ln-online/lokales vom 22.07.2009 00:00
Geldsorgen beim Koki: Kino vor dem Aus?
Bangen ums Koki: Vorstandsmitglied Birgit Rohde, KoKi-Mitarbeiter Vitter Thiessen und Vereinsvorsitzender Arne Feddersen (v. l.). Das Kino ist mit dem Bundespreis für kommunale Kinos ausgezeichnet worden. Aber da die städtischen Zuschüsse gestrichen worden sind, kämpft das Kino ums Überleben. Foto: ULF-KERSTEN NEELSEN
Zwar ist die Freude über den jüngst erhaltenen Kinopreis des Kinematheksverbundes 2009 bei den Koki-Akteuren groß. Doch die Sorgen sind größer. „Das Haus behauptet sich nach einer Neuorganisation als Verein mit einer finanziellen Ausstattung, die einer Stadt mit 217 000 Einwohnern nicht angemessen ist“, heißt es in der Begründung der Kinopreis-Jury. Und genau da liegt der Knackpunkt des kleinen Lichtspielhauses an der Mengstraße.
„Bislang“, sagt Vereinsvorsitzender Arne Feddersen, „haben wir das Koki aus dem Vereinsvermögen und den Mitgliedsbeiträgen finanziert.“ Und das Vermögen wird zunehmend geringer – trotz steigender Besucherzahlen: „Im Jahr 2008 hatten wir 13 200 Zuschauer, zuvor immer nur zwischen 10 000 und 11 000“, sagt Vitter Thiessen, der einzige Vollzeit-Beschäftigte des Koki. Der Finanzierungslücke liege bei 2000 Euro monatlich.
Bereits vor Jahresfrist hatte der Verein die Unterstützung der Politik erbeten – die Stadt hatte das Koki einst mit 160 000 Euro pro Jahr bezuschusst. Einzelne Politiker machten sich für das besondere Kino stark – aber ohne Ergebnis.
„Außer netten Gesprächen und warmen Worten hat sich nichts ergeben“, sagt Feddersen. Warme Worte kommen auch von Kultursenatorin Annette Borns (SPD): „Es ist ganz bewundernswert, wie die Leute sich engagieren und wie toll das Programm des Koki ist.“ Aber angesichts der Haushaltssperre und der Streichung aller freiwilligen Aufgaben sieht sie keine Chance auf finanzielle Unterstützung des Kinos mit dem anspruchsvollen Programm.
Bleiben noch die Stiftungen, für die man nun Förderanträge erarbeiten will. Die Gemeinnützige Sparkassen-Stiftung hat schon einmal 30 000 Euro für technische Neuerungen gegeben, doch was Sorgen bereitet, ist der laufende Unterhalt des Kinos. Schließlich zahlt das Koki jährlich 14 700 Euro Miete samt Nebenkosten an die Stadt. „Und wir haben schon eine Streichliste erstellt und sämtliche Ausgaben auf den Prüfstand gestellt – mehr geht nicht“, sagt Feddersen.
Der Vorsitzende des gut 400-köpfigen Fördervereins sieht schwarz: „Wenn wir nicht kurz- bis mittelfristig, also bis Ende des Jahres, Unterstützung bekommen, ist das Koki tot.“ Wobei, so die Berechnungen, dem kommunalen Kino nur zwei bis zweieinhalb Jahre unter die Arme gegriffen werden müsste. „Danach könnten wir, wenn’s so weiterläuft, auf eigenen Beinen stehen.“
Trotz der Not hat sich das Koki-Team riesig über den Preis gefreut: „Im Jahr 2002 haben wir den zweiten Platz gemacht, im Jahr 2007 den dritten und nun den ersten“, sagt Vorstandsmitglied Birgit Rohde. Schließlich wird der Bundespreis für kommunale Kinos (Kategorie II, Städte mit 200 001 bis 500 000 Einwohnern) vor allem für herausragende Jahresprogramme vergeben. Und natürlich sind auch die 4000 Euro, mit denen der erste Preis nominiert war, mehr als willkommen. Sie fließen in den laufenden Koki-Unterhalt ein. Kriterien für die Jury waren unter anderem die Anteile von Stummfilmen, von deutschen Produktionen oder von Dokumentarfilmen am Gesamt-Jahresprogramm.
In den letzten 7 Tagen schon 7 mal gelesen - zuletzt am 28.07.2010 um 15:08.
iltis schrieb am 22.07.2009 08:04:
Auf die Miete könnte die Stadt doch wenigstens verzichten. Es wäre ein großer Verlust für die Kultur in Lübeck, wenn das KoKi eingeht - hoffentlich hat eine der Stiftungen ein Einsehen
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