Der Strand des Ostseebades Boltenhagen ist mit der Eröffnung der Weißen Wiek im vergangenen Mai zwar auf fünf Kilometer angewachsen, trotzdem platzt er an heißen Sommertagen aus allen Nähten. Dann wünschen sich alle mehr Freiheit: normale Badegäste, Hundeliebhaber und die Freunde der Freikörperkultur – kurz FKK.
Letztere dürfen sich seit vielen Jahren nur zwischen den Strandabschnitten 11 und 12 ihrer Sachen entledigen. Da ist für das Blankziehen nicht viel Platz, zumal mittendrin auch noch ein Volleyballnetz steht. Trotzdem soll die Freizeitsportanlage bleiben, weil sie von morgens bis abends genutzt wird, so Beatrix Bräunig (SPD) in der jüngsten Sitzung des Kurbetriebsausschusses. Besser fände sie es, wenn sich die FKK-Fans auch noch woanders ausbreiten dürften – und zwar mit Genehmigung.
Die gibt es jetzt. Künftig dürfen sich Badegäste ohne Klamotten zwischen die Textilfraktion am Strandaufgang 13 mischen. Dort ist das inoffizielle Probeliegen im letzten Sommer nicht geglückt. „Diejenigen, die das praktizierten, hat der Strandkorbvermieter aufgefordert, den Bereich zu verlassen, weil sich andere Gäste von ihnen belästigt fühlten“, berichtet Beatrix Bräunig vom erfolglosen Versuch, der mit Einverständnis der Kurverwaltung durchgeführt wurde.
Dass viele Leute zumindest einen Hauch von Stoff auf nackter Haut bevorzugen, wird unterschiedlich begründet – angefangen von der Ästhetik bis hin zur Züchtigkeit. Denn was in der ehemaligen DDR zur normalen Strandkultur gehörte, bringt heute einige Gäste regelrecht auf die Palme. „Wir haben schon Beschwerdebriefe von Kirchen erhalten“, informierte Kurdirektor Dieter Dunkelmann.
„Vor allem Leute aus den alten Bundesländern sind oft prüde“, ergänzte Ausschussmitglied Michael Steigmann (Linke). Trotzdem dürften die Nudisten „nicht eingepfercht oder ans Kliff nach Redewisch verbannt werden.“ Vielleicht würde ein zweiter Strandabschnitt helfen, die Vorurteile abzubauen. „An der Seebrücke wäre das der Hit“, kann sich Kirsten Koch gut vorstellen, dass viele Leute wohl nur zu gerne ihre Blicke über Hintern und Busen schweifen lassen würden, während sie zum Aussichtspunkt bei den Fahrgastschiffen gehen.
Generell sei ein weiterer Nacktbadebereich möglich, so Dieter Dunkelmann. Aber nicht überall am Strand zwischen den Ortsteilen Redewisch und Tarnewitz. „Vor allem vor dem Wichernhaus und der Mutter-Kind-Klinik ist das ausgeschlossen, auch weil unsere Prospekte dahingehend ausgerichtet sind“, erklärt er.
Die Entscheidung, dass sich Einheimische und Urlauber nahtlose Bräune in der Nähe der Hauptwache der Rettungsschwimmer holen können, sei nicht wahllos getroffen worden: „Dort befinden sich im Hinterland nicht so viele Häuser wie woanders“, erklärt der Kurdirektor, der bis zur Sitzung noch nichts von dem erfolglosen Mischungsversuch im letzten Jahr gehört hatte. „Die Nackten sind doch keine Aussätzigen“, ist Dieter Büchner (parteilos) fassungslos über die vielen Beschwerden. Er selbst habe auf Usedom lange Zeit hinter einem FKK-Strand gewohnt. „Und da hat sich niemand aufgeregt.“
Auch andere Ausschussmitglieder haben kein Problem mit den Leuten, die sich lieber ohne Klamotten in die Fluten stürzen. Im Gegenteil. Damit künftig von ihnen noch einige mehr zu sehen sind, hat das Gremium zugestimmt, dass ab diesem Sommer auch am Strandabschnitt 13 die Freikörperkultur möglich ist, worauf ein Schild hinwiesen soll.
Reddevil schrieb am 12.03.2009 08:24:
Ja, ich finde es super, das der FKK wieder an unseren Stränden wieder auf dem Vormarsch ist, wem es nicht passt soll ganz einfach nicht Hinschauen
sascha schrieb am 12.03.2009 10:25:
Endlich mal eine erfreuliche Nachricht für alle FKK Fans
Weiter so auch an anderen Stränden
Mier schrieb am 12.03.2009 12:35:
Genau sehr wichtig. In der ehemaligen DDR mochten ja schon immer gerne die Bürger FKK.
Ich finde das nur anmaßend. Schade bin immer gerne nach Boltenhagen gefahren. Nun nicht mehr.
Wilfried schrieb am 12.03.2009 22:39:
Ich -einer aus den alten Bundesländern und nicht prüde- habe in den letzten Jahren die Nacktbadestrände an der Ostseeküste in der ehemaligen DDR kennen- und schätzengelernt. Ich begrüße die Bemühungen der Boltenhagener und hoffe alsbald selbst dort ohne Kleidung zu schwimmen und sonnenbaden
m. Lunkewitz schrieb am 21.05.2009 16:00:
armes Deutschland
FKK sollte an allen Stränden Pflicht sein,
so könnte sich kein Textieler mehr aufregen.
Fritz Walter schrieb am 02.06.2009 08:50:
Leider ist es nicht so, wie es der Gemeinderat
beschlossen hat. Als das Schild aufgestellt werde sollte hat der Strandkorbvermieter festgelegt, das es nur etwa 20m im Strandabschnitt 13 stehen darf.Also bleibt alles beim alten. Oder?
Philipp schrieb am 17.06.2009 21:58:
Am besten und einfachsten wäre es, wenn jeder überall so wie er will. Und ich meine überall. Ich habe gerade damit an der Ostsee gute Erfahrungen gemacht, deshalb geht es dieses Jahr wieder dorhin. Und wo ich bin, ist FKK -
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