ln-online/lokales vom 09.05.2008 00:00
Hammerschlag-Prozess: "Er hatte einen Hang zum Luxus"
Lübeck/Timmendorfer Strand - Am dritten Verhandlungstag im Hammerschlag-Prozess vor dem Lübecker Landgericht strahlt der Angeklagte Alexander B. vor Wiedersehensfreude. Seine Ex-Freundin Stefanie B. und sein einst bester Freund Jonny K. waren aus Westfalen angereist, um als Zeugen vernommen zu werden. Dass Alexander B. am 28. Oktober 2007 den Besitzer eines Hotels in Timmendorfer Strand mit einem Hammer brutal niedergeschlagen hat, ist unstrittig. Für das fünfköpfige Schwurgericht geht es jetzt darum, herauszufinden, ob diese Tat geplant und vorsätzlich geschah und die Bedingungen für den Tatbestand eines versuchten Mordes erfüllt werden oder nicht. Stefanie B., 23 Jahre alt, war 14 als sie Alexander B. kennen und lieben lernte. Zwei Jahre waren sie ein Paar. Und als er sie wieder einmal mit einer anderen betrogen hatte, machte sie Schluss. Viele Jahre - bis Mai 2007 - war Funkstille zwischen beiden. Nach einer verbüßten Freiheitsstrafe suchte Alexander B. wieder Kontakt zu ihr. Es sei sehr nett und man könne gut mit ihm reden, schildert die junge Frau. "Obwohl ich ihn so lange kenne, hat er bei mir keine gute Karten mehr." Das liege an seinem Ruf, Leute zu betrügen, seine Eltern und Freunde um Geld zu prellen. Ehrlich und aufrichtig - "das ist er nicht immer". Aber war Alexander B. auch gewaltbereit? "Niemals", sagt seine Ex-Freundin, "bei Rangeleien war er immer der Erste, der weg war. Was das angeht, war er ein Weichei." Diesen "Stempel" nimmt Alexander B. der Zeugin nicht übel, er lächelt sogar vor sich hin.
Auch sein ehemals bester Freund Jonny K, ein 20 Jahre alter Produktionshelfer, kann dem Gericht glaubhaft versichern, dass Gewalt im Leben des Angeklagten genauso wenig eine Rolle spielt wie Homosexualität. Dafür bescheinigt Jonny K. dem vier Jahre älteren Alexander B. aber "einen Hang zum Luxus". Fünf Tage Berlin "mit Partys, Puff und Klamotten kaufen" für 3000 Euro zum Beispiel oder der Trip mit einem Mietwagen 2005 nach Timmendorfer Strand in das Hotel des späteren Opfers. Damals lernten der Hotelbesitzer und der Angeklagte sich kennen. Jonny K. war immer mit dabei.
"Der Hotelbesitzer schien Alex besonders zu mögen. Er gab uns einfach so die Schlüssel von seinem Porsche", erinnert sich Jonny K., der gleich gemerkt habe, dass der Hotelier homosexuell ist. "Dann ist der eben ein bisschen schwul", soll Alexander B. damals gesagt haben, "so einen muss man sich warmhalten, das muss man ausnutzen."
Am 22. Mai wird der Prozess fortgesetzt.
In den letzten 7 Tagen schon 1 mal gelesen - zuletzt am 24.07.2010 um 15:41.
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