versuchte, ihre Kippe hinter dem Tresen zu verstecken. Natürlich waren wir dort genauso schnell wieder draußen wie wir gekommen waren.
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