Grevesmühlen – Eisenbahn statt Luxuslimousine: Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) tauschte gestern seinen Autoschlüssel gegen ein Bahnticket. Für eine Zugfahrt quer durch das Land, von Schönberg bis nach Eggesin und wieder zurück.
Die Gründe für die Reise auf den Gleisen sind einfach: „Ich will wissen, was es heißt, auf den Zug angewiesen zu sein“, sagte der Verkehrsminister gleich zu Beginn der Fahrt in Schönberg. Die Erfahrungen der Tour seien besonders für zukünftige Debatten auf politischer Ebene wichtig. „Es lässt sich immer trefflich diskutieren, mit Kollegen, die zuletzt vermutlich vor 25 Jahren im Zug saßen“, sagte der 53-Jährige.
Im Hinblick auf die Abfahrtszeiten seien die Angebote der sechs Eisenbahnunternehmen im Land „recht gut“. Zwar könne die Bahn nicht jedes Dorf anfahren. „Aber man kommt gut und bequem durchs ganze Land“, lautet Schlotmanns Fazit. Dass alle Regionen mit der Bahn erreichbar sind, sei in einem dünn besiedelten Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern eine nennenswerte Leistung.
Schockierend seien hingegen die Zustände der Bahnhöfe in Grevesmühlen und Schönberg. „Es ist schon eine Schande, wenn diese Gebäude völlig verkommen.“ Schlotmanns Lösung: Die Kommunen müssten in den Erhalt der historischen Bausubstanz investieren. Interesse würden viele Städte – so wie auch Grevesmühlen – bereits zeigen, doch die Kaufpreise seinen oft zu deftig. „Die Bahn hat jetzt versichert, auf die Kommunen einzugehen. Das allerdings funktioniert nur, wenn es auch Investoren gibt“, erklärte Volker Schlotmann.
Während die Kommunen erst noch investieren sollen, haben Bund, Land und Deutsche Bahn AG bereits angekündigt, Geld in die Hand nehmen zu wollen. Die Eisenbahninfrastruktur solle gestärkt werden, und das schon in diesem Jahr. Mehr als 50 Millionen Euro sollen landesweit allein ins Streckennetz und in die Personenbahnhöfe der Deutschen Bahn AG fließen.
Die Zugfahrt von Schönberg nach Grevesmühlen beurteilte Volker Schlotmann als „angenehm“. Sauberkeit sowie komfortable Sitze lobte der 53-Jährige. Zum Preis – eine einfache Fahrt kostet 3,80 Euro – sagte er: „Ob das teuer oder günstig ist, kann ich nicht sagen. Kommt immer auf das Einkommen des Reisenden an.“ Bei gutem Mittelverdienst seien die Fahrtkosten tragbar.
Unzufrieden zeigte sich Schlotmann hinsichtlich des seit langem vom Land geforderten vollständigen Ausbaus der Strecke Lübeck-Hagenow-Bad Kleinen-Bützow. Bislang sei das Vorhaben nur angekündigt. Lediglich die Modernisierung des Bahnhofs Bad Kleinen soll bis Ende 2013 komplett umgesetzt werden. Damit der Zeitplan eingehalten wird, bemühe sich das Land um den Einsatz von EU-Mitteln, so Schlotmann.
RWHH schrieb am 09.02.2010 10:12:
Der Minister sollte mal den katastrophalen Zustand des Bahnhofes nebst Vorplatz in Grevesmühlen begutachten. Dass sowohl die ewig lächelnde Landrätin als auch der vom Streß seines Amtes sichtlich gezeichnete Bürgermeister aus ihren Dienstlimousinen den Bahnhof nicht wahrnehmen ist verständlich. Aber Pendler und Touristen frequentieren dieses verdreckte in sich zusammenfallende Aushängeschild tägl.
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