Nadine M. (22) wollte nicht mehr leben. „Ich liebe dich“, simste die Studentin ihrem Vater. Dann nahm sie eine Überdosis Schlaftabletten. Das war vor zwei Jahren. Der Grund für ihren Selbstmord, so sind die Eltern überzeugt, war eine Vergewaltigung. Angeklagt: Ex-Discjockey Collins Y. (25) und Hobby-Rapper Isaac B. (21). Gestern nun das Urteil am Lübecker Landgericht: Freispruch.
„Nach dem Grundsatz ,Im Zweifel für den Angeklagten‘ kann nicht sicher festgestellt werden, dass die beiden Männer die Tat wirklich begangen haben“, erklärte Richterin Brigitte Kreuder-Sonnen (56). Und ließ die Ereignisse noch einmal Revue passieren. Wie Nadine M. in der Nacht zum 1. Dezember 2007 in einer Lübecker Disco den aus Ghana stammenden Collins Y. kennenlernte. Wie er sie im Taxi mit in seine Wohnung nahm. „Collins Y. hatte zwei Gramm Kokain dabei“, so die Richterin. „Er gab Nadine M. davon ab.“ Es kam zum Geschlechtsverkehr, und irgendwann betrat auch Isaak B. (21), der bei Y. wohnte, das Zimmer. Auch er wollte Sex. „Ich sagte zu ihm: Du kannst mitmachen“, so Collins Y. während des Prozesses. Er selbst filmte mit dem Handy.
Nadine ließ alles geschehen. Sie sei willenlos gewesen, sagte sie später, wie gelähmt. Sie habe anfangs Sex gewollt, dann aber nicht mehr. Erst mittags verließ sie die Wohnung. „Die haben sie die ganze Nacht vergewaltigt“, glaubt Nadines Vater Volker M. (49). Ähnlich habe Nadine dies auch der Polizei geschildert. Doch die Vernehmungsprotokolle sind teilweise nicht verwertbar, weisen Widersprüche auf. Es gibt keine Zeugen. Für eine Verurteilung nicht ausreichend, befindet das Gericht. Nur wegen Drogenbesitzes erhielt Collins Y. drei Monate auf Bewährung. Obwohl er, wie die Richterin ausführte, nicht das erste Mal gegen das Gesetz verstoßen hat.
Isaac B. allerdings wurde in einem zweiten, ähnlich gelagerten und deshalb parallel verhandelten Fall gestern doch verurteilt. Bei einer Party im März 2008 hatte er eine 17-Jährige vergewaltigt. „Er hielt sie an den Armen fest. Sie weinte und sagte ,Nein‘ “, schilderte Kreuder-Sonnen. Auch Isaacs Kumpels Luan D. (21) und David K. (17) waren dabei. Freundinnen hörten schließlich das Wimmern des Opfers und klopften gegen die verschlossene Tür. Vor Gericht brach die junge Frau zusammen – und konnte bis zum Schluss nicht mehr aussagen. Doch in diesem Fall gab es Zeugen.
Urteil: Ein Jahr und sechs Monate Jugendstrafe für Isaac B. Er wurde nach dem Urteil trotzdem auf freien Fuß gesetzt, weil er bereits elf Monate in U-Haft abgesessen hat. Der Rest wurde ihm auf Bewährung erlassen. Luan D., mit dem das Opfer sich zunächst scheinbar freiwillig eingelassen hatte, wurde zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. David K., der nur zuschaute, bekam wegen Beihilfe 80 Stunden gemeinnützige Arbeit aufgebrummt.
Collins Y., mit dicken Silberringen an den Fingern, Halskette und Hochsteckfrisur eine auffalllende Erscheinung, verließ den Gerichtssaal erhobenen Hauptes. Nadines Mutter Marion M. (47) dagegen kämpfte in Tränen aufgelöst um ihre Fassung. Volker M., von dem sie seit Jahren getrennt lebt und bei dem Nadine aufwuchs, zog es vor, gar nicht zu erscheinen. „Er wusste, er würde es nicht ertragen“, sagte sein Anwalt.
