In den Morgenstunden lichtet die Crew der „Graubutt“ den Anker. An Bord: Fischmeister Christian Schmiedeberg. Er kontrolliert das, was in den Netzen zappelt und diejenigen, die sie einholen. An an seiner Seite: Bernd Matthews. Er steuert das rund eine Million Euro teure Schiff.
Draußen, auf dem offenen Meer, ist es ungemütlich. Der Wind peitscht die Wellen gegen die Reling. „Bei diesem Wetter sind nicht viele Fischer und Angler unterwegs“, vermutet Christian Schmiedeberg. Der Sturm mache einen guten Fang zunichte. Und dennoch, einige versuchen ihr Glück. „Dahinten ist einer“ – Bootsmann Matthews zeigt Richtung Norden. Dort tuckert ein Boot, das mit bloßem Auge kaum zu erkennen ist. Fischmeister Schmiedeberg vergewissert sich mit dem Fernglas: „Der ist fast drin.“ Mit „drin“ meint er den Hafen der Insel Poel. Weil dort der zweite Fischmeister im Team, Karsten Schuchhardt, ohnehin gerade das überprüft, was die Fischer an Land bringen, lassen sie das Boot ziehen. Stattdessen geht’s in Richtung Priwall, und Christian Schmiedeberg macht die neueste Ausrüstung der „Graubutt“ startklar: einen tragbaren Computer. Der zeigt an, ob und wo vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gerade große Fischereiboote unterwegs sind. So haben die Fischmeister immer einen guten Überblick.
Das Revier der Fischereiaufsicht Wismar reicht von Rerik bis zur Grenze nach Schleswig-Holstein. In den Gewässern arbeitet Berufsfischer Kai Dunkelmann. Vor der Küste Boltenhagens schippert der 29-Jährige der „Graubutt“-Crew vor den Bug. „Ich habe nur ein paar Heringe“, ist er vom mageren Fang enttäuscht. Trotzdem will Christian Schmiedeberg mal einen Blick in die 25-Kilo-Kisten werfen – und in die Fischereipapiere. Ein Logbuch mit täglichen Fangdaten muss Dunkelmann nicht führen. Sein Schiff ist kleiner als acht Meter – der Vordersteven ist weg. Mit einer Säge hat er sich den lästigen Schreibkram erspart und füllt jetzt nur noch monatliche Anlandezettel aus.
Damit der Kontrolleur bei Dunkelmann an Bord kommen kann, müssen die Boote dicht aneinander fahren. Ein sportlicher Satz – und schon ist Christian Schmiedeberg auf der „Günther“. Dort schaut er nach, ob vielleicht irgendwo Lachs oder Meerforelle versteckt sind. Die haben jetzt nämlich Schonzeit und dürfen nicht gefangen werden. Verhindern soll das die richtige Maschengröße der Netze, auch die überprüfen die Fischmeister. Verheddert sich trotzdem mal ein Lachs während der Schonzeit darin, muss er wieder zurück ins Wasser – tot oder lebendig. „Die Fischer verstehen nicht, warum sie tote Fische nicht behalten dürfen“, erzählt Schmiedeberg. Doch so sei das Gesetz und Verstöße ahndet die Fischereiaufsicht – je nach Größe und Häufigkeit – mit Buß- und Verwarngeldern. „Wir sind aber in erster Linie ein Dienstleister für die Fischer, ein freundliches Miteinander und gegenseitige Unterstützung sind wichtig“, ergänzt der 49-Jährige. Kai Dunkelmann findet die Kontrollen sinnvoll: „Sonst kann ja jeder machen, was er will, bis irgendwann kein Fisch mehr da ist.“ Dass die Fangquoten eingehalten werden, ist die Hauptaufgabe der Fischereiaufsicht: „Wir sind die einzige Seekontrolle in den Küstengewässern“, so Schmiedeberg. Er überprüft regelmäßig auch Schleswig-Holsteiner, die mit spezieller Erlaubnis in den Gewässern Mecklenburg-Vorpommerns fischen dürfen – so wie die Besatzung der „Trave 4“. Sie habe vor Großklützhöved ihre Netze zu dicht zueinander ausgeworfen, befürchtet ein einheimischer Fischer, als er daran vorbeifährt. Per Funk fragt er deshalb bei Christian Schmiedeberg nach. Der schaut zum Radargerät und gibt Entwarnung: Der Mindestabstand, damit die Fische eine Chance haben, zu entkommen, wurde eingehalten.
In einiger Entfernung schippern gerade zwei Angler in Richtung Boltenhagenbucht. Sechs Ruten haben sie ausgeworfen, einige Dorsche bereits gefangen. Mit dem Lautsprecher kündigt Christian Schmiedeberg die Kontrolle an und angelt sich die Papiere mit dem Kescher. So muss er nicht auf das andere Boot steigen. „Alles in Ordnung, sie können weiterfahren“, sagt er, warnt aber gleichzeitig mit Blick auf die Ausrüstung: „Innerhalb der Wismarbucht ist Schleppangeln nicht erlaubt.“ Die Angler nicken und geben Gas – wie Bootsmann Matthews. Gegen 15 Uhr macht er wieder in Wismar fest.
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