vom 20.02.2010 09:41
Die Polizei rückt bundesweit jeden Tag zu Hausdurchsuchungen aus und beschlagnahmt Computer. „Das ist ein Massenphänomen. Allein in Schleswig-Holstein suchen pro Monat tausend Betroffene Hilfe – und es werden mehr“, sagt Boris Wita, Verbraucherschützer aus Kiel. Selbst wenn der Vorwurf richtig sei, mahnt er, die Forderungen nicht voreilig zu bezahlen.
„Die Musikverlage und Kanzleien haben Verstöße gegen das Urheberrecht im Internet als neues Geschäftsmodell entdeckt und überziehen die Betroffenen mit horrenden Schadensersatzforderungen und Anwaltskosten“, sagt Wita. So soll ein Bad Segeberger 1500 Euro für das Herunterladen von vier Titeln von „Lady Gaga“ bezahlen. Ein Timmendorfer soll knapp 2000 Euro überweisen, weil er anderen Nutzern auf einer Tauschbörse kostenlos das neue „Bushido“-Album zugänglich gemacht hat. Von einem Lübecker werden 850 Euro für das illegale Kopieren eines Hörspiels der „Drei Fragezeichen“ verlangt – 500 Euro berechnet der Anwalt, den Rest will die Plattenfirma als Schadensersatz.
Forderungen, die nicht nur überzogen, sondern pure Abzocke seien, sagt der Verbraucherschützer. Die Rechtssprechung sei eindeutig. Tatsächlich darf pro illegal kopierten Titel nicht mehr als 30 Euro, für ein Anwaltsschreiben nicht mehr als 100 Euro kassiert werden. Plattenfirmen und ihre Kanzleien nutzen den Überraschungseffekt ihrer Abmahnungsbriefe schamlos aus. „Die meisten Eltern werden eiskalt erwischt. Meist sind es nämlich Kinder, die Titel im Internet ohne ihr Wissen heruntergeladen haben“, sagt Wita. Um Ärger, weitere Kosten oder gar angedrohte Prozesse zu vermeiden, gehen die Eltern auf die Forderungen ein, unterschreiben blind die Unterlassungserklärungen. Die 250 Betroffenen, die sich pro Woche an die Verbraucherberatung im Norden wenden würden, seien nur die Spitze des Eisbergs. „Die Industrie kassiert mutmaßlich mittlerweile mehr Geld mit Abmahnungen, als sie mit dem Verkauf von Musik einnehmen würde“, sagt Wita.
Kritik am harrschen Vorgehen der Plattenfirmen kommt auch von der Landespolitik. „Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, mahnt der FDP-Rechtsexperte Gerrit Koch. Die Plattenfirmen sollten einfache Mahnbriefe verschicken und erst im Wiederholungsfall mit finanziellen Sanktionen drohen. Der innen- und rechtspolitische Sprecher der Landes-Grünen, Thorsten Fürther, warnt gar vor einer Kriminalisierung von Kindern und Jugendlichen. „Wenn die Polizei per Durchsuchungsbefehl Computer aus Kinderzimmern räumt, ist das völlig verfehlt. Damit tut sich die Musikindustrie keinen Gefallen.“
Der Bundesverband der deutschen Musikindustrie (BVMI) weist die Vorwürfe zurück. „Wir machen das nicht zum Spaß, sondern versuchen Millionenschaden abzuwenden“, so Daniel Knöll vom BVMI. Allein im vergangenen Jahr seien in Deutschland 316 Millionen Titel illegal kopiert worden. „Auch wir würden lieber Mahnen anstatt Abmahnen, aber dennoch muss das Raubkopieren schmerzen“, so Knöll.
Mafiagegner schrieb am 20.02.2010 10:39:
Das Verhalten der Industrie grenzt für mich an organisierte Kriminalität. Handlanger sind geldgierige Anwaltskanzleien. Bei dem Thema sollte sich die FDP nicht so weit aus dem Fenster lehnen, sondern erstmal in den eigenen Reihen umschauen, so meine Meinung.
Sokrates schrieb am 20.02.2010 14:20:
Wenn ich eine Album-CD für Video-DVD gilt entsprechendes herunterlüde, entstünde doch nur ein Schaden, wenn ich sie NICHT kaufte und dann auch nur in Höhe des günstigsten Laden-Preises Forderungen in o.g. Fällen sind unverschämt Was die horrorndes Anwaltshonorare angeht, dacht ich immer, dass sich die am Streitwert orientieren?
