ln-online/lokales vom 23.05.2009 13:01
Polizei warnt vor neuer Partydroge
Lübeck/Kiel – Eine neue gefährliche Partydroge erobert den Norden: „Frenzy“ alarmiert Polizei und Zollfahndung gleich in doppelter Hinsicht. Der Wirkstoff Benzylpiperazin (BZP), der aus der Tiermedizin stammt, ist nicht nur äußerst gefährlich: „Bei Drogenschnelltests der Polizei bleibt der Wirkstoff unentdeckt“, sagt Bernd Heinemann.Der Geschäftsführer der Landesstelle für Suchtgefahren Schleswig-Holstein (LSSH) in Kiel fordert, ein bundesweites Drogenkontroll-Labor einzurichten: „Dort müssen neue Rausch-Substanzen frühzeitig erkannt und entsprechende Tests entwickelt werden.“ Die Behörden dürften der Drogenszene nicht länger hinterherlaufen.
Unklar ist, wie verbreitet „Frenzy“ im Norden tatsächlich schon ist: Die Substanz, die auch unter den Namen „A2“, „Nemesis“ oder „Benny Bear“ kursiert und stimulierend wirkt wie Ecstasy oder Kokain, ist bislang nur in wenigen Fällen durch toxikologische Untersuchungen von Verdächtigen nachgewiesen worden. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Aus gutem Grund: In Internetforen loben auch Konsumenten aus Schleswig-Holstein das Präparat – nicht zuletzt aufgrund der günstigen Preise.
Eine Packung mit 20 Kapseln kostet kaum mehr als zehn Euro. „In Deutschland ist der Wirkstoff Benzylpiperazin zwar seit dem vergangenen Jahr verboten, in Internet-Apotheken im Ausland wird er in Entwurmungsmitteln aber frei angeboten“, sagt Axel Hirth vom Zollfahndungsamt Hamburg. Dort wird in mehreren Fällen ermittelt – auch in Schleswig-Holstein. In Mecklenburg-Vorpommern ist „Frenzy“ bereits mehrfach bei Konsumenten nachgewiesen worden. Und auch der Ermittlungsgruppe Straßendeal der Polizei Lübeck ist das Präparat längst bekannt: „Wir können nur eindringlich vor dem Konsum warnen“, so Behördensprecher Detlef Riedel. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang: BZP führt zu Bluthochdruck, Krampfanfällen, Herz- und Hirnschädigungen, schlimmstenfalls zum Tod. Nicht ohne Grund ist Benzylpiperazin selbst für Tiere bereits in den 50er Jahren vom deutschen Markt genommen worden.
Die Konsumenten nähmen die Gefahren dennoch billigend in Kauf, sagt LSSH-Geschäftsführer Heinemann. „Auf der Suche nach ekstatischen und multitoxischen Rauschzuständen hat sich eine Chemo-Szene etabliert, die immer experimenteller wird“, mahnt der Experte des Kieler Gesundheitsministeriums. In Internetforen würden die Erfahrungen mit bestimmten Substanzen veröffentlicht. Besonders alarmierend sei, dass „Frenzy“ bei Schnelltests der Polizei nicht erkannt wird. „Wir können uns nicht leisten, dass berauschte Konsumenten im Straßenverkehr unentdeckt bleiben“, mahnt Heinemann. Der Suchtexperte fordert jetzt ein bundesweites Drogenzentrum. „Dort müssen Trends und ihre lokalen Dimensionen erforscht, vor allem aber neue Test-Screenings erarbeitet werden“, sagt Heinemann.
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