ln-online/lokales vom 31.10.2008 00:00
Gespensterjagd zu Halloween
Andre Reichert, Knut Bültemann und Silke Bäckermann haben in Lübeck Paranormales entdeckt. Foto: MAXWITAT
Es ist kalt, dunkel und unheimlich in den alten Kellern des verlassenen Lübecker Fabrikgebäudes. In einem Raum, in dem die massiven Eisengitter an den Fenstern schon ganz verrostet sind, hat Silke Bäckermann etwas gespürt. Das Messgerät für Elektromagnetische Felder (EMF) hat ausgeschlagen. Die Geisterjäger probieren ein „Sit-in“. Sie wollen Kontakt aufnehmen. Knut Bültemann baut eine Videokamera und ein Diktiergerät auf. Dann schalten alle ihre Taschenlampen aus. Es ist stockfinster und totenstill. Ein kalter Luftzug geht durch das Gemäuer. „Machen Sie sich bemerkbar“, sagt Andre Reichert ruhig und stellt seine Fragen. „Klopfen Sie zweimal für Ja und einmal für Nein. Sie können auch auf das Tonband sprechen.“ Die Geisterjäger harren in der angespannten Stille aus, doch nichts regt sich. Das hat aber keine Bedeutung, „wir hatten trotzdem schon Stimmen auf dem Tonband“, erzählt Bäckermann. Und auch diesmal wird nur auf dem Tonband etwas zu hören sein.
„If there’s something strange in your neighborhood, who you gonna call? „Wenn etwas Ungewöhnliches passiert, wen rufen Sie?“ – „Ghostbusters!“, singt Ray Parker in dem Lied zum gleichnamigen Film. Und so ähnlich ist es auch bei den Geisterjägern aus Hamburg. Nur dass die drei „Ghosthunter“ sind. Rund 15 professionelle Geisterjäger gibt es in ganz Deutschland. Dazu gehören auch Knut Bültemann und seine Truppe. Sie heißen „Paranormal-Nord“ und gehen in ihrer Freizeit mit einer 3000 Euro teuren Ausrüstung auf die Suche nach dem Ungewöhnlichen. Genau wie im Film kann man auch bei „Paranormal-Nord“ anrufen, wenn etwas Merkwürdiges zu Hause passiert (für Geister-Gläubige: 040/ 40 17 14 74). Allerdings sind nicht immer paranormale Phänomene für den Spuk verantwortlich. „Da, ich hör was“, sagt Silke Bäckermann und geht zu einem Treppenaufgang. „Das Gerät hat eben ausgeschlagen“, ergänzt Andre Reichert. Bültemann beruhigt, „das sind nur Wassertropfen“. Und seine Kollegen lachen. So entstehen Geistergeschichten.
Tagsüber arbeiten die „Ghosthunter“ in ganz normalen Berufen, sind Fachangestellte, oder EDV-Spezialisten. „Man muss nicht nur nachts Geister suchen. Aber die Sinne sind im Dunkeln geschärfter – und es ist ruhiger“, erklärt Bäckermann. „Oft finden wir eine Erklärung, wie Elektromagnetische Felder von Strom- oder Wasserleitungen“, erklärt Bültemann, während er seine Metallkoffer auspackt.
Die Keller des alten Hauses sind unübersichtlich, verwinkelt und könnten auch der Drehort für einen Horrorfilm sein. Die Jäger markieren sich den Weg mit Knicklichtern. Sie haben Digitalkameras und EMF-Messgeräte dabei. „Und was erwartest du?“ „Ganzkörpererscheinungen, das weißt du doch“, scherzt Silke Bäckermann im Taschenlampenlicht mit ihren Kollegen. Plötzlich piept es. „Hier am Schacht“, sagt Bültemann. Er baut die Kamera mit Infrarotsensor und Bewegungsmelder auf. „Manchmal merkt man, dass etwas anders ist“, erklärt Andre Reichert. „Wir waren auf einem napoleonischen Schlachtfeld in der Nähe von Lüneburg“, da spürten die Hamburger „mehr“.
Es gab weitere unheimliche Situationen: „Mitten im Wald hatten wir auf einmal das Gefühl, dass uns jemand oder etwas anfasst“, erzählt Silke Bäckermann. Sie haben mehrere Tonbänder, auf denen Stimmen zu hören sind, eine sagt: „Er liebt mich doch“, aufgenommen auch im Wald. Geisterjäger müssen mutig sein. Die drei ähneln mit ihren Geräten eher experimentellen Wissenschaftlern als esoterischen Aufschneidern. Wo andere eine rein wissenschaftliche Erklärung vorziehen, vermuten sie mehr: Seelen von Verstorbenen, gespeicherte Energien. Oder Personen, die durch ihre Gedanken und Emotionen etwas auslösen könnten.
Das gesammelte Material aus Lübeck sichten die SpukExperten Tage später. Und tatsächlich ist auf dem Tonband aus dem alten Fabrikgebäude etwas zu hören – es klopft.
In den letzten 7 Tagen schon 17 mal gelesen - zuletzt am 30.07.2010 um 09:11.
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