Auch Nadines beste Freundin Pia S. (25) konnte die Tränen nicht zurückhalten. „Wie kann es sein, dass man von einem Vergewaltigungsopfer unmittelbar nach der Tat eine widerspruchsfreie Aussage verlangt?“ Sie ist sicher: „Nadine ist wirklich vergewaltigt worden. Ich kannte sie so gut wie kein anderer.“
Catharina Strutz-Hauch vom Lübecker Frauennotruf wertete die Freisprüche gestern als „schwer erträglich“. „Für die Opfer ist es ein Signal, dass sich eine Anzeige nicht lohnt. Und die Täter fühlen sich einmal mehr auf der sicheren Seite.“ Das Urteil habe etwas Bagatellisierendes. „Es ist dramatisch. Einfach entsetzlich.“ Die Beteiligten wollen sich nun überlegen, ob sie gegen das Urteil Revision einlegen.
Jessy schrieb am 10.11.2009 09:10:
Einfach nur unfaßbar....
R.I.P. Nadinchen, we miss you...
sabine schrieb am 10.11.2009 09:59:
Ich war gestern Abend entsetzt,als ich im Regionalprogramm im Fernsehen sah, wie stolz und hochgewachsen die Angeklagten das Gericht verlassen haben. Ich hoffe, dass die Mutter den Verfahren bzw. das Ergebnis anfechtet und in Widerspruch geht Zählt eine Handyfotoaufnahme nicht? Ich finde es herzlos gegenüber dem Opfer und kann mit den Eltern mitfühlen...
Jens schrieb am 10.11.2009 11:13:
Auch ich wurde verarscht. Im Frühjahr begegnete ich einem Ex-Freund, mit dem ich einige Jahre zuvor Streit hatte. Er schlug mir ins Gesicht. Etwa 3 Monate später schrieb mir ein Staatsanwalt, daß er das Verfahren mit Zustimmung des Richters eingestellt hat "da kein öffentliches Interesse vorliegt". Mein Interesse an einer Verurteilung, als Opfer, scheint nicht zu interessieren. Pfui
Innenstadtbewohnerin schrieb am 10.11.2009 12:31:
Jetzt rennen die weiter draußen rum und vergewaltigen Frauen. Super Justiz Super Was braucht ihr denn um diese Idioten wegzusperren? Müsst ihr live dabei sein, um "genug Beweise" zu haben? Der Familie wünsche ich viel Kraft.
Hans schrieb am 10.11.2009 13:31:
Ich bin sprachlos wie dt. Richter urteilen. Einer der Täter wird wg. einer anderen Vergw. doch verurteilt muss aber seine Strafe nicht mehr absitzen da er 11 Monate in U-Haft gewesen ist und man ihm für die restlichen 7 Monate Bewährung gewährt.
Gott schrieb am 10.11.2009 13:48:
Wie kann Gott für gerechtigkeit sorgen ?
Familien Namen der "Täter" und Anschrifft würden helfen , ander zu retten.
Borat schrieb am 10.11.2009 14:52:
Die Falschbeschuldigungsquote bei Vergewaltigungen über 50 verhöhnt die wahren Opfer.
Schmitt schrieb am 10.11.2009 15:13:
Liebe Leute, wenn ich die ganzen Zitate lese schwillt mir der "Kamm" Die Mehrheit der Bevölkerung will doch keine harten Strafen und wenn die Justiz dies umsetzt ist es auch nicht Recht...Im spezielle Fall verhält es sich allerdings anders Die Frau ist ja wohl freiwillig mit zumindest einem der Typen ins Bett gegangen und für den "Rest" steht Aussage gegen Aussage. Traurig aber wahr
Freundin schrieb am 10.11.2009 15:24:
Das ist unfassbar War früher gut mit ihr befreundet Daher ist dieses Urteil für mich schwer zu ertragen Wie lange haben wir auf ein gerechtes Urteil gewartet Verstehe die Welt nicht mehr Dini ist nicht mehr, und diese Schweine machen sich ein schönes Leben Und machen fröhlich weiter Was muss noch alles geschehen? Deutsche Justiz? Wo ist die Gerechtigkeit??
