Klein, schwarz und fett - so sehen Helden der Wissenschaft aus: Die kleine Maus ist putzmunter, aber recht korpulent. Der Gen-Defekt, der ihren Urahn in freier Wildbahn längst als Leckerbissen hätte enden lassen, macht das Dickerchen zu einer idealen Labormaus, um die Wirkung von Diabetes-Medikamenten zu testen. Beim Pharmaunternehmen Nycomed in Barsbüttel gehören Mäuse, Ratten, Hamster, Beagle und Minischweine zu den Versuchstieren, die ihr Leben im Dienst der Wissenschaft lassen. Was auf der einen Seite immer wieder Tierschützer auf den Plan ruft, ist auf der anderen Seite ein notwendiger Sicherheitsfaktor auf dem Weg zum wirksamen Medikament.
"Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Medikamente vor der Anwendung am Menschen in Tierversuchen getestet werden", erklärt Dr. Jörg Kemkowski, Leiter des Barsbütteler Unternehmens mit 110 Mitarbeitern. "Aber Tierversuche sind ein Thema, über das sich schwer sprechen lässt, es gibt da bei jedem psychologische Barrieren."
Der Spagat zwischen Ethik und Fortschritt ist ein immerwährender Konflikt, der alle Beteiligten dazu zwingt, verantwortlich mit dem Thema umzugehen. "Es ist gut, dass es immer wieder Kritiker gibt, das treibt die Wissenschaftler", formuliert es Kemkowski. "Wenn man im Dialog bleibt, lernen beide Seiten voneinander. Heute kommt es beispielsweise nicht mehr darauf an, viele, sondern die richtigen Tierversuche zu machen. Wir wählen die Versuche so, dass wir eine größtmögliche Übertragbarkeit vom tierischen auf den menschlichen Organismus haben."
32 statt früher 46 Beagle pro Studie - die Zahl der Versuchstiere nimmt stetig ab. EKG, Blutprobe, Wiegen oder Blutdruckmessen gehören zum medizinischen Alltag der Vierbeiner. Langzeitstudien erstrecken sich dabei über Jahre, Kurzzeitstudien zur Wirkung enden nach ein paar Wochen auf dem Seziertisch. "Manchmal haben wir auch Hunde übrig, die geben wir dann an den Verein 'Laborbeaglehilfe' ab, der sie an neue Besitzer vermittelt."
Auch bei Nycomed führen die Hunde ein artgerechtes Leben: Munter tobt das Rudel im Gehege, kommt freudig bellend heran, sobald der Pfleger naht, und an ihr Los als Versuchstier erinnert nur die penible Hygiene der Pflegekräfte. "Wir brauchen eine möglichst saubere Basis für unsere Forschungen", beschreibt es Kemkowski. "Die Versuchstiere werden nur von zertifizierten Züchtern bezogen. Gerüchte, dass wir Tiere von der Straße fangen, sind erfunden."
Nach einer Eingangsuntersuchung und vier bis sechs Wochen Quarantäne werden die Beagle an den Menschen gewöhnt, der mit ihnen spielt und sie trainiert. "Das reduziert den Stressfaktor", begründet der Wissenschaftler, "die Hunde gehen dann von selber zum EKG, um sich anschließen zu lassen." Bei den Mäusen dudelt derweil der Verkehrsfunk: Ständiges Radiohören gewöhnt sie an die Stimmen um sie herum. "Früher haben sie sich bei jedem Eintritt erschreckt."
Kein Zusammenzucken also, wenn es die Tablette gibt, das Inhalat oder die Tropfen. Nycomed forscht an neuen Wirkstoffen etwa für Diabetes, Schmerzbehandlung, Atemwegserkrankungen oder auch für so genannte vernachlässigte Krankheiten wie das Kurzdarmsyndrom, an dem nur wenige 1000 Patienten leiden. "Bevor ein Medikament in die Anwendung geht, muss es auf die Wirksamkeit und auf seine Sicherheit hin untersucht werden." Die Dosis des neuen Medikaments, Wirkung und Nebenwirkung und schließlich die Auswirkung auf alle Organe und Gefäße geben Aufschluss darüber, ob eine Substanz in die Erprobung am Menschen gehen kann.
"Das Tierschutzgesetz erlaubt Tierversuche nur unter strengen Auflagen, die wir immer einhalten", betont Kemkowski. "Außerdem wird jeder Tierversuch bei der zuständigen Landesbehörde angemeldet und überprüft." Er ist stolz darauf, dass sein Unternehmen neue Standards gesetzt hat und in der Tierhaltung die vorgeschriebenen Bedingungen weit übertrifft.
Der wirtschaftliche Druck auf die Wissenschaftler ist groß, denn bis ein Medikament es zur Anwendung schafft, vergehen Jahre. Deshalb wird alles, was nach zwei Jahren keinen Erfolg verspricht, abgebrochen. Hat sich eine Versuchsreihe im Reagenzglas bewährt, geht sie in den Tierversuch, danach an erste Studien an gesunden Menschen, die sich dafür zur Verfügung stellen. Erst ganz am Schluss kommt das Medikament für kranke Patienten auf den Markt.