Patrick schrieb am 20.02.2010 14:39:
Das grenzt nicht nur an organisierte Kriminalität, sie ist es. Denn es gibt keinerlei Grund für die Plattenfirmen etc pp tatsächlich so hart gegen Raubkopierer vor zu gehen. Solange nur heruntergeladen wird, sollte eine 2-3fache Mahnung durchaus reichen. Erst wenn die Musik von Usern zum Herunterladen durch Dritte ins Netz stellen, sollten harte Strafen ergehen. Was ist an dem Vorgehen so schlimm?
sony333 schrieb am 20.02.2010 17:12:
wenn jemand sich ein album ladet un es mit freunde hört denn ist es doch auch werbung für den künstler das macht ihn noch mehr populer als wenn keine sau seine songs hört un wenn der denn hier ein konzert gebt denn laufen alle hin weil die ihn schon mal gehört haben oder ein album haben egal ob kopie oder original plus die ganze fan artikel verkaufen sich denn auch gut also wo ist denn das prob
Ludwig schrieb am 20.02.2010 18:49:
Vor allem sollte die Wortwahl mal etwas bedacht werden. Ein Raub ist immer mit Gewalt verbunden. Selbst wenn jemand eine CD im Laden klaut, so ist dies immer nur ein Diebstahl und kein Raub Das sollten die Medien auch einmal klarstellen. Oder wird die Musik durch Gewaltanwendung kopiert?
Ratzeburger schrieb am 21.02.2010 00:22:
Ja Ludwig, da hast du recht. Nach dem StGB ist Raub eine Straftat. Was hier abgeht was die Unternehmen und Anwälte machen ist strafbar.
Martin schrieb am 21.02.2010 09:25:
Was ich bis jetzt immer noch nicht verstehe wieso sperrt man dann solche Tauschbörsen nicht? Ich denke das das alles von den Plattenfirmen gewollt ist um dann mit hohen Schadensersatzforderungen Kohle abzuschöpfen.
Außerdem sollen die sich doch mal überlegen für wie viel Geld einen CD hergestellt wird das sind doch nur Cent und für wie viel sie dann verkauft wird. 1000 Gewinn. Wehn wunderts dann
Dr. Matthias Klinger schrieb am 21.02.2010 11:30:
Wie ist das eigentlich mit dem Mitschneiden von Radio oder Fernsehen? Der Tatbestand ist vergleichbar, es gibt einen Gleichheitsgrundsatz, nur erfaßt Big Brother bis jetzt noch nicht Frequenz und Dauer des Hörens bzw. Sehens. wird jetzt jeder Besitzer eines Radiokassettenrekorders unter Pauschalverdacht gestellt? Oder darf nur noch in Gegenwart eines Anwalts Radio gehört bzw. TV gesehen werden?
Constantin von netzwelt.de schrieb am 22.02.2010 11:03:
An alle Betroffene, die eine Abmahnung erhalten haben
Ich komme von Netzwelt.de, der größten Selbsthilfegruppe im Internet, die Filesharing-Opfer kostenlos berät und alle wichtigen Informationen wie man sich richtig verhalten sollte, zur Verfügung stellt. Nicht reagieren, ist verkehrt. Nur soviel: Niemals die mitgelegte Unterlassungserklärung unterschreiben. ModUE und sonst nix
Constantin
Carol Betroffen schrieb am 22.02.2010 12:16:
Ich teile in jedem Fall die Meinung von Dr. Matthias Klinger und es würde mich brennend interessieren was die Politik dazu sagt. Denn diese Schreiben, die da verschickt weden, treffen eh nur "die kleinen Fische" weil an die "Großen", die das proffesionell betreiben und eigentlich diejenigen sind welche die Musikindistie schädigen niemand rankommt. Denn die wissen wie man nicht erwischt wird.
Jurist schrieb am 22.02.2010 21:45:
Ist es nicht so, dass für den privaten Gebrauch Kopien von Software oder Musik gezogen werden dürfen? Entscheidend ist doch, dass die Kopiervorlage legal besorgt wurde: Wenn also Nutzer A ein gekauftes Musikstück ins Internet stellt, darf sich doch wohl Nutzer B eine Kopie erstellen. Mich würde interessieren, welches Urbheber-Recht angeblich verletzt wird. Meine CD dürfte ich auch verleihen
Thomas Birker schrieb am 26.02.2010 20:56:
Was wird sich denn hier aufgeregt, wer nichts illegales tut, brauch ja auch nichts zu befürchten Also einfach sein lassen
Aber heißt es nicht getroffene Hunde bellen?
Ich bin Produzent und seit diesem Jahr es auch leid, dem illegalen saugen weiter tatenlos zuzusehen. Daher haben wir jetzt auch die Jagd auf Sauger mit Hilfe starker Partner begonnen
Oliver Donnerstag schrieb am 03.03.2010 21:47:
Strafe schön und gut. Würde ich in meinem Fall auch ohne murren und knurren bezahlen. Fehler gemacht erwischt worden fertig. Aber warum muß die Anwaltsgebühr fast das doppelte betragen. Dies bin ich nicht bereit zu zahlen. Das ist meiner Meinung nach die große Anzocke
Weitere Wirtschafts-Meldungen aus Lübeck
Possehl verstärkt sein Geschäftsfeld Elektronik63-jährige Frau von zwei Unbekannten beraubt
|
|||||||||||||||