Dini du fehlst
K.P.R. schrieb am 10.11.2009 15:45:
Das Wort einer toten Frau gegen zwei vorbestrafte Dealer,für die Frauen nur eines bedeuten:Sexobjekt.Und das Urteil:Die Herren sind frei und suchen sich das nächste Opfer
Ich habe gestern N3 gesehen und die Typen gesehen,wie sie sich lustig machten.Ein unfassbares Urteil
Hoffentlich hat die Opferfamilie die Kraft und das Geld um in Berufung zu gehen.
Später schrieb am 10.11.2009 16:17:
Dieses Urteil ist doch ganz normal in einem Land, in dem die Täter besser geschützt werden, wie die Opfer.
Nur eine Deutsche? schrieb am 10.11.2009 18:40:
Nach einem solchen Urteil wird mir schlecht. Wo sind die Licherketten, Demonstrationen und Solidaritätsbekundungen, die man sie vernehmen kann, wenn ein Ausländer angegriffen wird??? Was ich natürlich genauso verurteile, nur stellt es sich für mich so dar, dass mit zweierlei Maß gemessen wir.
Alles gute und viel Kraft für die Angehörigen
Carsten schrieb am 10.11.2009 20:21:
Es ist beschämend, abstoßend und und niederträchtig, was die deutsche 68er-Justiz hier wieder einmal demonstriert: Opfer sind slebst schuld Tätern wird mit servilem Verständnis entgegengerutscht Diese Richter machen sich zu Komplizen von Gewalttätern Ich habe Verständnis für jeden, der seine Wiedergutmachung selbst in Hand nimmt und dafür Konsequenzen auf sich nimmt.
Nachdenklich schrieb am 10.11.2009 21:05:
Traurige Angelegenheit. Die Justiz hat hier auf jeden Fall versagt. Aber auch unsere Gesellschaft, wie kann es denn sein, dass man sich mit solchen Gestalten abgibt und sie, gleichgültig warum, auch noch nach Hause begleitet?
hanso schrieb am 10.11.2009 22:30:
Glücklicherweise leben wir in einem Rechtsstaat, in dem
Verdächtige ohne Beweis nicht gleich am nächsten Baum
aufgeknüpft werden. Finde es auch alles andere als lustig, wie sich
hier Leute, die kaum mehr von dem Fall gelesen haben als ein
paar Absätze, zum besseren Richter aufschwingen. 68er sind
übrigens nicht gerade für Milde bei Gewaltverbrechen an Frauen
bekannt.
A.S. schrieb am 11.11.2009 13:35:
Es ist gut dass das Volk nicht verurteilen darf, es steckt voller Vorurteile, so jedenfalls finden wir auch nicht das Recht, dass wir erwarten.
Schockiert schrieb am 11.11.2009 16:03:
Tiefstes Mitgefühl und viel Kraft für die Angehörigen. Mal abgesehen von diesem Fall, kann es wirklich sein, dass Vergewaltigungen, Misshandlungen von Kindern usw. weniger schlimm sind als Kapitalverbrechen etc. wie oft läuft die werbung "5 jahre für raubkopierer"??dabei nimmt niemand körperlichen od. seelischen Schaden.
aber im Grundgesetz behaupten die Würde des Menschen sei unantastbar?
Peter Mack schrieb am 13.11.2009 12:16:
Eine hochgradig kriminelle Justiz gehört nun mal zur Post-Demokratie dazu.
Karl Napf schrieb am 13.11.2009 17:27:
"Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten.
Vom Feinde bezahlt, doch dem Volke zum Spott
Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,
dann richtet das Volk, dann gnade Euch Gott"
Theodor Körner 1791-1813
h.f. schrieb am 10.12.2009 06:02:
ich kann es immer noch nicht glauben, die kleine dini...wir werden sie nie vergessen.
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