Eiswinter beschert Wattvögeln schwierige Zeit
Eiskalter Wind, Schnee und Temperaturen von bis zu Minus 16 Grad: Für die freilebenden Nandus in Nordwestmecklenburg ist es der bislang härteste Winter, seitdem sie vor neun Jahren in der Region heimisch geworden sind. Rund 120 der großen Laufvögel aus Südamerika gibt es mittlerweile in der Schaalseeregion. Doch vermutlich wird der Winter 2010 den schlaksigen Exoten zum Verhängnis.
„Wir haben in diesem Winter bereits sechs tote Nandus gefunden“, berichtet Reiner Schmahl, Artenschutzexperte vom Biosphärenreservat Schaalsee. Wahrscheinlich gäbe es aber viel mehr tote Vögel. Bei der nächsten Zählung im Frühjahr rechnet er mit erheblichen Verlusten im Bestand. Der Grund: Die Tiere sind nicht auf den harten Winter in unseren breiten eingestellt. „Trockene Kälte macht den Nandus nichts aus“, erklärt Schmahl. Das seien die Vögel, die ursprünglich im Hochland Argentiniens lebten, gewohnt.
Die hohe Schneedecke und die ständige Feuchtigkeit im strengen Mecklenburger Winter zehren jedoch an ihren Kräften. „Bei Matsch und Schnee wird das Gefieder der Vögel zu feucht“, erklärt Schmahl. Die Vögel kühlten dann dauerhaft aus.
„Viele sind durch Wind, Schnee und kalte Temperaturen geschwächt“, ergänzt Mario Axel, Ranger im Biosphärenreservat Schaalsee. Er glaubt, dass die Exoten nicht an die Nahrung unter der dicken Eisdecke kommen. Auch mit ihren starken Beinen und Krallen könnten sie nicht an Raps und Getreide kommen, die ganz oben auf ihrem Speiseplan stünden. Deshalb sei das Sturmtief „Daisy“ den Nandus gerade Recht gekommen, meint der Ranger. „Weil durch diesen Wind eben die Äcker zum Teil wieder freigeweht wurden.“ Doch viele schaffen es offenbar nicht. Axel hat seit Neujahr selbst drei der toten Tiere gefunden. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Nandus von Groß Grönau aus bis hin zum Schaalsee verbreitet.
„In diesem Winter könnte der Bestand ganz schön schrumpfen“, sagt Schmahl. Allerdings litten beinahe alle heimischen Tiere derzeit unter dem Winter. „Die Jäger der Region sind deshalb gebeten worden, Futter für die Waldtiere zu verteilen“, berichtet Schmahl.
Stefan Schwill vom Naturschutzbund Mecklenburg-Vorpommern (Nabu) ist weniger alarmiert. Die stetige Vermehrung der Nandus im Nordosten sieht er kritisch. „Wir wissen nicht, ob der Nandu langfristig ein Konkurrent für die heimischen Tiere wird“, sagt der Naturschützer. Das könne sich negativ auf das Ökosystem auswirken. Die Exoten aus Südamerika sind keine reinen Vegetarier. Sie fressen unter anderem Blindschleichen und Frösche, die unter Naturschutz stehen. Noch könnte die Ausbreitung der Laufvögel eingedämmt werden, glaubt Schwiller. Bei den eingewanderten Waschbären sei das schon zu spät.
Naturschützer im Land hatten sogar wiederholt gefordert, die Eier der Vögel einzusammeln, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Das ist umstritten. Die Nandus stehen weltweit auf der roten Liste der bedrohten Tierarten. Deshalb dürfen sie auch nicht gejagt werden. Und auch die Nandus haben Feinde in der Region. Dazu zählen in erster Linie der Adler oder bei besonders geschwächten Tieren auch der Fuchs.
Reiner Schmahl vom Biosphärenreservat sieht das anders. „Studien haben ergeben, dass die Nandus bislang keine Konkurrenz für heimische Tiere darstellen“. Angesichts des knackigen Winters können sich die Bedenkenträger nach Ansicht des Artenschutzexperten beruhigen: „Viele der Vögel werden in diesem Winter der natürlichen Auslese zum Opfer fallen“.
Thomas schrieb am 09.02.2010 10:10:
Der strenge Winter könnte hier ein Problem lösen helfen, das durch die künstliche Einfuhr der in Norddeutschland nicht endemischen Nandus entstanden ist - bedrohte Tierart zwar, aber bei uns ein Problem.
Astrid schrieb am 09.02.2010 12:14:
Warum sind die Nandus ein Problem? Sie sind keine Futterkonkurenten zu heimischen Tieren.
phoenix schrieb am 09.02.2010 12:44:
Ursprünglich wurden doch diese Piepmätze bei Schattin NWM gesichtet? Ausgesetzt, entsprungen oder wie auch immer. Der geahnte Verursacher, hatte sich wohl ein bleibendes Fleisch- und Wirtschaftspotential erhofft. Ja, so kann man sich irren. Nun irren sie schon herum bei Zarrentin " Arme und glückliche Schweine".
phoenix schrieb am 09.02.2010 13:31:
@ Thomas und Astrid. Ihre wissenschaftlichen Überlegungungen zu diesem Thema in allen Ehren, und bleiben Sie auch so. Aber dieser Vorgang war eine "Sauerei". Die Menschen sind nicht immer gut, denken Sie daran. Studieren Sie Bio, wäre toll. MfG.
wotan schrieb am 09.02.2010 20:48:
Also was dem Menschen nicht so alles zum Problem wird.Da hatten wir den "Problembär" und nun die"Problemnandus". Was macht man eigentlich gegen "Problemmenschen"?Es wäre sehr schade,wenn alle Nandus durch den harten Winter verenden aber das ist die natürliche Auslese.
phoenix schrieb am 09.02.2010 23:25:
@ wotan. Auch Du hast das Zeug zum Biologen.
Streng Dich an. Ganz herzliche Grüße. Phoenix
Xenopus schrieb am 10.02.2010 00:07:
@phoenix: aber auch ihre Kommentare lassen akademischen Weitblick vermissen. Die Einführung der Nandus nach Norddeutschland zwecks Erweiterung unseres Nahrungsangebots hat sicherlich keinen Nobelpreis verdient, aber es gibt wesentlich schlimmere Störungen der Ökosysteme als ein paar noch harmlose Laufvögel.
Xenopus schrieb am 10.02.2010 00:16:
Meist sind es raffgierige Wirtschaftsleute die uns das über Umwege einbrocken, aber es sind Biologen, Forstwissenscchaftler u.Ä., die sich Gedanken machen, wie man die Suppe wieder auslöffeln kann. Arrogante und bissige Kommentare helfen da wenig.
wotan schrieb am 10.02.2010 10:18:
phoenix@aber Du hast die Ahnung?Wir geben hier nur unsere Meinungen ab.
Thomas schrieb am 11.02.2010 21:33:
Manchmal haben kleine und in sich eigentlich unschuldige Handlungen späterhin schlimme Auswirkungen wie z.B. die Einfuhr von Kaninchen in Austraulien. So... vielleicht sollte man es nur unterlasserlassen das Schicksal bei jeder einzigen sich nur anbietenden Gelegenheit herauszufordern. Die animalische Lernfähigkeit ist nahezu unbegrenzt, die menschliche dagegen ist eben nur menschlich.
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