ln-online/lokales vom 09.02.2010 00:00
Hiddensee weiter abgeschnitten: Leben auf der „Insel im Eis“
Alles ist weiß: Der Hafen von Vitte ist zugefroren, eine dicke Eis- und Schneeschicht bedeckt ganz Hiddensee. Foto: ANDREAS MEYER
Eines stellt Ramona Mann gleich klar: „Bei uns muss niemand hungern.“ Doch das war es dann auch schon mit den guten Nachrichten: Seit gut zwei Wochen ist die Ostseeinsel Hiddensee nun von der Außenwelt abgeschnitten. Und eine Besserung der Wetterlage ist nicht in Sicht. Die 50-jährige Ramona Mann und gut 1000 weitere Insulaner sitzen weiterhin fest. Und sie haben genug vom Leben auf der „Insel im Eis“.
Die einzig gute Nachricht: Die Versorgungsengpässe sind seit Sonntag erstmal passé. Der Tonnenleger „Görmitz“ hatte sich durch das stellenweise einen Meter dicke Eis zwischen Rügen und Hiddensee gekämpft und bei zwei Touren insgesamt 40 Tonnen Lebensmittel, Heizöl, Diesel und Ersatzteile nach Hiddensee geliefert. Das war dringend nötig: Am Mittwoch hatte die Deutsche Marine Lebensmittel eingeflogen. Doch die waren am Freitag bereits aufgebraucht.
„Wir haben nur das Nötigste bekommen. Mancher musste sich bereits Heizöl vom Nachbarn leihen“, klagt beispielsweise Einzelhändler Michael Bach (40) aus dem kleinen Inseldorf Kloster. An Baumaterial etwa mangelt es nach wie vor. „Das ist fatal“, sagt Bach. „Viele Hotels müssen vor der Saison sanieren und renovieren. Das ist kaum noch zu schaffen.“ Er wirft den Verantwortlichen vor, nicht früh genug auf das immer dicker werdende Eis reagiert zu haben. Die einzig eisgängige Fähre, die „Vitte“, musste mit Maschinenschaden in die Werft. „Das hätte nicht passieren dürfen.“
Auch die Hoteliers auf der Insel sind mit der Lage unzufrieden: „Die Winterzeit ist für uns wie eine zweite Hauptsaison“, sagt Thomas Meinhof. Der 50- Jährige betreibt das Hotel „Godewind“ im Insel-Hauptort Vitte. „Doch nun können die Urlauber nur mit dem Hubschrauber kommen. Das schreckt viele ab.“ Etliche Urlauber hätten ihren Aufenthalt storniert. „Das bedeutet für uns enorme finanzielle Einbußen.“ Doch es gibt auch Gäste, die sich gerade wegen der Abgeschiedenheit für Hiddensee entschieden haben. Heike Keller (43) aus Berlin ist eine solche Urlauberin. „Ich kann stundenlang spazieren, ohne einen Menschen zu treffen. So kriege ich den Kopf frei. Herrlich.“
Auch Ramona Mann (50) mag das Winterwetter. Doch so langsam sei es genug: „Wir sind nicht frei, können nicht einfach mal schnell nach Rügen zum Einkaufen. Das nervt auf Dauer.“ Den Insulanern bleibt nur, auf wärmere Temperaturen zu hoffen. Doch die sind nicht in Sicht.
In den letzten 7 Tagen schon 15 mal gelesen - zuletzt am 16.03.2010 um 19:03.
Weitere Meldungen, der Kategorie Vermischtes, aus Nordwestmecklenburg
Reiter stocksauer – Diebe klauen wertvolle AusrüstungDRK auf Werbetour im Kreisgebiet
Elflinge – Schwere Geburt nach 48 Stunden
Grevesmühlen: Jede Menge Lärm um das stille Örtchen
Eine Schule voller Experimente
Stadt lehnt Wunsch von Bürgern ab: Kein Verbot für schwere Fahrzeuge
373 Euro für das Freizeitzentrum in Grevesmühlen
Kinder hatten Spaß beim Töpfern
Irische Stepp-Revolutionäre begeistern am Donnerstag in Schweriner Sport- und Kongresshalle
Ähnliche Meldungen im Archiv suchen 
Nach Stichwörtern:
Hiddensee
Aus dem gleichen Land (DEU)
Weitere Meldungen aus
Nordwestmecklenburg
Anzeige
|
|||||||||||||||