Tierversuche im Dienste der Menschheit - die Verantwortung ist groß. "Je länger die Mitarbeiter im Haus sind, desto größer werden ihr Mitgefühl und ihre Sensibilität für die Tiere", hat Kemkowski beobachtet, "das merke ich nach über 20 Jahren auch bei mir selbst. Aber ohne Tierversuche könnten wir nicht so viele Krankheiten heilen oder lindern, wie es heutzutage möglich ist."
Antonietta schrieb am 31.05.2009 13:25:
Neben Meerschweinchen, Kaninchen und Ratten werden Mäuse als klassische Laboratoriumstiere beschrieben, da ihre Zucht, Haltung und Pflege weniger aufwendig ist als die der größeren Tiere. Ausschließlich wirtschaftliche Aspekte bestimmen demnach diese Auswahl, die mit wissenschaftlicher begründeter Selektion nicht das Geringste zu tun hat.
kurt schrieb am 02.06.2009 15:25:
so ein einseitiger artikel ist eine schande für jede zeitungwissenschaftler tun einem leidarbeiten unter so großem druck,das ganze mitgefühl und sensibilität für die tiere.artgerechtes leben und daraufhin das wort gehege das passt nicht ganz zusammen.gesetzlich vorgeschrieben?nicht wer die pistole erfunden hat ist wichtig sondern wer den abzug betätigt
artikel wegen befangenheit abgelehnt
Gerhard Schwarz schrieb am 02.06.2009 18:33:
Also mehr Lobgesang geht nicht. Hat den Bericht Herr Dr. Kemkowski selbst geschrieben :-. Habe selten so einen unkritischen Artikel gelesen, das hat nichts mit Iformation zu tun
Gerhard Schwarz München
Frauke Albersmeier schrieb am 03.06.2009 10:15:
Schade, dass der Artikel nur Interessen und Sicht der Tierversuchslobby bringt. Den zu quälen, der sich nicht wehren kann, ist eine Bankrotterklärung an medizinische Ethik. Ich habe Angst vor "Ärzten", die eine Ethik des Quälens und der Lebensvernichtung gutheißen - noch dazu für Forschung, deren Nutzen nie bewiesen werden konnte, die stattdessen Katastrophen und Forschungsverzögerung bedingt.
Tanja schrieb am 03.06.2009 10:43:
Unverschämter Artikel Als sorge sich die Pharmaindustrie um das Wohlergehen der V-Tiere oder darum Krankheiten zu heilen Es geht um höchstmögliche Profitte und Wachstum Höher,schneller ,weiter..
F : Ethik und Moral ? A : Bringt kein Geld
Elisabeth Petrs schrieb am 03.06.2009 15:19:
Die meisten Nebenwirkungen von Medikamenten werden trotz Tierversuch momentan doch erst beim Menschen entdeckt Viel zu wenig Geld fließt in die oft besseren Alternativmethoden - und nicht jede Forschung ist sinnvoll.
Es muss endlich Anreize geben, aufzuhören, mit dieser entsetzlichen, auf Menschen kaum übertragbaren Barbarei
Uwe Schildnitz schrieb am 03.06.2009 21:41:
Die Kommentare zum Bericht sind hier ja überwiegend sehr kritisch. Zugegeben, der Bericht ist sehr sachlich gehalten, spiegelt aber nun mal leider die wirklichkeit in der Forschung.
Edgar Guhde schrieb am 04.06.2009 18:21:
Eine ethische Rechtfertigung für das Zutodeexperimentieren arg- und wehrloser Geschöpfe gibt es nicht. Auch dann nicht, wenn es dadurch medizinische Fortschritte gäbe.
Edgar Guhde
Gaby Stecher-Dick schrieb am 05.06.2009 07:33:
Sehr einseitiger ArtikelTierversucher bringen nach wie vor keine Vorteile, erhöhen aber die Leichtfertigkeit, mit der neue Verfahren bei Menschen angewendet werden.Nicht erwähnt werden auch die an Tieren erprobten Medikamente, die bei Menschen größte Schäden verursacht haben, Contergan, Lipobay, Vioxx usw.
Eckard Wendt AGfaN e.V. schrieb am 02.07.2009 07:33:
Nach dem Lesen verspürte ich Lust, als Versuchstier ein wohlumsorgtes Leben bei Herrn Kemkowski im Labor führen zu dürfen. Sarkasmus beiseite: Wir machen es uns zu einfach, wenn wir die Folgen falscher Lebensgewohnheiten auf Kosten unschuldiger Mitgeschöpfe kurieren. Gesunde Ernährung und viel Bewegung an frischer Luft haben keine Krankheiten zur Folge und sind auch garantiert ohne Nebenwirkungen
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