Zeyneb D. (23) aus Mölln war eine lebenslustige junge Frau. Am Donnerstagabend wurde ihre Leiche im Keller eines Mehrfamilienhauses in der Altstadt von Mölln (Kreis Herzogtum Lauenburg) gefunden. Vermutlich starb die Türkin an einem Kopfschuss. Neben ihr lag eine Schusswaffe. „Es kann Mord gewesen sein oder Selbstmord“, so die Polizei gestern. Die Mordkommisssion ist eingeschaltet. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, hieß es.
Angehörige einer türkischen Familie hatten die Tote gefunden. „Eine Frau saß schreiend auf der Treppe eines Altstadthauses in der Möllner Mühlenstraße“, schildert ein Beobachter. „Ein Anwohner wurde auf den Lärm aufmerksam und sah nach.“ Durch ein erleuchtetes Kellerfenster habe der Mann erkennen können, dass dort eine Frau in einer Blutlache lag. „Die Frau rührte sich nicht mehr.“
Um die Hintergründe des Todesfalls rankten sich gestern wilde Spekulationen. Selbst ein „Ehrenmord“ sei nicht auszuschließen, hieß es. „Sie hatte Ärger mit ihrer Familie“, sagt ein junger Mann. „Zeyneb wollte in die Türkei zurück, aber ihre Familie war dagegen.“
Zeyneb trug keinen Schleier, eine Freundin beschreibt sie als fröhlich und lebenslustig. „Ich kannte sie seit zwei Jahren. Wir waren oft abends unterwegs, auch in Lübeck oder Hamburg.“ Sie glaubt, dass Zeyneb depressiv war. „Auch wenn man es ihr so nicht angemerkt hat.“ Ihr gegenüber habe Zeyneb früher einmal Selbstmordabsichten geäußert. „Ich hätte nie gedacht, dass sie es wirklich tut. Ich bin sehr traurig.“
„Alle sagen, sie hat sich umgebracht“, sagt eine junge Türkin (18). „Aber ich bin nicht sicher, ob das stimmt.“
Zeyneb arbeitete zuletzt drei Tage die Woche in einem türkischen Grill-Imbiss. „Heute hätte sie wieder kommen sollen“, so der fassungslose Chef Imed G. (39). „Sie war lieb, nett und freundlich, beliebt bei den Kunden“, erinnert er sich. Dass sie depressiv gewesen sei, könne er nicht bestätigen. „Mir ist nie was aufgefallen. Als ich von ihrem Tod hörte, konnte ich es erst gar nicht glauben.“
Zeyneb D. lebte in einer kurdischen Großfamilie mit vielen Geschwistern. Die Familie betreibt im Zentrum einen Döner-Imbiss. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, wohnt sie. Das Haus, in dem die Tote gefunden wurde, ist nicht weit entfernt. Dort wohnte eine Verwandte.
War in der Nacht die Lage noch weitgehend ruhig, so wurde es am gestrigen Nachmittag im Umkreis von Fundort und Wohnhaus immer hitziger. Zwei Brüder der Toten, die sonst im Grill-Imbiss Döner verkaufen, griffen mehrfach Passanten und Journalisten an und bedrohten sie massiv. „Einer hat mich überfallen und mir die Kamera weggerissen“, schilderte eine entsetzte türkische Agentur-Journalistin. „Er sagte: Wenn du etwas schreibst, bist du morgen tot.“ Ein Kurgast, wurde brutal geschlagen, die Brüder nahmen ihm seine Kamera ab und zertrümmerten sie. Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei an, brachte den Mann in Sicherheit und stellte den Täter.
Bei der Möllner Polizei gingen entsprechende Anzeigen ein. Es habe mehrere Todesdrohungen gegen Journalisten gegeben, hieß es dort, auch Polizisten seien angegriffen worden. Wieso die Brüder weiter auf freiem Fuß blieben, ist unklar.
„Ich habe Angst“, erklärte Marianne Zietzschmann (64), die einen Laden in der Nähe hat. Sie schloss bereits am Nachmittag ihr Geschäft ab.
„Ich bin fassungslos“, kommentierte Mark Sauer (41) vom Verein „Miteinander leben in Mölln“, der sich nach Brandanschlägen auf zwei türkische Wohnhäuser 1992 gegründet hat. Er habe in Mölln nie eine Bedrohung erlebt.
Gunnar Kreuz schrieb am 05.09.2009 15:37:
Die Bemerkung, daß Zeyneb keinen Schleier trug entspricht wieder typisch deutschem Journalismus. Ich kennen viele deutsch/türkische Mädchen in diesem Alter in Mölln, die keinen Schleier tragen. Schleier trägt nur eine kleine Minderheit und die kommt oftmals nicht aus der Türkei. Die mir ebenfalls bekannten Eltern haben auch kein Schleierproblem.
Bernd schrieb am 05.09.2009 18:50:
Diese Menschen mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude sind eine Bereicherung für uns alle. Maria Böhmer, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin.
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